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Know-How

Safetyguide: Sicher unterwegs am Wasser

 von Stephan Glocker

Der Safetyguide hilft, dass gefährliche Situationen erst gar nicht entstehen. Er zeigt Gefahren auf, wo sie keine vermuten würden. Er lässt Sie im entscheidenden Moment das Richtige tun und gibt gezielt Hilfestellung, falls das Restrisiko doch einmal zuschlägt. Von A wie Auftriebskörper bis Z wie Zwangspassage.

Der Safetyguide 2008: Von A wie Auftriebskörper bis Z wie Zwangspassage.

Nein, Paddeln ist nicht gefährlich. Bergwandern, Klettern und Mountainbiken ist – schon rein statistisch – weitaus gefährlicher. Von Reiten oder Skifahren ganz zu schweigen. Es macht jedoch einen großen Unterschied, ob ich vom Fahrrad falle, auf dem Waldboden liege und nach Luft schnappe – oder ob ich mit dem Kanadier vor einen Baum treibe, umkippe und nach Luft schnappen will ...

 

Binnen Sekunden kann so ein gemütlicher Sonntagsspaziergang auf dem Wasser zu einer lebensbedrohlichen Situation werden.

 

Und genau hier setzt dieser Safety-Guide an. Er hilft, dass derartige Situationen erst gar nicht entstehen. Er zeigt Gefahrenmomente auf, wo sie keine vermuten würden. Er lässt Sie im entscheidenden Moment das Richtige tun. Und er gibt gezielt Hilfestellung, falls das Restrisiko doch einmal zuschlägt.

Was tun? Der KANU Safetyguide hilft das richtige zu tun.

In Anbetracht der Tatsache, dass es Bücher zum Thema gibt, die 300 Seiten füllen, sind 24 Seiten Safety-Guide natürlich nur ein Denk­anstoß. Nun ist es an Ihnen, die Puzzlestücke von A-Z in regelmäßigen praktischen Sicherheits­übungen zusammenzusetzten. Das kann im Freundeskreis oder Vereinsumfeld geschehen, besser aber unter professioneller Anleitung. Mehr und mehr Instanzen widmen sich diesem Thema, seien es der VDKS, die Salzwasserunion oder engagierte Paddler wie Neil Newton Taylo­r, der einem die international gültige Schule der Fließwasserbergung (besser bekannt als Swiftwater Rescue) beibringt. Mehr zu diesen Pflichtübungen für engagierte Paddler finden Sie unte­r unter T wie Training.

Redakteur Michael Neumann

Wer nach der Lektüre dieses Guides tiefer ins Thema einsteigen will, dem sei das Buch »White­water Safety & Rescue« von Franco Ferrero empfohlen – mehr Infos zwischen zwei Buchdeckeln geht kaum. Die englischsprachige Safety-Bibel ist im gutsortierten Kanushop oder direkt beim Verlag (www.pesdapress.com) erhältlich und soll Mitte 2009 auch auf Deutsch erscheinen.

 

Take care,

 

Michael Neumann, Redakteur

A wie > Auftriebskörper und Aufladen

Ohne zusätzliche Auftriebskörper ist ein gekentertes Boot nur schwer zu bergen. Und ohne Auto nur schwer zu transportieren.

Vor jeder Fahrt die »AKs« auf Dichtigkeit prüfen und gegebenenfalls nachblasen.

Auftriebskörper

 

Ohne Auftriebskörper schwimmen gekenterte Kajaks und Kanadier nur knapp an der Oberfläche, so dass sie kaum zu bergen sind. Im Regelfall werden aufblasbare Luftsäcke verwendet, die passgenau für das jeweilige Boot gefertigt sind. Vor jeder Fahrt sind die »AKs« auf Dichtigkeit und guten Sitz zu kontrollieren und nachzublasen. Manche Boote haben einen fest eingebauten Auftrieb in Form von Sandwichmaterial, Tanks und abgeschotteten Gepäckräumen.

 

KANU-Tipp: An heißen Tagen etwas Luft ablassen, sobald man das Boot ans Ufer legt oder aufs Autodach bindet. Sonst Platzgefahr, wenn sich die erwärmte Luft ausdehnt.

Immer dran denken: Die Dachlast verändert das Fahrverhalten;-).

Aufladen

 

Kanusport ist auch Motorsport und erfordert einen sicheren Dachtransport der Boote. Laut Straßenverkehrsordnung darf in Deutschland eine Dachladung vorne gar nicht und hinten bis maximal 1,5 m über die Beleuchtung des Fahrzeuges hinausragen. Ab einem Meter Überstand muss mit einer roten Fahne (nachts mit einem roten Licht!) auf die Überlänge hingewiesen werden.

 

Seitlich darf die Fracht nicht über die Spiegel ragen. In anderen Ländern Europas (z. B. Italien) gelten meist striktere Vorschriften – die der ADAC kennt. Die sichere Verbindung von Dachlast zum Fahrzeug geschieht mit eine­m, passenden Dachträgersystem (www.thule.de, www.zoelzer.de).

Die sichere Verbindung von Dachlast zum Fahrzeug geschieht mit eine­m, passenden Dachträgersystem.

Besitzer von Auto­s mit Dachreling sind etwas variabler in der Montage, oft sind aber Befestigungs­punkte für die Träger vorgesehen. Ob man zusätzlich spezielle Transportbügel oder Mittelstützen verwendet, ist mehr Komfort- denn Sicherheitsfrage.

 

Weit wichtiger ist die Verwendung von stabile­n Gurten mit Klemmschnalle. Lange Boote sollten mit zusätzlichen Leinen zu den Be­festigungs­punkten vorne und hinten (Abschlepp­ösen) abgespannt werden. Oft ist ein­e maximale Dachlast in der Gebrauchs­anweisung empfohlen, generell gilt aber die erlaubt­e Zuladung aus dem KFZ-Brief.

