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Know-How

Dachträger-Special: Alles Gute kommt nach oben

11. September 2013 von Falk Bruder

Wie kommt das Boot zum Bach? Die Antwort ist meist eindeutig: mit dem Auto. Dank ausgereifter Dachträgersysteme ist das heute so sicher und komfortabel wie nie zuvor. Falk Bruder, seit 30 Jahren Paddler, kennt die Straßenverkehrsordnung wie seine Schwimmwestentasche und verrät seine Tipps und Tricks in Sachen Bootstransport.

Je nach Fahrweise kann die Dachlast den Verbrauch um bis zu 30 Prozent erhöhen.

Faltbootfahrer werden lächeln, aber Kanusport ist meist auch Motorsport; leider! Ohne eigenes Fahrzeug ist es heutzutage sehr schwer (oder mit viel Aufwand verbunden), neue Gewässer zu entdecken, die nicht direkt vor der Bootshaustür liegen. Im Zeitalter uneingeschränkter privater Mobilität wird aufgeladen und losgebraust. In den meisten Fällen geht das auch gut, zum Glück hört man nur selten von herrenlos herumliegenden Booten auf öffentlichen Straßen. Markendachträger werden strengen Sicherheitstests unterworfen; allerdings bevorzugt mit Fahrradhaltern und Dachboxen, der am häufigsten vorkommenden Beladung. Mit Booten hat nur mal der TÜV Bayern in den frühen 80er Jahren getestet. Mit haarsträubenden Ergebnissen. Die Boote flogen raketengleich vom Dach des auffahrenden Autos in die Heckscheibe des Vorderfahrzeugs und durchbohrten dieses bis zur Windschutzscheibe. Damals wie heute gilt von Rechts wegen und getreu dem gesunden Menschenverstand: Der Fahrer ist für seine Dachlast verantwortlich.

 

En détail lautet die paddlerrelevante Gesetzgebung wie folgt: Zuständig für das Befördern von Dachlast auf dem Auto sind die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) und die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). §34 der StVZO besagt, dass das zulässige Gesamtgewicht (angegeben im Kfz-Schein), also das Gewicht des leeren Fahrzeugs plus der Beladung an Passagieren und Material, nicht überschritten werden darf. Wie diese Beladung auszusehen hat beziehungsweise welche Maße nicht überschritten werden dürfen, nennt der §22 der StVO. Absatz 1 besagt: »Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.« Absätze 2 bis 5 beschreiben die maximalen Höchstmaße der Ladung.

Besser: Profischlüssel statt Billig-Inbus.

Für Paddler ergeben sich aus der StVO folgend­e Regeln:


• Fahrzeug und Ladung dürfen nicht breiter als 2,55 m und nicht höher als 4 m sein.


• Die Ladung darf nicht nach vorne (hier gilt die Stoßstange) über das Fahrzeug überstehen. Erst in einer Höhe von mindestens 2,5 m darf die Ladung nach vorne um maximal 50 cm überstehen, dies ist für Hochdachwohnmobile und sehr lange Boote (z. B. Outrigger) interessant.


• Nach hinten darf die Ladung bis zu 1,5 m hinausragen. Ab 1 m Überstand muss sie aber kenntlich gemacht werden: Hier ist z. B. ein­e rot­e Fahne möglich, die mindestens 30 x 30 cm groß ist, durch eine Querstange aus­einander gehalten wird und maximal 1,5 m über der Fahrbahnoberfläche hängt. Bei Wegstrecken bis zu 100 km darf der Überstand nach hinten sogar 3 m betragen. In Verbindung mit §17, Absatz 1, reicht während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern, diese Fahne nicht. Dann muss der Ladungsüberstan­d beleuchtet sein und einen rote­n Rückstrahler (max. 90 cm über der Fahrbahn) besitzen.


• Schließlich darf die Ladung (NICHT der Dachträger, der gehört als Anbauteil zum Fahrzeug!) seitlich bis zu 40 cm über die Fahrzeugleuchten (NICHT die Fahrzeugbreite! Maximale Gesamtbreite von 2,55 m beachten!) hinausragen. Darüber­ hinaus ist sie mit vorgeschriebenen Leuchten kenntlich zu machen. Einzelne Stangen (sic – Dachträgerholm!) oder Pfähle, waagerecht liegende Platten und andere schlecht erkennbare Gegenstände dürfen seitlich nicht hinaus­ragen.


