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Know-How

Die Eric Jackson Show

27. September 2011 von Manuel Arnu

Der US-Paddler Eric Jackson interessiert sich nur für drei Dinge: paddeln, paddeln und paddeln. Erst auf Platz vier kommt die Familie – deren Prioritäten aber ähnlich gelagert sind ... Nach wie vor spielen die Jacksons auf der ganz großen Freestyle-Bühne. KANU 7/2011 widmet Sohn Dane ein ausführliches Porträt zum erfolgreichsten Jahr seiner Kajakkarriere. Den Report zu Vater EJ aus dem Jahr 2009 gibt's online obendrauf.

Foto zum Porträt Eric Jackson.
EJ spielt im Freestyle-Kajak immer noch auf ganz großer Bühne.
Foto: Peter Lintner

Als Eric Jackson sechs Jahre alt war, hatte er fürchterliche Angst vor Achterbahnen. Wenn sein Vater ihn zu einer Fahrt überreden wollte, fing Eric – obwohl sonst eher uner­schrocken – füchterlich an zu heulen. Eines Tages kam Erics Vater von der Arbeit zurück und schlug seinem Sohn eine gemeinsame Wildwasser-Kanutour vor. Erics kindliche Vorstellung von Wildwasser war »Achterbahn«. Ängstlich fragte Eric, wie schnell ein Kanu sei. »Ungefähr 15 Stundenkilometer.« Achterbahnen sind 100 Stundenkilometer schnell, reimte sich Eric zusammen, ergo ist Wildwasserpaddeln was für Schlappschwänze – und Eric willigt­e ein. Es war der Anfang einer beispiellosen Paddelkarriere, bei der sich Eric alles andere als »schlappschwänzig« anstellte.

Selbstzweifel und Ängste plagen den heute 45-Jährigen kaum noch. Warum auch? EJ ist vierfacher Freestyle-Weltmeister, war fast ein Jahrzehnt lang Mitglied des amerikanischen Slalom-Nationalteams, nahm 1992 an den Olympischen Spielen in Barcelona teil, entwarf für Wavesport Boote wie den »X« und gründete schließlich mit »Jackson Kayak« eine erfolgreiche Kajakfirma. Aus seiner Kindheit hat er statt Ängsten eine große Portion Unbekümmertheit in sein Leben als Erwachsener gerettet. Und sobald die Uhr beim Wettkampf tickt, ist EJ immer noch ein großes Kind, das nur schlecht verlieren kann. Manche empfinden seine großspurige Art als übertrieben. Stets sucht er das Rampenlicht, ständig gibt er den Showman. Aber da ist wohl auch viel Neid auf sein­e sportlichen Erfolge und sein glamouröses Lebe­n dabei. Dabei ist er ein herzlicher, offener Mensch, der sich selbst nicht zu schade ist, auch vor großen Wettkämpfen anderen Paddlern mit Tipps zu helfen. Und es gibt wenige Menschen, die ihren Sport so lieben und sich so vehement für ihn einsetzen.

Foto zum Porträt Eric Jackson.
Schnell hatte EJ den Dreh raus und rotierte um alle Achsen.
Foto: Michael Neumann

Zurück in die Jugend. Eric verdiente sich seine ersten Sporen im Wildwasser zusammen mit seine­m Vater als eingespieltes Kanadierteam. Erst mit 15, der Vater hatte gerade den Kanadier geschrottet, gab es die erste Kajakausrüstung: einen laminierten Lettmann Mark IV, dazu den ersten Neoprenanzug, Helm, Paddeljacke und Schuhe. Davor trug er bei kalten Temperaturen Skihose, Daunenjacke und Skimütze – sicher ist sicher. EJs Bewegungstalent ist universell, aber fürs Kajakfahren schien er eine besondere Begabung zu besitzen. Die Eskimorolle beispielsweise lernte er im Verein der »Merrimack Valley Paddlers« innerhalb von nur zehn Minuten. Bis EJ kam, konnte nur ein einziger Paddler des Vereins die Rolle. Jetzt waren es schon zwei! Und EJ bewies, dass er nicht nur sportliches Geschick besaß, sondern auch seine Mitmenschen mit seiner offenen Art mitreißen konnte. Erst brachte er seinem Vater die Rolle bei, danach innerhalb weniger Monate allen anderen Vereinsmitgliedern.