B wie > Bekleidung und Bootsrutsche

Regel Nr.1 in Sachen Bekleidung: Dress for water, not for air

Dress for water, not for air – diese goldene Kleiderregel sollte beim Zusammensuchen der passenden Paddelbekleidung stets beachtet werden. Und auch wer eine Bootsrutsche ohne Kenterung meistern will, sollte auf der Hut sein.

 

 

Bekleidung


Des Paddlers neue Kleider schützen vor Unterkühlung, Steinen und erleichtern sogar das Schwimmen.

Neben Schwimmweste und Helm trägt vor allem die Kälteschutz­bekleidung wesentlich zur Sicherheit beim Paddeln bei. Egal ob auf dem Meer oder im eiskalten Gebirgsfluss, Paddeln ist Wassersport. Und so muss man als Paddle­r immer darauf vorbereitet sein, nach einer Kenterung oder bei der Rettung von Kame­raden Zeit im Wasser zu verbringen. Entscheidend ist deshalb bei der Wahl des Kälte­schutzes die Wassertemperatur, nicht die Lufttempe­ratur. Oder wie der Amerikaner so schön sagt: dress for water, not for air.

 

Ausrüstung, die vor Wasser, Wind und Kält­e schützt, bietet mittlerweile einen Tragekomfort, den sich Paddler vor zehn Jahre­n nicht mal haben vorstellen können. Zwei Varianten bieten sich besonders an ...

 

Trockenanzug: Beim Trocken­anzug verhindern Latex­manschetten an Hals und Handgelenken ein Eindringen des Wasser­s, der Paddler bleibt von außen absolut trocken. Warm wird es in einem Trockenanzug erst durch zusätzliche Bekleidungsschichten wie Funktionswäsche oder Fleecebekleidung. Diese Materialien leiten zudem die Feuchtigkeit, die durch Schwitzen entsteht, gut von der Haut weg. Durch das atmungsaktive Außen­material kann diese Feuchtigkeit dann entweichen und der Paddler bleibt auch »von innen« trocken. Denn trocken ist wichtig: In feuchter, nasser Kleidung kühlt der Mensch bis zu 14-mal schneller aus. Der Trockenanzug ist damit klarer Favorit, wenn es darum geht, optimal vor Kälte geschützt zu sein.

 

Neoprenanzug mit Paddeljacke: Die Paddeljacke schützt den Paddler vor Wasser und Wind, der Neoprenanzug übernimmt die Isolation. Bei einer Kenterung dringt zwar Wasser in den Anzug ein, dieses wird jedoch durch die eigene Körpertemperatur erwärm­t und der Paddler so vor Aus­kühlung geschützt. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der Auftriebswirkung des Material­s. Je nach Dicke hat ein Neopren­anzug etwa halb so viel Auftrie­b wie eine Schwimmweste.

 

Bei Steinkontak­t dämpft das Neoprenmaterial zude­m Schläg­e ab. Am wärmsten sind Anzüg­e (Long John genannt); reine Neopren­hosen, die bis über die Nieren reiche­n, bieten etwas mehr Komfort, z. B. beim An- und Ausziehen.

Nicht links, nicht rechts - Bootsgasse mit klarer Ansage.

Bootsrutsche

 

An immer mehr Wehren entstehen Bootsrutschen, Bootsgassen oder befahrbare Fischtreppen. Das ist schön, sicher und macht ein Umtragen oft unnötig. Bootsrutschen sind ständig überronnene schräge Rutschen, die ein flacheres Gefälle als das eigentliche Wehr aufweisen und so eine gefahrlose Befahrung ermöglichen (wie etwa das Wehr bei Rottenbuch auf der Ammer). Bootsrutschen sind meist schwer und sehr spät zu erkennen und machen oft nur durch eine klein­e Eindellung in der geraden Wehrkante auf sich aufmerksam – nichts für Anfänger.

 

Eine Bootsgasse hingegen liegt so lange trocke­n, bis ein Paddler sie befahren möchte. Er drückt auf einen Schalter, eine Klapp­e senkt sich und lässt Wasser in die Gasse fließen. Ein Ampel­signal gibt die Durchfahrt frei und man rutscht auf dem Wasserschwall zu Tal. Anschließend hebt sich die Klappe wieder und die Gasse fällt trocken bis zum nächsten Paddler. Beispiele dafür gibt es zahlreiche auf den großen Wanderflüssen Donau, Weser, Fulda und Ruhr.

 

Eine befahrbare Fischtreppe (wie etwa an der Naab) ist nur zweitrangig für Paddler gedacht, sie dient primär dem Aufstieg von Fischen zu den flussauf gelegenen Laichplätzen. Auch ist nicht jede Fischtreppe für eine Befahrung geeignet, auf befahrbare Varianten wird in jedem Fall mit einem Schild (wie auch bei den anderen Typen) hingewiesen. Eine Befahrung setzt fast immer eine gute Bootsbeherrschung voraus, denn es wechseln kleine Stufen und Strömungen mit Ruhe­zonen für die Fische hinter Steinen ab.

 

Bei allen diesen Erleichterungen gilt aber stets: vorher aussteigen und besichtigen. Und: im Zweifelsfall trotzdem umtragen, falls eine Befahrung doch zu risikoreich erscheint (z. B. mit schwer beladenen offenen Kanadiern, mit empfindlichen Faltbooten, mit Kindern, bei Hochwasser ...)

C wie > Cowtail und Capistrano Flip

In Not geraten? Mit dem Cowtail und dem Capistrano Flip entkommt man der misslichen Lage.

Perfektes Cowtail-Duett: Der eine pullt, der andere hilft.

 Cowtail

 

Erfunden wurde der Cowtail (ein kurzer Gurt mit Kara­­­­bine­r, befestigt an der Schwimmweste), um einen entkräftete­n oder gar bewusstlosen Schwimmer ans Ufer schleppen zu können.