• Gerne werden Kajaks auch als Gepäckboxen für z. B. das nasse Neopren genutzt. Wieviel Zuladung darf also aufs Dach? Da macht der Gesetzgeber keine Angaben, solange das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs nicht überschritten wird (s. o.). Manchmal ist in den Fahrzeug­spezifikationen oder in der Bedienungs­anleitung des Dachträgers eine Angabe des Hersteller­s zu finden. Sie gilt als einzuhaltender Richtwert, ist vor dem Gesetz aber nicht bindend (anders kann es im Versicherungsfall aussehen ...). Beachten Sie, dass jedes aufs Dach geladen­e Kilogramm die Fahreigenschaften des Fahrzeugs verändert. Besonders bei Seitenwind, in Kurven und bei Bremsmanövern muss eine hohe Dachlast durch vorausschauendes Fahrverhalten kompensiert werden.

Bootsschonender »69er« – ideal für kurze Freestylekajaks.

Welchen Grundträger hätten‘s denn gern?
Der Paragrafendschungel ist gelichtet, zurück zum Dachträger selbst. Es gibt vielerlei Lösungen und diese hängen wiederum ganz vom Fahrzeugtyp und den vorgesehenen Befestigungspunkten ab. Oft vertreiben die Kfz-Hersteller selbst modellspezifische Dachträger. Diese sind meist teuer und bieten uns Boots­fahrern kaum individuelle Lösungen. Besser sind da Dachträger von den großen Herstellern (Thul­e, Atera, Mont Blanc etc.), die ein umfangreiches Programm an Zubehör und Anbauteilen (oft praktisch, manchmal unausgegoren) an­bieten. Auch hier ist die Befestigung dem Kfz-Modell anzupassen. Vorteil ist, dass man meist nur die Füße austauschen muss und den Grund­träger und das Zubehör weiter nutzen kann.


Besonders auf die Anforderungen der Paddler hat sich Zölzer mit seinem Trägersystem spezialisiert. Aus den Einzelteilen des Zölzer-Bau­kastens lassen sich auch die individuellsten Lösunge­n zusammenschrauben. Ganz billig ist das nicht, aber durch die Verwendung von soliden Materialien wie Alu und Edelstahl und dere­n Kombinationsmöglichkeiten mit den Zubehörteilen von z. B. Thule bleiben keine Wünsche offen und die Träger halten ein Leben lang. Die Dachträger-Grundausstattung für Paddler besteht aus den beiden quer verlaufenden Holmen und jeweils zwei Füßen daran, die die Verbindung zum Autodach herstellen. Nicht nur bei empfindlichen Laminatbooten empfiehlt sich eine Polsterung der Holme. Denn eine gute Polsterung vermindert ein eventuelles Verrutschen, verhindert ein ungewolltes Verkratzen des Rumpfs und vergrößert die Auflagefläche.


Für den gelegentlichen Dachtransport, z. B. auf Mietwagen, gibt es den »Handirack« zum Aufblase­n oder Minicell-Schaumklötze zum Aufstecken auf Kanadiersüllränder. Bei beiden Systemen sind die Gurte durch die geöffneten Türen um das komplette Autodach herumzuführen, was nur beim Viertürer möglich ist. Außerdem besteht die Gefahr der Beschädigung der Türgummis und des Fahrzeugdachs, des Wassereintritts bei Regen und des lauten Surrens der Gurte schon bei mittleren Geschwindigkeiten. Auf Dauer sicher nicht praktikabel.


Der Eigenbau eines Dachträgers verbietet sich eigentlich. Lassen Sie die Finger von Wasserrohren, Dachlatten und Notlösungen. Im Falle eines Falles droht da Ärger mit der Versicherung.

Andere Länder, andere Sitten – aber auch nicht die Geschwindigkeit wie auf der Autobahn.