Foto zum Porträt Eric Jackson.
Will doch nur spielen – Eric beim Freestyle-Weltcup 2008 am Eiskanal.
Foto: Michael Neumann

Ein Großteil der kognitiven und motorischen Entwicklung findet bei Kindern durch Spielen statt. Und noch heute ist »Spielen« der Motor für EJs persönliche Entfaltung. »Meine Frau findet mich manchmal etwas zu kindisch«, gesteht EJ. »Ich bin wie mein 15-jähriger Sohn Dane, während meine Tochter Emily schon mit zwölf Jahren reifer war, als ich es wohl jemals werde.« Obwohl er freiwillig viel Anstrengung in seine Arbeit steckt, muss er von Mutter und Tochter immer wieder daran erinner­t werden, wann er essen soll, wann er zur Arbeit muss und wann es an der Zeit ist, saubere Klamotten anzuziehen. »Ich will jeden Tag spielen. Tagsüber, abends, die ganze Woche lang – und Paddeln ist mein Lieblingsspiel.«

Daher entschied sich EJ schon früh gegen den üblichen beruflichen Werdegang einer Ingenieurskarriere (wie sein Vater) und setzte voll auf das Konzept »Ewige Kindheit«. Er schraubte seine materielle­n Bedürfnisse herunter und beschloss, Paddler auf Lebenszeit zu werden. Das Konzept scheint aufgegangen zu sein. »Je mehr Spaß ich habe«, sagt EJ, »desto besser bin ich.«

Kampf dem Mittelmaß

Foto zum Porträt Eric Jackson.
Familie Jackson mal nicht im Paddlerdress.
Foto: Corey Rich

In Kürze wurde EJ der beste Paddler der Merrimack Valley Paddlers und verdiente sich in den folgen­den zwei Sommern seine ersten Paddel-Dollar­s als Rapid-Shooter am Kennebec River. EJ musste an fotogenen Stromschnellen Bilder von Raft-Touristen schießen. Eines Tages kam ihm ein durchgestylter Paddler in blau-weiß-rotem Outfit vor die Linse. EJ war tief beeindruckt von dessen perfektem Paddelstil. Wenig später traf er den Paddler am Ausstieg. Dieser stellte sich als Hank Thorburn vor, Mitglied des US-Slalom-Nationalteams. EJ, ganz unbescheiden, fragte, wie er auch in dieses Team käme. Thoburn schenkte ihm einen mit­leidigen »Bist-du-bescheuert-Blick?« und ver­schwand wortlos. Thorburn hatte keine Ahnung vom unbändigen Ehrgeiz des jungen Paddlers. Für EJ war ab sofort klar: ich werde Slalompaddler. Und nicht einer unter vielen, sondern die Nummer eins.

Mittelmaß ist für EJ ein Unwort. Als Ehemann, Vater, Paddler und Geschäftsmann ist Mittelmaß unakzeptabel. Der Beste zu sein ist für ihn Indikator der eigenen Tüchtigkeit. Der Zweite ist bereits der erste Verlierer. »Ich liebe Wettkämpfe«, bekennt EJ, »sie sind meine Lieblingsbeschäftigung. Sie sorgen dafür, dass ich in guter körperlicher und geistiger Verfassung bin, dass ich jeden Tag paddle, egal wie das Wetter ist. Es ist belebend, wenn dein Name vor einem Lauf aufgerufen wird und du genau in dem Moment dein Bestes geben musst. Es ist ein unwahrscheinlich intensives Gefühl.«

Foto zum Porträt Eric Jackson.
Schnell war klar, dass Sohn Dane auf Papas spuren wandelt.
Foto: Michael Neumann

Sein erstes Slalomrennen war ein Paukenschlag. EJ, inzwischen 19 Jahre alt, schaffte es direkt auf den zweiten Platz. Keine drei Sekunden hinter WM-Teilnehmer Chris McCormick. Die weiteren National­paddler verwies er auf die Plätze. In Folg­e trainierte er fünf Jahre lang Vollzeit, schmiss sein Studium und setzte alles auf die Karte Paddeln. Seine Trümpfe waren Wille, Talent und der feste Glaube, der Beste werden zu können. 1987 lernte er die 18-jährige Kristine kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1989 wurde er fürs US-Nationalteam nominiert. 1990 kam Tochter Emily zur Welt. Immer noch trainierte EJ rund um die Uhr, war tota­l abgebrannt und verdiente sich ein paar Dollar bei einem Pizzadienst in Washington DC. Um das nötig­e Kleingeld für Windeln und Babynahrung aufzutreiben, verpfändete er seine Campingausrüstung. 1992 qualifizierte er sich für die Olympischen Spiele in Barcelona. Für EJ gab es kein geringeres Ziel als die Goldmedaille, aber beim gedankenverlorenen Aufwärmen entfernte er sich zu weit vom Starthaus und musste dann, als sein Name aufgerufen wurde, 500 Meter im Kajak zurücksprinten. So verlor er das Rennen seines Leben­s, noch bevor es begonnen hatte. EJ wurde 13ter und bester US-Amerikaner. Ein schwacher Trost für sein angezähltes Ego.