 

Cowtail sicher anbringen: Cowtails werden hinten am Brustgurt der Schwimmweste befestigt. Das vordere Ende des Cowtails besteht aus einem Karabiner, der gut zugänglich vorne an der Schwimmweste im »Karabinerpark« seinen Platz findet. Der Karabiner muss schnell griffbereit sein, sich jedoch im Notfall auch selber von der Schwimmweste lösen. Merke: Nie den Cowtail in eine feste Schlauf­e oder Öse einhängen!

 

Einsatz: Neben der ursprünglichen Idee, einen kraft- oder bewusstlosen Schwimmer zu bergen, haben sich Cowtails zu Multitalenten beim Rettungseinsatz entwickelt. Sie dienen zum schnellen Selbst-Einklinken in ein Seil beim Einsatz als Rettungsspringer, als Verbindung zum Brustgurt der eigenen Schwimmweste bei einem Steck- oder Klemm­unfall und vieles mehr. Zur Materialbergung vom Boot aus sind sie jedoch nur auf offenem Wuchtwasser (z. B. Imster Schlucht) oder auf Großgewässern geeignet.

 

Capistrano-Flip

 

So klappt der Wiedereinstieg im Kanadier, wenn das rettende Ufer zu weit entfernt ist.

 

Zack, schon ist es passiert. Ein­e Windböe, ein wegfliegender Hut, der Versuch, diesen zu fangen, und schon liegen zwei Kanadierfahrer allein auf weitem See im Wasser. Nun hilft nur noch der Capistrano-Flip aus der Patsche bzw. aus dem Nass. Nur gut, wenn man die Feinheiten dieser an sich simplen Technik zuvor auf dem warmen Baggersee gut ein­studiert hat.

E wie > Erste Hilfe, Ersatzklamotten und Eskimorolle

Auch wenn das Erste Hilfe Wissen schon angestaubt ist, sollte im Ernstfall jeder Handgriff sitzen. Bei einer einfachen Kenterung reicht allerdings schon der Griff in den Packsack mit den Ersatzklamotten. Die Eskimos habens vorgemacht, die Rolle gehört zum Handwerkszeug eines jeden Paddlers.

2 x Beatmen und 30 x Herzdruckmassage.
Die neuen Richtlinien der Wiederbelebung räumen der Herzdruckmassage mehr Zeit ein.

Erste Hilfe

 

Falls Ihr Erste-Hilfe-Kurs schon ein paar Jährchen her ist, wird es höchste Zeit, einen Auffrischungslehrgang zu besuchen. In den letzten Jahren habe­n sich einige »Basics« geändert und vieles wurde deutlich vereinfacht.

 

Also auf zum Roten Kreuz oder ähnlichen Institutionen, die regelmäßig Kurs­e anbieten. Termine auch in Ihrer Nähe gibt‘s im Internet unter www.drk.de/erstehilfe.

 

Auf jeden Fall sollte ein »echter« Erste-Hilfe-Kurs belegt werden, nicht die »Lebensrettenden Sofortmaßnahmen«. In den meist zweitägigen Kursen ist viel mehr Zeit, um auf spezielle Fragen, die uns Paddler betreffen, einzugehen.

Gehört in jedes Boot: ein auf Paddler zugeschnittenes Erste-Hilfe-Set wie etwa von www.kanu-out-door.com.

Für Vereine lohnt es sich, einen Ausbilder ins Bootshaus zu holen. Diesen sollte man vorher bitten, die Themen Unterkühlung, Ertrinken und Wiederbelebung ausführlich zu behandeln.

 

Wer sich (als Vorbereitung auf einen Erste-Hilfe-Kurs) informieren möchte, findet unter www.kanumagazin.de den Workshop »Retten reloaded« von Dr. Horst Hohn.

Im Packsack bleiben Ersatzklamotten trocken

 

Ersatzklamotten

 

Wer mit »normaler« Freizeitkleidung aufs sommerlich warme Wasser geht, sollte ein Set wasserdicht verpackter Ersatzklamotten nicht vergessen.

 

Schneller als es einem lieb ist, muss ohn­e Wechselwäsche im Falle eines Umfallens ein­e Tour meist vorzeitig beendet werden. Auf modisch­e Aspekte kann verzichtet werden, wichtiger sind leichte, warme, schnell trocknende und klein verpackbare Sachen.

Auf den Spuren der Eskimos.

Eskimorolle

 

Eine sichere Eskimorolle ist der Schlüssel zu deutlich mehr Sicherhei­t im Wildwasser und auf Großgewässern. Wer nach einer Kenterung sein Boot nicht verlassen muss, sondern es wieder aufrichtet, behält die Kontrolle über die Situa­tion.

 

Für die Erfinder dieser Technik, die Eskimos, war die Rolle lebensnotwendig und deshalb eine der ersten Techniken, die gelernt wurde. Doch auch für Paddler in unseren Breiten­geraden ist es sinnvoll, die Eskimorolle frühzeitig zu erlernen. Kenterungen, die dann beim Üben von weiteren Techniken immer wiede­r passieren, führen so nicht mehr zu unan­genehmen, anstrengenden und unter Umständen gefährlichen Schwimmeinlagen.

 

Lernen kann man die Rolle am bes­ten in speziellen Kursen im Hallenbad, die von Kanuvereinen und -schule­n angebote­n werden.

F wie > Farbe und Fußklemmer

Beim Paddeln gilt genau wie im Straßenverkehr: Bekleidung und Ausrüstung in Signalfarben sieht man deutlich besser und auch beim waten in seichtem Gewässer sollte man auf einiges achten.

Rot, Orange oder Gelb. Hauptsache knallig.