Guter Gurt
Für jedes zu ladende Boot sollte man zwei Gurte rechnen, damit eine sichere Befestigung möglich ist. Lieber etwas mehr und zu lange Gurte haben statt zu wenige und zu kurze. Das Gurtmaterial selber sollte mindestens aus 25 mm breitem Polyester- oder Polyamid/Nylon-Gewebe bestehen. Diese Materialien sind UV- und feuchtigkeitsbeständig, scheuer- und reißfest und sie passen durch die meisten Ösen der Zubehörteil­e. Eine an der Schnallenseite angenähte Unterlage oder eine aufschiebbare Weichplastikhülle verhindern das Verkratzen von Autodach und Bootsoberfläche. Passen Sie auf Ihre Gurtschnallen auf! Der oft verwendete Metallguss der Klemmschnallen ist empfindlich gegen Schläge und ein unachtsames Werfen auf harten Boden kann zu Haarrissen und letztendlich zum Bruch bei hohen Belastungen führen. Gurt­e und deren Sitz bei langen Fahrten (und wechselnder Temperatur und Witterung) immer mal wieder auf guten Sitz kontrollieren. Beschäd­igte Gurte sofort austauschen.


Ratschengurte sollte man mit Bedacht verwenden und den richtigen Umgang damit üben. Vor alle­m bei Laminatbooten ist besondere Vorsicht geboten, da mit den Ratschen sehr hohe Kräfte erreicht werden, die empfindliche Boote beschädig­en können.


Seile sind richtig verwendet und mit guten Knoten gesichert ebenfalls zur Befestigung von Booten geeignet. Auch hier Vorsicht bei empfindlichen Oberflächen: Die Auflagefläche eines Seils ist um ein Vielfaches geringer als bei einem Gurt und kann dadurch Abdrücke in der Oberfläche hinterlassen.
All diese Befestigungen verhindern nicht, dass einem das Boot vom Dach geklaut wird. Die meisten Dachträger sind zwar abschließbar (eventuell mit Zubehörteilen), aber ein Gurt ist schnell geöffnet, noch schneller durch­­ge­schnitten. Dagegen helfen Gurte mit abschließbaren Schnallen und im Gurtband eingelegtem Stahlkabel (von www.kanulock.com oder Thule). Da muss der Dieb schon mit starkem Werkzeug anrücken. Alternativ eignen sich Stahlkabelschlösser aus dem Fahrradhandel oder kunststoffummantelte Spezialstahlseile. Ein Ende weist eine Verdickung auf; diese wird letztlich ins Auto gelegt: Tür zu und fertig.


Ein Wort zum vielfältigen Zubehörangebot der Dachträgerhersteller: Beachten Sie, dass umfangreiches Zubehör auch zur Dachlast beiträgt und das Fahrverhalten und die Verbrauchs­werte des Fahrzeugs negativ beeinflusst. Für immer gleiche Beladung lässt sich damit sicher der Lade- oder Befestigungsvorgang erleichtern, Flexibilität sieht aber oft anders aus.

Die Ökobilanz von Dachträgern
Jeder Dachträger verschlechtert den Luftwiderstandswert des Fahrzeugs und führt zu höherem Spritverbrauch. Eine kleine Ausnahme von der Regel stellt der neue Wingbar von Thule da, dessen luftwiderstandsoptimiertes Profil den selbigen um die Hälfte reduziert und in Sachen Schall­energie herkömmliche Profil gar um 90 Prozent unterbietet. Das alles gilt allerdings nicht für etwaig­e Aufbauten, die man anschraubt. Un­beladen­e Dachträger sollte man daher am beste­n demontiere­n und in den Kofferraum packen. Auch durch Optimierung der Dachlast (Luken­deckel, windschlüpfrige Anordnung der Boote oder Persenning beim Kanadier) lasse­n sich die Luftwiderstandsflächen vermindern und somit die Verbrauchswerte verbessern. Oft ist es aber noch besser, viele Boote aufladen zu können und Freunde mitzunehmen. Dann kann vielleicht ein komplettes Auto eingespart werden.

Ausziehen, aufladen, reinschieben – der Thule Slidebar.