Endlich Weltmeister

Foto zum Porträt Eric Jackson.
Für EJs Paddelkarriere gibt's nur eine Richtung – nach oben.
Foto: Corey Rich

Mehr als 300 Tage paddelt EJ pro Jahr. Bei Freestyle-Wettkämpfen muss der 167 cm große und 70 kg schwere Athlet oft gegen 25 Jahre jünger­e Konkurrenten seinen Mann stehen. In Sachen Fitness schlägt er viele Konkurrenten jedoch bereits vor dem Start. »Dein Gehirn mag der Steuermann sein, aber dein Körper ist das Auto. Möchtest du ein Mini Cooper sein, oder eine alte Karre, von der man nicht weiß, ob sie morgens anspringt oder nicht?« Für EJ ist die Antwort klar. »Ich bin der Min­i Cooper S unter den Paddlern. Schnell, leicht, behänd­e, verlässlich – und wenn ich ein paar Kratzer abbekomme, ist es auch nicht schlimm.« Ein paar Kratzer gab es dieses Frühjahr. Eine Arm­verletzung, seit langer Zeit die erste, der Mini muss in die Werkstatt. Zum Glück hat die Menschheit Ibuprofen erfunde­n. »Ich habe keinen Tag mit Paddeln aussetzen müssen, weil ich etwa 6400 mg Ibuprofen pro Tag schlucke und mein Körper wird heilen, wenn ich vorsichtig paddle.«

1993, ein Jahr nach den Olympischen Spielen, setzte er sich ein gewagtes Ziel und versuchte sich für das Slalom-, Wildwasser-, Flachwasser- und Freestyle-Nationalteam zu qualifizieren. Lange Red­e, kurzer Sinn: EJ schaffte es nur im Freestyle, das aber brachte ihm einen Startplatz bei der im gleichen Jahr stattfindenden Rodeo-WM – wie Freestyle seinerzeit noch hieß – auf dem Ocoee in Tennessee. Ein junger südafrikanischer Paddler namen­s Corran Addison zählte sich dort zu den Favoriten und hätte nicht einen Cent auf den hochmotivierten Slalomfahrer Jackson gewettet. EJ gewan­n. Nach neun Jahren war sein Plan, der Best­e zu sein, aufgegangen.

Alphatier in Depression

Foto zum Porträt Eric Jackson.
Dieses Trio ist kaum zu stoppen: Dane, Eric und Emily Jackson.
Foto: Corey Rich

Kurz vor der WM wurde Sohn Dane geboren, drei Monate zu früh, nur 750 Gramm leicht und schwerhörig. Die Ärzte gaben Dane wenig Chance­n auf ein normales Leben. Aber der kleine Knirps entpuppte sich als Kämpfer. Während EJ Gold am Ocoee erkämpfte, saß Dane im Auto auf dem Kindersitz, angeschlossen an einen Herz- und Atemmonitor und lernte die ersten Paddler in seine­m Leben kennen.
Die folgenden Jahre tanzte EJ auf zwei Hochzeiten. Im Freestyle-Team konnte er seinen kindlichen Spieltrieb abreagieren, im Slalomteam kämpfte er um Ruhm und sportliche Anerkennung. Die Ergebnisse waren gut, aber nicht gut genug – jedenfalls für EJ. Er duldete keinen Stärkeren nebe­n, geschweige denn vor sich. Er ist, zumindest wenn es um Sport geht, ein Alphatier. 1996 trainier­te er ausschließlich Slalom für die Quali zu den Olympischen Spielen in Atlanta. Er versagt sich sämtliches Playboaten – und verpasst die Quali um einen Platz. Zu jener Zeit verdiente EJ sein Geld mit einer Kletter- und Kajakschule. Bei der Freestyle-WM 1997 am Ottawa-River in Kanada gewinnt EJ Silber. Und doch ist es ein Tiefpunkt seiner Karrier­e. Wieder gab es einen Besseren. Der grenzenlose Optimist verfällt in eine Depression. Seine Frau Kris­tine erinnert sich noch genau an die Zeit nach der WM im September 1997: »EJ beklagte sich da­rüber, dass sein Freund Dan Gavere das Leben führte, das er sich erträumt hatte. Dan musste niemals nach Hause kommen. Dan konnte reisen, wohin er wollte, ohne Verpflichtungen. Ich sagte, wir können das auch.« Kristine und EJ verkauften umgehend ihr Hab und Gut. Nicht nur ihr Haus in Washington, sondern auch alle Möbel, Kinderspielsachen, Bücher, Kleider. Alles, bis auf ein paar Kis­te­­n mit Habseligkeiten, die sie in ihrem neuen Zuhaus­e, ein 97er Coachmen Mirada, verstauten. Mit diesem zehn Meter langen Reisemobil, ihren zwei Kindern Dane und Emily, zwei Dalmatinern und einem Schwung Kajaks auf dem Dach zogen die Jacksons in ihr neues Leben. Zuerst nach Rock Islan­d, um dort sechs Wochen lang Spielboot zu fahre­n, dann nach Kalifornien. EJ war glücklich. Endlic­h war er wieder  Paddler, nichts anderes. 1998 wurde ein gutes Jahr für EJ. Er dominierte die Freestyle-Szene und gewann 27 Wettkämpfe in Folge: Freestyle-Events, Slalom- und Extremrennen.