Farbe

 

Die Farbe der Paddelausrüstung trägt maßgeblich zur passive­n Sicherheit bei. Genau wie im Straßenverkehr gilt: Bekleidung und Ausrüstung in Signalfarben wie Rot, Orang­e und Gelb sieht man deutlich besser. Deshalb beim Kauf Finge­r weg von allzu dunklen Farben. Die schicke dunkelgraue Jacke, die im Kunstlicht des Ladens so fesch aussah, ist auf dem Fluss ihrem farbigen Pendant unterlegen. Das gleiche gilt natürlich für Boote, Paddel, Wurfsäcke und ander­e Ausrüstungsteile.

 

Fußklemmer

 

Je besser ein Schuh (siehe auch S wie Schuh) sich an den Fuß anschmiegt, desto mehr verringert er die Gefahr eines Fußklemmers beim Waten in flache­n, strömenden Gewässern. Der Fußklemmer entsteht, wenn man zwischen zwei Steine tritt und sich der Schuh/Fuß verklemmt. Wird man dann von der Strömung umgeworfen, ist eine selbsttätige Befreiung kaum noch möglich. Deshalb gilt die goldene Regel: in mehr als knietiefer, starke­r Strömung nicht aufstehen, sondern mit den Füßen an der Wasserober­fläche schwimmen. Erst wenn‘s flacher wird und die Strömung nachlässt, darf man sich hinstellen.

H wie > Handy, Helm, Hindernis und Hochwasser

Helm und Handy sind beim Paddeln unverzichtbar und bei Hochwasser entsteht so machnes Hindernis, hier gilt: Gefahren vermeiden und besser nicht einbooten.

Telefonieren ohne das Handy aus der Hülle zu nehmen.

Handy

 

Ein Handy pro Gruppe sollte immer dabei sein. Punkt. Dank immer besserer Netzabdeckung hat man damit mittlerweile auch an abgelegenen Orten Empfang und kann die Rettungskette bei einem Unfall deutlich verkürzen.

 

Sinnvoll: Notrufnummern vorher einspeichern.

 

Die Notrufnummer 112 funktioniert EU-weit in allen Netzen und auch ohne SIM-Card. Verpackt wird das Handy in einer speziellen wasserdichten Hülle, wie sie etwa Ortlieb und Aquapac anbieten. Hat man kein Aufklapphandy (wie auf dem Bild zu sehe­n), kann man sogar telefonieren, ohne das Telefo­n aus der Hülle nehmen zu müssen.

 

Und: Im Zweifel lieber zu früh als zu spät einen Notruf absetze­n.

Was auf die Rübe. Mehr Infos im KANU Helmtest.

Helm

 

Helme schützen unseren Kopf – bei Kontakt mit Steinen und anderen Hindernissen, aber auch vor dem Paddel der Mitpaddler. Überall dort, wo man damit rechnen muss, mit Hindernissen über oder unter Wasser in Berührung zu kommen, sollte der Paddler einen Helm tragen. Damit ist er nicht nur für Wildwasserfahrer ein Muss, sondern auch für Kleinflussliebhaber und Brandungspaddler. Mehr Infos im KANU Helmtest.

Bei Hochwasser gebärden sich selbst Kleinflüsse wie der Colorado persönlich.

Hochwasser

 

Starke Regenfälle, Schneeschmelze an heißen Tagen: der Wasserstand eines Fluss verändert sich ständig. Und damit verändert sich auch der Charakter (und der Schwierigkeitsgrad). Die Fließgeschwindigkeit nimmt zu, Kehrwässer verschwinden, denn der Fluss verlässt sein gewohntes Bett und reicht nun bis in die Vegetation hinein. Aussteigen und anschauen der Katarakte wird komplizierter bis unmöglich. Die Konsequenzen einer Kenterung sind bedrohlicher. Auch das oft brauntrübe Wasser macht etwaige Rettungsaktionen und das Erkennen von Unterwasserhindernissen deutlich schwieriger. Deshalb: Gefahren vermeiden und bei Hochwasser nicht einbooten.

Übung Ernstfall: Schwimmerbergung aus dem Baumverhau beim VDKS-RSR-Expert-Lehrgang.

Hindernis

 

Erst kürzlich ist ein Faltbootausflug auf der Elbe zu einem jähen Ende gekommen, weil ein Zweie­r mit einer Schifffahrtstonne kollidierte und unter Wasser gezogen wurde. Von den beiden Paddlern konnte nur einer lebend gerettet werden. Gerad­e auf breiten Flüssen unterschätzt man die eigene Geschwindigkeit leicht. Statische Hindernisse wie Tonnen, Pfosten, Brückenpfeiler oder Schiffe am Anker nähern sich dann schneller, als man denkt.

 

Aber auch auf Kleinflüssen oder im Wildwasser tauchen unvermittelt Hindernisse im Stromzug auf. Ging letzte Woche oder gar gestern die Befahrung noch glatt, kann über Nacht ein Baum ins Wasser gestürzt sein und eine Todesfalle darstellen. Vielleicht hat auch das letzte Hochwasser die einzige Durchfahrt mit Schwemmgut verstopft? Oft liegen diese Gefahrenstellen hinter Kurven und lasse­n sich erst spät erkennen. Hier helfen nur stete Aufmerksamkeit, vorausschauendes Paddeln, weite Sicher­heitsabstände und schnelle Reaktionen.

K wie > Kenterung, Klemmunfall und Kinder

Was tun bei Kenterung und Klemmunfall? Schnelles und vor allem richtiges Handeln ist in diesem Fall gefragt. Und wenn die Kids mit ins Boot sollen gibts auch einiges zu beachten damit quengeln vermieden wird und die kleinen sicher über Wassers schaukeln.

Wie die Zwei wieder ins Boot kommen, sehen Sie unter C wie Capistrano Flip.

Kenterung

 

Schnell ist es passiert. Etwas Unachtsamkeit, gepaart mit einem knapp überspülten Stein, und schon ist man »bei den Fischen«. Ein vollbeladenes Tourenkajak ist sehr schwer, ein Tourenkanadier oder ein breites Faltboot bauartbedingt gar nicht zu eskimotieren (siehe E wie Eskimorolle).