Was wie laden?
Allgemein gilt, dass Gurte am besten doppelt über den Rumpf gelegt werden. Das bedeutet, dass man den Gurt in Fahrzeugmitte um den Holm legt. Beide Enden werden dann parallel über das Boot (ohne Kreuzung) auf die Seite geführt. Dann auch an der nahen Seite um den Träger schlingen und schließlich das freie Ende in das Gurtschloss einführen. Dabei sollte der Gurt möglichst ohne Verdrehungen am Boot anliegen. Straff anziehen. Zuletzt empfiehlt es sich, einen »halben Schlag« als Knoten am Gurtschloss zu binden, damit, falls die Schnall­e nicht hundertprozentig fest sitzt, der Gurt nicht durchrutschen kann. Das freie End­e wickelt man mehrmals um den Holm und befestig­t es mit einem leicht lösbaren Knoten.

Kanadier: Grundsätzlich lassen sich Kanadier am besten kieloben verladen. Die Süllränder bieten eine ebene Auflagefläche. Gurte schmiegen sich großflächig an den Rumpf an, selbst bei leichten Laminatbooten ist so eine beschädigungsfreie Befestigung möglich.


Kanadier mit hochgezogenen Spitzen können beim Kieloben-Transport die Sicht nach vorne stark einschränken. Bei langen Dächern (z. B. auf Kleinbussen) liegen die Spitzen gar auf dem Dach auf. Dann kann ein Kanadier auch mit der Luke nach oben auf dem Dachträger liegen. Dazu sind aber eine dicht schließende Persenning und passende Lukendeckel von­nöten, damit bei eventuellen Regenfällen das Boot nicht voll Wasser laufen kann und Ihr Auto in die Knie geht. Kanadier liegen kielunten, bedingt durch den meist gerundeten Bootsboden, nicht optimal auf den Holmen auf. Als Zubehör kann man Kajakmulden oder Gelenkbootshalter im entsprechenden Abstand voneinander montieren, damit der Bootsboden satt anliegt.


Einerkanadier oder offene Wildwasserkanadier kann man auch hochkant transportieren, falls man mehr als zwei Boote aufladen möchte. Hier empfiehlt sich eine Senkrechtstütze, die besseren Halt und einfachere Beladun­g gewährleistet.


Touren- oder Seekajaks: Lange Seekajaks oder Tourenboote werden am besten kielunten transportiert, das ist die bootsschonendste Art. Der runde Bootsboden liegt in speziellen Kajakmulden aus dem Zubehörhandel sicher auf. Die Sitzluke sollte mit einem Lukendeckel verschlossen werden, damit das Boot im Regen nicht vollläuft. Es empfiehlt sich, den Lukendeckel anzubinden oder mit einem zusätzlich umgelegten Gurt zu sichern. Es wär e nicht das erste Mal, dass er sonst vom Fahrtwind mitgenommen wird.


Ein Transport kieloben ist auch denkbar: Dies hängt davon ab, ob die Decksaufbauten eine sichere Auf­lage gewährleisten oder nicht. Außerdem ist das Oberschiff eines Kajaks meist etwas dünner als der Bootsboden und somit auch etwas empfindlicher. In Ovalbügeln lassen sich Kajaks auch gut hochkant befestigen. Aerodynamisch ist das nicht mehr ganz so günstig, außerdem muss die Form der Oval­bügel der Kajakform möglichst gut angepasst sein.

Kurze Kajaks und Wildwasserboote: Einzelne kurze Kajaks liegen am aerodynamisch günstigsten mit dem Heck voraus und mit der Luke nach unten auf dem Dachträger. Sie kann man oft so positionieren, dass sich der hintere Süllrand am vorderen Dachträgerholm »einhakt«. Einzelne Kajaks in Ovalbügeln liegen auch gut und sicher, erhöhen bei dieser Transportweise aber den Spritverbrauch. Bei einzelnen Kajaks empfiehlt es sich immer, die Luke per Luken­deckel zu verschließen.