Rodeo-Nomaden im Reisemobil

Foto zum Porträt Eric Jackson.
Emily Jackson in Aktion.
Foto: Michael Neumann

Das Leben der Jacksons glich einem Traum. Jeden Tag paddeln auf den schönsten Flüssen der Staaten. Ein Sieg nach dem anderen. Immer der Sonne nach. Das Leben ist schön als Paddel-Profi, nicht wahr? Aber es gab auch die andere Seite. Beengt­e Wohnverhältnisse, der Druck, Preisgelder kassieren zu müssen, um Rechnungen und den Lebensunter­halt bezahlen zu können, Paddelkurse geben, Tausende von Kilometern auf Achse. »Jeman­d verglich mich einmal mit einer Ente, die scheinbar ohne Anstrengung übers Wasser gleitet, aber unter der Wasseroberfläche wie verrückt mit den Füßen strampeln muss.«

Die folgenden sechs Jahre verbrachten die Jacksons als nomadisierende Kleinfamilie in ihrem Wohnmobil. 50.000 Kilometer jährlich, die Spritkosten summierten sich am Ende jedes Jahres auf  über 12.000 Euro. »Die Entscheidung, meine ganz­e Familie in ein Wohnmobil zu stopfen, nur damit ich genug paddeln kann, erscheint egoistisch, aber sie brachte mich auch näher an meine Familie«, verteidigt EJ diesen Schritt. »Ich hatte massenhaft Zeit für meine Familie und meine Kinder hatten Möglichkeiten, von denen andere nur träumen.« Und obwohl Kristine und EJ niemals ihre Kinder zum Kajaksport drängten, war es eine logische Folg­e, dass sowohl Emily als auch Dane dem Kajak­virus zum Opfer fielen. Dane paddelte seinen ers­ten Vierer kurz vor seinem dritten Geburtstag. Trotz der Zurufe von Daddy EJ misslang Dane eine gute Linie und er kenterte am Ende der Stromschnelle. EJ verstand die Welt nicht mehr. Hatte sein Sohn kein Talent? Konnte er die Ratschläge wegen seiner Schwerhörigkeit nicht verstehen? Kristine klärt­e den ratlosen Vater auf. Der kleine Dane wusste einfach noch nicht, wo links und rechts ist.

Jackson Kayak – bootgewordene Ideenschmiede

Foto zum Porträt Eric Jackson.
Mit dem Teenageralter entdeckte auch Tochter Emily das Paddeln als Wettkampfsport.
Foto: Michael Neumann

Emily hingegen paddelte immer gern leichte Flüsse, brachte aber nicht den Willen und den Ehrgeiz auf, wie es ihr Vater sich gewünscht hätte. Sie nahm an keinen Wettkämpfen teil und traute sich nicht aufs Wildwasser. Als sie jedoch im Teenager-Alter ein molliges Mädchen im Spiegel sah, stürzte sich Emily in den Sport. In wenigen Jahren katapultierte sie sich an die Spitze der weiblichen Freestyle-Szene. Heute zählen die beiden zu den talentiertesten amerikanischen Nachwuchspaddlern. Emily ist Juniorenweltmeisterin und Dane gewann im Alter von nur 15 Jahren bei den letzten Titelkämpfen die Silbermedaille. Ob bei der anstehenden WM in Thun das Märchen vom dreifachen Gold für die Jackson-Family wahr wird?