 

Dann heißt es möglichst schnell an Land oder zurück ins Boot. Auf Kleinflüssen oder im Wildwasser ist das nahe Ufer schnell erreicht. Ganz anders auf Großgewässern wie Seen, breiten Flüssen, dem Meer. Sind Kameraden in der Nähe, hilft man sich gegenseitig, um das gekenterte Boot wieder in Normallage zu bringen und auszuleeren. Die bei Kanadiern und Seekajaks üblichen Bergemethoden sollten aber immer wieder geübt werden, nicht nur bei Ententeichbedingungen.

 

Ist man jedoch mal alleine auf weiter Flur, kommt die Selbstrettung zum Tragen. Alleine ein Boot leer zu lenzen und dann wieder freischwimmend einzusteigen ist selbst für Könner ein Kraftakt sondersgleichen. Selbst der Einsatz von Hilfsmitteln wie Paddelfloat, Lenzpumpen oder Schöpfkelle erfordert viel Körperbeherrschung, Kraft, Technik und Erfahrung.

 

Wie so oft sind auch hier noch keine Meister vom Himmel gefallen, deshalb sollten diese Ernstfälle auf dem Trainingsplan jede­s Paddlers stehen, der etwas weiter aufs Wasser vordringen will. Lassen Sie sich Tricks und Kniffe von Profis zeigen, besuchen Sie Rettungs- und Sicherheitskurse, die von vielen Vereinen und Kanuschulen angeboten werden.

 

Klemmunfall

 

In Zeiten von vier Meter langen Kajaks waren Klemm­unfälle (oder auch »Stecker«) im Wildwasser an der Tages­ordnung – doch auch heute noch kommen Klemmer vor.

 

Aufgrund kürzerer Boote und veränderter Technik kommen solch­e Situationen zum Glück immer seltener vor. Vor allem die Boof-Technik, mit der der Paddler sich an einer Kante abstößt und über einen Rücklauf »fliegt«, hilft, gefährliche Stecker zu vermeiden. Gerät man selbst oder ein Gruppenmitglied dennoch in eine solche Lage, ist oft schnelles Handeln erforderlich. Wie viel Zeit für die notwendige Hilfe zur Verfügung steht, ist vor allem davon abhängig, ob der Paddler selbst über oder unter Wasser festsitzt.

 

Szenario 1: Boot verklemmt, Paddler nicht unter Wasser, kann atmen und kommunizieren. In dieser Situation ist es häufig sinnvoll, wenn der betroffene Paddler seine Position so lange stabil hält, bis Helfer zu ihm gelangt sind. Zudem kann auch das Boot direkt gesicher­t werden, denn allzu häufig verändert sich dessen Position, wenn der Paddler die Luke frei macht und Wasser hineinströmt. Steckt das Boot dann bomben­fest zwischen den Steinen, hilft oft nur der Aufbau eines Flaschenzuges, um das Boot wieder zu befreien. Wichtig dabei sind solide Griffschlaufen, denn sonst reißt man mit den Kräften eines Flaschen­zugs die Schlaufen ab, bevor sich das Boot bewegt.

 

Szenario 2: Steckt das Boot so fest, dass der Paddler nicht viel Luft bekommt, muss er aussteigen, bevor die Helfer zu ihm gelang­t sind. Wie gut das gelingt, hängt neben dem Wasserdruck u. a. von der Lukengröße, den Fittings im Boot und seiner Gewandtheit ab (siehe auch N wie Notausstieg).

 

Szenario 3: Boot verklemmt, Paddler unter Wasser, kann nicht alleine aussteigen. Bei diesem Szenario ist schnellstes Eingreifen der Helfer erforderlich. Zur Rettung des Paddlers wird ein Wurfsack in einen Schulterträger der Schwimmweste geklink­t. Häufig gegen den Wasserdruck muss nun versucht werden, den Paddler nach schräg hinten zu ziehen, um ihn zu befreien. Unzureichend­e Schwimmwesten machen eine solche Rettung nahezu unmöglich.

Kinder

 

  • Kinder sollten nie ohne Schwimmweste ins Boot. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran.
  • Schwimmwesten, wie auch alle andere Aus­rüstung, sollte genau passen und aufs jeweilige Alter abgestimmt sein. Die zu großen Sachen der älteren Geschwister helfen nicht wirklich weiter. Kleinere Schaftdurchmesser am Paddel, leichte Boote, fest sitzende Rettungswesten, bequemer Kälteschutz machen das Kanuleben sicher und für alle Beteiligten spaßig.
  • Ganz wichtig: die Ausflüge dem Bewegungsdrang und der Kondition der Kinder anpassen. Kürzere Touren, abwechslungsreiche Aktionen und viel Raum für Spaß und Spiel machen den Erfolg aus. Mehr zum Thema finden Sie unter www.kanumagazin.de (Suchwort: Kinder).

M wie > Messer

Merke: Wo ein Seil ist, sollte ein Messer nicht weit sein. Dann mit einem guten Messer mit Wellenschliff ist Ritsch-Ratsch das am Fuße verwickelte Seil abgeschnitten.

Und ratsch, ist das Seil durch, der Wellenschliff machts möglich.

Messer

 

Merke: Wo ein Seil ist, sollte ein Messer nicht weit sein. Wie leicht hat man sich in ein Seilende verwickelt. Kommt ein Sturz und eine kräftige Strömung hinzu, kann man unter Wasser gezogen werden und sich nur noch durch einen beherzten Schnitt befreien.

 

Ein anderes Szenario ist gegeben, wenn man einem bewusstlosen Kameraden mit schneller Reanimatio­n zu Leibe rücken muss und man Paddeljacke und Schwimmweste nicht öffnen kann. Ratsch, ratsch, und der Oberkörper liegt frei.