Eine gerade Anzahl Kajaks kann man gut als Doppelpäckchen in der 69-Form verladen. Das untere Boot kommt mit der Luke nach oben und dem Heck nach vorne auf den Dachträger. Das obere Kajak schmiegt sich mit der Luke nach unten und dem Bug nach vorn meist gut an und beide zusammen bilden so ein kompaktes Paket. Bei ganz kurzen Booten muss man darauf achten, dass die Abstände der Dachträgerholme voneinander nicht zu groß sind (Abstand etwa Sitzlukenlänge). Sonst kann es leicht sein, dass die Gurte nach vorne und hinten von den runden Spitzen abrutschen.


Auch beim Hochkanttransport von Wildwasserkajaks in Verbindung mit einer Senkrechtstütze empfiehlt es sich, immer abwechselnd Bug und Heck voraus zu laden und immer zwei Boote mit der Luke zusammenzulegen. Das nächste Päckchen kommt dann mit dem Boden dagegen.

Richtig abspannen: vom Fixpunkt gerade nach oben.

Mal richtig abspannen
Lange Boote, egal ob Kajaks oder Kanadier, sollte­n vorne und hinten mit Seilen zu den Stoßstangen oder Abschleppösen abgespannt werden. Vor allem, wenn bauartbedingt der Abstand der Dachträgerholme voneinander gleich oder kleiner ist als die Überstände nach vorne und hinten. Durch die langen Überstände treten beim Anfahren und Bremsen sowie bei Fahrt- oder Seitenwind hohe Hebelkräfte auf, denen man nur mit einer guten Abspannung Paroli bieten kann. Seile zum Abspannen sollten aus hochwertigem Kernmanteltauwerk mit möglichst geringer Dehnung bestehen. Acht Millimeter Durchmesser ist ein guter Kompromiss zwischen Festigkeit und »Knotbarkeit«. Spanngurte sind nicht geeignet, sie flattern schon bei geringen Geschwindigkeiten stark.


Wichtig ist, dass die Seile möglichst auf kürzestem Weg von den Befestigungspunkten am Fahrzeug zum Boot gespannt werden. Vor allem hinten ist das nicht die Bootsspitze, das Seil sollt­e möglichst senkrecht nach oben geführt­ und um das Boot gelegt werden. Moderne Autos haben einschraubbare Abschlepp­ösen, aber oft eben nur eine. Beim Fahrzeughersteller sollte man sich eine zweite besorgen, damit vorne und hinten abgespannt werden kann. Leider liegen diese Befestigungspunkte oft außerhalb der Mitte, so dass bei mehreren Booten (jedes einzeln abspannen!) zusätzliche Punkte geschaffen werden müssen. Das kann z. B. durch Bandschlingen geschehen, die bei geöffneter Motorraumhaube an geeigneten Punkten befestigt und durch den Spalt der Haube nach außen verleg­t werden.

Zölzer-Ausziehholm mit Rolle und Sicherungsstütze plus gepolsterte Kajakmulden: So sieht das Seekajak auch nach zehn Jahren noch aus wie neu.

Ladehilfen helfen lupfen
Jetzt ist zwar klar, wie man verschiedene Boot­e optimal lädt und befestigt, aber noch liegt das Boot neben dem Fahrzeug auf dem Boden. Wie kommt es also von da aufs Dach? Vielleicht hat man ja Glück und es fährt in diesem Momen­t ein Gabelstapler vorbei ...


Solange man zu zweit ist (und das Kanu nicht zu schwer oder das Fahrzeugdach zu hoch), dürfte es kein Problem sein. Der Schwächere der beiden steht hinten am Auto, der Stärkere vorn­e. Zusammen wird das Boot an den Enden angehoben und gemeinsam aufs Dach gelegt. Warum der Schwächere hinten? Da man dort in der Regel am Heck des Fahrzeugs vorbeiläuft, kann man immer unter der Last bleiben und hat es leichter als derjenige, der sich mit der Last über die Motorhaube beugen muss.


Anders sieht es bei Groß und Klein aus und wenn das Autodach hoch ist. Dann sollte der Große hinten stehen, der Kleine bleibt seitlich vorne am Auto. Zuerst wird das Boot hinten auf den Dachträgerholm gelegt, dann kann man hinten nach unten ziehen und das Boot vorne über den Träger schwenken.


