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Know-How

Ich bin ja kein Paddler! (4)

01. Juni 2003 von Gunnar Homann

Woran erkenne ich einen Paddler?

Gunnar Homann: Ich bin ja kein Paddler.
Gunnar Homann
Foto: Archiv KANU

Ich bin ja kein Paddler, aber ich habe drei Thesen: eine Hauptthese und noch zwei andere. Die Hauptthese geht so: Wenn man weiß, wonach man schauen muss, erkennt man auch im Alltag, ob und wenn ja welchen Sport jemand treibt. Die beiden anderen: Peinliche Aufkleber sind dazu gar nicht nötig, und schließlich: Aufkleber sind immer peinlich.  Die letzte These hat den Nachteil, dass ich sie vorläufig nicht wissenschaftlich belegen kann. Sie stimmt aber trotzdem. Die beiden anderen haben den Vorteil, dass sie sich zusammenfassen lassen zu der Behauptung: Man erkennt auch ohne Aufkleber, ob und welchen Sport jemand treibt. Und das kann ich wissenschaftlich belegen. Ausgangspunkt meiner Beweisführung ist die Beobachtung, dass jede Passion gewisse Deformationen und Auffälligkeiten mit sich bringt. Kletterer z. B. haben dicke Fingergelenke, und wenn man sie zu Besuch hat, ziehen sie sich ständig am Türrahmen hoch und sagen »Red’ ruhig weiter, ich kann dir auch so zuhören«. 93,5% aller Kletterer machen das; die anderen haben die Hände in Gips. Menschen, die wiederholt  Sportarten ausüben, in denen es darum geht, einen Ball im Verein mit anderen Menschen möglichst oft an einen dafür vorgesehenen Platz zu befördern, ohne den Ball mit bestimmten Gliedmaßen zu berühren, erkennt man an einem weiten Sehfeld. Menschen mit weitem Sehfeld erkennt man daran, dass sie einen schon begrüßen, wenn man noch hinter ihnen steht (87%). Skifahrer geben anders als normale Menschen ohne weiteres zu, dass sie die wenigen freien Tage, die Ihnen das Erwerbsleben lässt, von allen Orten der Erde ausgerechnet an einem namens »Ischgl« verbracht haben (102%). Schach ist zwar kein Sport, sondern ein Kriegsspiel,  aber für den Fall, dass es sich jemand gefragt hat: man erkennt Schachspieler daran, dass sie morgens sagen: »Schatz, reichst Du mir mal die Butter? Sie steht auf C5«. Und jetzt sehe ich, wie Sie sich zusammenrotten, Ihre Trockenanzüge hochkrempeln und sagen: »So weit, so smart, Klugscheißer, aber woran erkennt man Paddler?« Und hier, hihi, ähem, ich gebe es ohne Umschweife zu, hat meine Gedankengebäude noch ein paar kleinere Löcher, die zu stopfen ich aber fleißig bemüht bin. In der Tat, die Frage lautet: woran erkennt man Paddler im Alltag? Rufen sie »Boof«, bevor die letzte Stufe der Rolltreppe im Boden versinkt? Suchen Sie zwanghaft Autobahnraststätten auf, weil sie kein Kehrwasser auslassen können? Oder schreiben Sie unter »Unfallhergang«: Auf dem Heck des Kraftfahrzeuges vor mir war so ein kleiner Paddelaufkleber, aber ich konnte nicht erkennen, was draufstand? Ich weiß es nicht. Aber ich bin ja kein Paddler.