Mit einer Hand leicht zu bedienen.

Fürs Kanufahren eignen sich zwei Arten von Messern. Feststehende Klingen werden in einer sicheren Messerscheide an Schwimmweste oder Gürtel befestigt. Als gutes Beispiel gilt z. B. das River Shorty von Gerber. Taucher­messer sind meist zu schwer und zu klobig.

 

Alternativ nimmt man ein Taschen­messer mit klappbarer Klinge. Hier sollte man darauf achten, dass es sich auch einhändig oder mit klammen Fingern noch ausklappen lässt und die Klinge in Gebrauchsstellung sicher arretiert wird.

 

Bei beiden Arte­n sollte wenigstens ein Teil der Klinge einen Wellenschliff auf­weisen. Damit »sägt« es sich deutlich leichter durchs Seil.

N wie > Notausstieg und Notruf

Schnell raus hier und Hilfe holen. Was beim Notausstieg Leben rettet zählt beim Notruf genauso: Lieber zu früh einen Notruf absetzen als zu spät. Jeder der schonmal in solch einer Situation war weiß, dass bange Minuten des Wartens wie Stunden vergehen.

 

Notausstieg

 

Um ein Kajak zu verlassen, drückt man sich mit den Armen etwas nach hinten und benutz­t den Mittelkeil bzw. den vorderen Süllrand als Stufe. Große Sicherheitsluken an Wildwasserbooten machen es möglich, beide Knie gleichzeitig aus der Luke zu ziehen.

 

Sehr gefährlich ist ein Querklemmen für Kanadierfahrer im Kniesitz. Hier ist ein Festklemmen der Unterschenkel durch die fest montierte Sitzbank möglich, die Folgen sind mitunter fatal. Dies gilt besonders für Schlauchkanadier. Abhilfe – zumindest bei Festrumpfkanadiern – schafft die Firma Gatz (www.gatz-kanus.de), die eine Sitzvariante anbietet, bei der der Sitz im Klemmfall nach oben auslöst.

 

Notruf

 

Als wir unseren Kameraden Roland nach einem langen, kalten Schwimmer kreidebleich und mit Atemnot aus der Schweizer Sense zogen, hatten wir mehrfach Glück. In der engen Schlucht gab es ein Mobilfunksignal und wir konnten einen Rettungshubschrauber anfordern. Roland war schnell wieder wohlauf und sein Bankkonto erlitt auch keinen Kollaps: In seiner zusätzlichen Auslandsreisekrankenversicherung (kann z. B. bei jeder Bank oder Sparkasse für 8 bis 12 € pro Jahr abgeschlossen werden) waren die Bergekosten abgedeckt. Sie hätten sonst über 1100 € ausgemacht.

 

Einen Notruf lieber zu früh als zu spät absetzen. Wichtig sind dabei die sechs Ws: Wo geschah es? Was geschah? Wie viele Verletzte gibt es? Welch­e Art der Verletzungen? Wer meldet? Warten auf Rückfragen – die Leitstelle beendet letztlich nach eventuellen Rückfragen das Gespräch.

 

Wichtig ist auch, dem Rettungsteam den Zugang zum Verunfallten sowei­t als möglich zu vereinfachen. Sei es mit einer persönlichen oder akustischen Führung auf den letzten Metern, sei es beim Freiräumen (herum­liegende Ausrüstung, verstreute Boote etc.) eines möglichen Hubschrauber­landeplatzes. In tiefe, unwegsame Klammen kann meist nur die Bergrettung vordringen. Auch hier sind die Retter oft auf tatkräftig­e Mithilfe angewiesen. Diese sollte man anbieten und dann nur das tun, was einem gesagt wird.

P wie > Perspektive, Planung und Psychologie

Ganz so schlimm wie bei der allseits bekannten Froschperspektive ist des Paddlers Sicht zwar nicht. Beschränkt ist der Blick aber dennoch. Damit man es dadurch aber nicht mit der Angst zu tun bekommt, heißt es Aussteigen und genau zu inspizieren.

Was gibt´s denn da zu sehen? Für Paddler ist die Sicht beschränkt.

Denn Angst beim Paddeln kann das eigene Können blockieren. Also lieber von der Psyche keinen Streich spielen lassen und auf Nummer sicher gehn. Das sollten Sie auch bei der Planung ihres Paddelurlaubs. Nach dem Motto »wird schon klappen« drauflos zu fahren kann aus den schönsten Wochen des Jahres schnell ein stressreicher Erlebnistrip werden. Allerdings nicht auf dem Wasser.

 

Perspektive

 

Paddler hocken nur wenige Zentimeter über dem Wasser, ihre Sicht auf die vor ihnen liegende­n Dinge ist daher beschränkt. Sobald Zweifel auftauchen: sofort aussteigen und den weiteren Verlauf vom Ufer aus erkunden. Dies gilt nicht nur für Wildwasser, sonder­n auch auf Kleinflüssen, wo plötzlich auftauchende Sohlschwellen mit teils gefährlichen Rückläufen lauern.

Karte richtigherum? Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Planung

 

Beim Paddelausflug vor der Haustür reicht ein Blick auf die Wetterkarte und den Pegelstand. Je weiter und exotischer das Ziel aber ist, desto langfristiger und gründlicher muss die Vorarbeit er­folgen, um eventuelle Risiken schon im Keim zu ersticken.

 

Hat man ein mögliches Paddelparadies entdeckt, lassen der Flussführer aus dem Bücherregal und ein Weltatlas eine erste Machbarkeitsstudie zu. Wähnt man sich jetzt der Schwierigkeiten und den Anforderungen der geplanten Tour gewachsen, kann man im nahezu allwissenden Internet nach (hoffentlich) aktuellen Details suchen. Die bekannten Suchmaschinen machen den Zugang leicht. Viel schwieriger wird es, aus dem Angebot die wirklich relevanten Informationen herauszupicken. Letzte Zweifel und Fragen bekommt man vielleicht bei einem geschickt formulierten Posting in diversen Internetforen beantwortet. Hier gilt, wie auch beim persönlichen Kontakt zu Leuten, die »schon mal da waren«, die Essenz aus Glaubwürdigkeit, Profiliersucht, Untertreibung und Neid herauszufiltern.