2003 ließen sich die Jacksons in Rock Island, Tennessee, nieder und EJ gründete Jackson Kayak, seine eigen­e Kajakfirma. Er reagierte damit auf das Drängen seiner Frau, die etwas Nachhaltigeres für die Zukunft der Kinder aufbauen und nicht allein vom sportlichen Ruhm des Vaters leben wollte. Zuvor hatte EJ schon als Brand Manager und Designer bei Wave Sport bewiesen, dass er konkurrenzfähige Boote für den Kajakmarkt entwerfen konnte. Doch mit der eigenen Marke musste er keinerlei Kompromisse mehr machen. Mit die ersten Kajaks aus seiner Schmied­e waren Spielboote für Kinder, ganz auf die Bedürfnisse seiner beiden Kinde­r zugeschnitten. In den USA ist Jackson Kayak derzeit die Kajakfirma mit den höchsten Zuwachsraten. Die Company startete in einem ehe­maligen Waschsalon mit 80 Quadratmetern und ist heute, fünf Jahre späte­r, in einer 8000 Quadratmeter großen Halle untergebracht.

Ansichten online

Foto zum Porträt Eric Jackson.
Das sind sie, die heiligen Hallen von Jackson Kayak.
Foto: Corey Rich

EJ ist Präsident, Geschäftsführer, Außen­dienstler, Entwicklungschef, Marketingdirektor, Hausmeister und Teampaddler in Personalunion. Sein­e Frau Kristine arbeitet im Management, die Schwiegermutter ist Chefsekretärin. Die Jacksons sind das Herz der Firma und sie machen keinen Hehl daraus. Wer auf der Webseite von Jackson Kayak surft, versinkt schnell in den Untiefen eines unbändigen Mitteilungsbedürfnisses. Die Grenze­n von Privatem und Geschäftlichem sind kaum zu unterscheiden. Manche­n stößt dieser Hype um seine Familie auf, andere finden es sympathisch und offen. EJ ist einer der bekanntesten Wildwasser-Paddler der Welt und ist sich dieser Rolle durchaus bewusst. Er lebt das Leben eines Paddel-Promis und bedient sein­e Fans mit vielen noch so kleinen Details aus seinem Privatleben. Sein­e beiden Kinder Emily und Dane sind Teampaddler und Juniorpartner in einem. »Wenn ich morgen sterben würde, könnten meine Kinder die Firm­a weiterführen«, sagt EJ ohne eine­n Anflug von Ironie. »Sie könnten zusammen mit meinem Designpartner Kajaks entwickeln, sich um das Marketing kümmern, das Team führe­n. Es müsste keiner von außerhalb in die Firma kommen.«

Diesen Sommer findet im schweizerischen Thun im Berner Oberland die Freestyle-WM statt. EJ ist inzwischen vierfacher Weltmeister und der aktuelle Titelverteidiger. Für den erfolgreichsten Freestyler aller Zeiten gibt es erklärtermaßen nur ein Ziel: die Goldmedaille. Selbstverständlich ist EJ in einer blendenden körperlichen Verfassung, er hat den ganzen Winter in seiner Heimat Rock Island trainiert, auf der besten Welle im gesamten Südosten der USA, keine zwei Kilometer von seinem Haus entfernt. Aber EJ ist inzwischen schon 45 Jahre alt und es gibt jüngere und schnellere Paddler. Sein Schwiegersohn in spe etwa, Nick Troutman. Oder der Slowake Peter Csonka, der 2008 den Weltcup gewann. EJ wurde nur Fünfter, eine deftige Niederlage für ihn. Zeit für eine Verschiebung der Prioritäten? Am 25. August erblickte KC Jackson in Nashville, Tennessee, das Licht der Welt, EJs zweiter Sohn. Ihm wird zuteil, was Emily und Dane in harten wirtschaftlichen Zeiten teilweise versagt blieb: hundertprozentige Zuwendung. Doch wer EJ deshalb in Thun nicht zu den Favoriten zählt, hat bereits verloren. »Die Chance, der Beste zu werden, der Beste zu bleiben und das imme­r wieder aufs Neue zu be­weisen – dafür lebe ich!«


Anmerkung der Redaktion: Dieses Porträt erschien in KANU 2/2009. Das Originalheft können Sie nachbestellen unter 01805/354050-2613. KANU 7/2011 mit der Reportage über Sohn Dane (»Dane Jackson Superstar«) gibt es aktuell im Handel.


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