Schwieriger wird es, wenn das Boot zu schwer für einen der beiden ist, oder wenn man gar allein­e dasteht. Dann hilft nur eine Ladehilfe aus dem Zubehörhandel, um sich das Leben leichter zu machen. Das kann eine Laderolle oder eine Ladematte (z. B. die pfiffige Thule Waterslide) sein. Damit kann von hinten das Boot aufs Dach gezogen und/oder geschoben werden, ohne bleibende Spuren zu hinterlassen.
Hilfreich ist auch eine seitlich ausziehbare oder einsteckbare Ladehilfe von Thule, Zölzer, Prijon oder Eckla. Hier wird das Kanu zuerst an einer Seite angehoben und auf die Lade­hilfe gelegt. (Vorsicht! Das Boot könnte jetzt wegrutschen und sollte mit einem Seil gesichert werden.) Dann das andere Ende anheben und auf den Träger legen. Jetzt kann das Boot von der Ladehilf­e auf den Träger gerutscht werden, die Ladehilfe wird eingeschoben oder entfernt. Befestige­n und gut. Ganz nobel sind die Hublift-Systeme von Zölzer und Karite­k. Beque­m wird der komplette Dachträger seitlich neben das Fahrzeug geklappt. Auf Brusthöhe lassen sich jetzt die Boote einlegen und befestigen. Anschließend wird das komplette Paket wieder hochgeklappt und eingeschoben. Arretiere­n, fertig.

Auf den Punkt gebracht
Kaufen Sie die Dachträgerholme so lang, wie als Fahrzeugbreite im Kfz-Schein angegeben ist (die klappbaren Außenspiegel sind da schon abgezogen), wenn Sie den maximal möglichen Platz auf dem Dach ausschöpfen wollen. Laden Sie lange Boote wenn möglich bis zur Stoßstange vorne, damit der Überstand hinten unter einem Meter bleibt. Dann dürfen Sie auch nachts ohne aufwendig zu realisierende Überstandsbeleuchtung fahren. Bei Hochdachbussen und seitlich angebrachten Kajakbügeln müssen die Kajak­bügel innerhalb der Fahrzeugbreite (auch hier OHNE Außenspiegel) angebracht sein. Das geladen­e Boot darf auch bis zu 40 cm darüber hinausragen. Bitte beachten Sie, dass diese Regeln nur für Deutschland gelten. In der Schweiz z. B. darf nichts seitlich über die Fahrzeugabmessungen (hier aber inklusive der Außenspiegel) überstehen. In Italien ist für nach hinten überstehende Ladung ein großes, reflektierendes Aluwarnschild anzubringen, was an Bootsspitzen oft gar nicht so leicht zu befestigen ist. Informieren Sie sich vorher über die Bestimmungen Ihres Reiselands, z. B. bei den Automobilclubs.


Jeder Paddler, der auf seinem Fahrzeug regelmäßig Boote transportiert, sollte sich ein bestimmtes System zur Beladung und zur Befestigung aneignen. Als Fahrer ist man für seine Ladun­g verantwortlich. Lassen Sie sich beim Aufladen helfen, sage­n Sie aber, wie Sie es möchten und gewohnt sind. Kontrollieren Sie vor der Abfahrt alle Gurte und Befestigungen. Der Redaktion ist ein Fall bekannt, bei dem sechs Wild­wasser­boote auf einen VW-Bus geladen und mit zahlreichen Gurten verschnürt wurden, selbst die Spitzen der Boote hatte man zusammengebunden. In der ersten Kurv­e ist dann das komplette Bootspaket vom Dach gesegelt, da nicht ein Gurt auch um den Träger herumgelegt war. Zum Glück geschah das noch auf dem Feldweg an der Ausstiegsstelle und niemand ist etwas passiert – auch den Booten nicht.

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Dachträger-Polster in Bootsform

Out now: Dachträger Polster in Bootsform. Einfach auf den Träger stecken, Kajak drauf, festzurren und los geh's zum nächsten Gewässer.