 

Weit im Vorfeld sollte man auch sämtliche Ausrüstungsfragen klären. Erst kurz vor der Reise werden Infos zu Wetter und Wasserständen abgefragt. Dann heißt es aufladen, losfahren, erlebe­n und dokumentieren (und sei es nur mit Schnappschuss und Tagebuch). Vielleicht kann man ja einem anderen mit seinen Erfahrungen weiterhelfen.

Angst fressen Paddler auf - und das Können kann nicht abgerufen werden.

Psychologie

 

Sicherheit beginnt im Kopf! Auch bei bester Sicherheitsausrüstung, regelmäßigem Rettungstraining und perfekter Kommunikation in einer eingespielten Gruppe: Eine sichere Paddeltour hängt großteils von psychologischen Faktoren ab.

 

Gefährliche Situationen entstehen häufig aus ängstlichem oder übermütigem Handeln. Allzu oft sieht man unsichere Paddler auf dem Fluss, die in einem Katarakt die wesentlichen Paddelschläge nicht machen – aus Angst, es könnten genau die falschen sein. Oder Kajakfahrer, die kein Auge für gefährliche Stellen haben und sich nach dem Motto »Es wird schon gutgehen« größeren Risiken aussetzen, als ihnen selbst bewusst ist.

 

Balance zwischen Können und Anforderung: Freude am Paddeln tritt vor allem dann auf, wenn das technische Können, die persönliche Tagesform und die Anforderungen, die das Gewässer bietet, in einem Gleichgewicht stehen. Und genau das ist auch die Grundvoraussetzung für sichere Paddeltouren. Wer hier die richtige Balance findet, paddelt in seinem Komfortbereich: Kom­petent und aktiv werden auch anspruchsvollere Stellen technisch sauber gemeistert. Ist man als Paddler auf einer Paddeltour ständig überfordert, ist das Auftreten von Problemen geradezu vorprogrammiert.

 

Eigene Entscheidungen treffen: Die Gruppendynamik spielt eine wichtige Rolle: Prinzipiell immer auf die eigene innere Stimme hören und nicht verleiten oder unter Druck setzen lassen! Auch bei Abschnitten, die man schon oft befahren hat, kann es sein, dass man aufgrund von Tagesform (schlecht geschlafen, lange Autofahrt) oder äußeren Einflüssen (komplett anderer Wasserstand, grauer Regen­tag) in dieser speziellen Situation eine andere Entscheidung trifft. Nicht einzusteigen oder einen Katarakt schnell zu umtragen ist ein Zeichen für selbstständige kompetente Entscheidungsfähigkeit. Im Interesse aller sollte dieses eigenverantwortliche Handeln bereits zu Beginn der Paddlerkarriere geübt werden: Wer sich angewöhnt, hinter Kajaklehrern, Paddelcracks oder dem stärkeren Partner einfach nur herzufahren, verpasst es, sich selbst ein Bild zu machen. Der Abgleich zwischen den zu meisternden Anforderungen und der persönlichen Tagesform wird dann nahezu unmöglich.

 

Selbst-Check: »Wie fit fühle ich mich heute?« Diese Frage ist manchmal nicht ganz leicht zu beantworten und häufig merkt man erst nach den ersten Paddelmetern, dass Kopf und Muskeln sich von der gestrigen Tour noch nicht erholt haben. Um seine eigene Tagesform auszutesten, bevor es »richtig zur Sache« geht, kann es sinnvoll sein, sich selber ein paar kleine Testaufgaben zu stellen. Eine enge Linie in ein Kehrwasser, ein kleiner Boof, eine Seilfähre und schon hat man ein paar eindeutige Hinweis­e: Wurden die Linien, die man sich vorgenommen hatte, korrekt getroffen? Hat der kleine Boofschlag sich o. k. angefühlt oder war das heute schon an der Grenze? Auf der Grundlage dieser Beobachtungen fällt es häufig leichter an einem schwierigeren Abschnitt zu sagen: »Nein, ich bin heute nicht in Topform. Da umtrage ich lieber.«

R wie > Rückläufe und Reservepaddel

Ein Reservepaddel gehört in jedes Boot denn im Fall der Fälle dienen zwar die Hände als Ersatzpaddel, aber diese geben auch nur beschränkt Vortrieb. Um aus einem Rücklauf heraus zu kommen, sind die Hände aber möglicherweise die Lebensversicherung. Ob beim Schwimmen oder beim Griff nach dem Wurfsack leisten die Hände gute Dienste.

Präzise und effektiv: Rücklaufbergung per Seilüberspannung.

Rückläufe

 

Das Wasser eines Rücklaufs strömt gegen die Flussrichtung zum herabfallenden Wasser hin, Paddeln, Stützen und Rollen ist in dem stark luftdurchsetzten Wasser nicht sehr effektiv. Oft bleibt nur: aussteigen und als Schwimmer den Rücklauf verlassen. Damit man aktiv aus diesem herauskommt, sollte man aussteigen, solange man noch Reserven hat. Idealer­weise lässt man sich als Schwimmer vom herab­fallenden Wasser unter die Oberfläche drücken, um dann mit der tieferen Strömung, die flussab fließt, aus dem Rücklauf herauszutauchen/schwimmen. Gelingt es dem Paddler nicht, sich alleine zu befreien, starten die Mitpaddler                                                                    eine Rettungsaktion.

Der beste Weg aus der Walze ist stromauf.

Methode Wurfsack: Hat der Paddler sein Boot verlassen und schwimmt er im Rücklauf, werfen die Retter ihm den Wurfsack zu, wenn er gerade an der Wasseroberfläche ist. Ein kurzer Zuruf »Seil« ist dabei sinnvoll. Dann zieht man ihn mit vereinten Kräften stromab und lässt ihn, sobald dieser in der abfließenden Strömung ist, ans Ufer pendeln.

 

Methode Springersicherung: Ist der Schwimmer im Rücklauf evtl. schon zu entkräftet oder hat er sonst große Schwierigkeiten, das Seil zu erwischen, kann ein angeseilter Retter ins Wasser springen. Der »Springer« greift den Schwimmer, hält ihn fest und die Retter an Land ziehen beide aus dem Rücklauf hinaus. Für diese Art der Rettung wird der Springer am rückseitigen Brustgurt seiner Schwimmweste mit einem Karabiner eingeklinkt.

 

Methode Seilüberspannung: Eine Seilüberspannung ist dann ratsam, wenn beide Ufer neben dem Rücklauf begehbar sind. Die Retter teilen sich auf die beiden Ufer auf und spannen ein Wurfsackseil über den Rücklauf, so dass der Schwimmer das Seil sicher zu greifen bekommt. Dann sollte einer der beiden Retter (vorher ausmachen) loslassen, damit der Schwimmer ans Ufer pendeln kann.

Auch US-Paddler Pat Keller geht nicht ohne aus dem Haus.

Reservepaddel

 

Ein Reservepaddel gehört in jedes Boot. Denn es kann selbst bei hochwertigen Paddeln jederzeit passieren, dass sie den Geist aufgeben. Und ohne sein notwendiges Handwerkszeug ist der Paddler in tiefen Schluchten, auf weiten Seen und in der Wildnis so hilflos wie ein Fisch auf dem Trockenen. Und die Ausrede, dass im Kompakt-Creeker kein Platz sei, zählt nicht: Es gibt sogar vierteilige Notpaddel, die wenigstens ein würde­volles Erreichen des Ausstiegs ermöglichen.

S wie > Schuhe, Schwimmweste und Spritzdecke

Safetyinfos satt. Zu den Themen: Schuhe, Schwimmen, Schwimmerbergung, Schwimmweste, Siphon und Spritzdecke.

1a Grip, ein Paddelschuh lässt sicher stehen.

Schuhe

 

Ein guter Paddelschuh ermöglicht hervorragenden Stand und maximale Griffigkeit auf glitschigem Untergrund und nassen Steinen. Er bietet guten Halt und Schutz für die Füße und ist trotzdem so kompakt geschnitten und flexi­bel, dass er auch in engen Cockpits oder im Kniesitz unte­r die Kanadierbank passt.

 

Die Sohle wiederum sollte so steif sein, dass sie beim Weg über spitze Steine oder scharfe Dornen vorm Durchdrücken schützt. Wenn darüber­ hinau­s noch eine dünne Lage Neopren die Füße wärmt, bekommt solch ein Schuh maximale Punktzahl

Zur Strategie der Wurfsackrettung gehört die Standortwahl. Der Platz in der Außenkurve ist nicht ideal, da unterhalb des Kehrwassers ein Baum lauert.

Besser: Etwas unterhalb auf der anderen Seite gelingt die Rettung ohne Gefahr für den Schwimmer.

Schwimmerbergung

 

Erste Maßnahme zur Bergung eines Schwimmers aus der Strömung – sofern dieser nicht selbst ans Ufer schwimmen kann – ist der Einsatz des Wurfsacks (siehe auch W wie Wurfsack). Also Beutel zielgenau zum Schwimmer werfen und das Seilende festhalten. Hat man seinen Standplatz gut gewählt, kann man den Schwimmer ins nächste Kehrwasser pendeln lassen. Ist die Strömung zu stark und lässt es das Ufer zu, kann man flussab laufen und so den Schwimmer langsam abbremsen und an Land ziehen. Folgende Fehler bitte vermeiden ...

  • Unsicherer Stand auf hohem Felsen – man wird vom Schwimmer gleich mit ins Wasser gezogen. Abhilfe: hinsetzen oder -legen, Füße gut abstützen, bessere Standplatzwahl.
  • Zu früh geworfen – der Schwimmer sieht das rettende Seil nicht, weil er gerade erst auftaucht und sich noch nicht orientiert hat. Abhilfe: warten­, bis der Schwimmer sich umsieht, laut »Seil« rufen, dann werfen.
  • Schlecht gezielt – der Schwimmer erreicht das Seil nicht. Abhilfe: liebe­r etwas stromauf des Schwimmers werfen, Abdrift einkalkulieren, schneller Zweitwurf, Backup durch weiteren Retter mit Wurfsack.
  • Nie mehrere Wurfsäcke gleichzeitig werfen, immer hinterein­ander, falls der erste Wurf nicht trifft.

Nachteil dieser Methode: Der Schwimmer muss aktiv mithelfen. Ist der Schwimmer dazu nicht in der Lage, hilft nur eine Rettung durch einen angeseilten Springer. Hier ist wichtig, dass das Seil beim Springer hinte­n per Karabiner in den Bergegurt eingehängt wird. Der Springer sollte möglichst flach ins Wasser springen, mit nach vorne ausgestreckten Händen. Dann den Schwimmer an den Schultergurten der Schwimmweste packen. An Land gilt es nun, das doppelte Gewicht aus der Strömung zu ziehen, extrem guter Stand und vier oder mehr Hände am Seil helfen.
Auf größeren Gewässern und zum Queren eines Flusses kann man eine­n Schwimmer auch auf dem Bootsheck transportieren. Dazu legt sich der Schwimmer flach ausgestreckt aufs Bootsheck und hält sich an den hoffentlich dort vorhandenen Griffen fest. Perfekt ist es, wenn der Schwimmer das Abschleppen durch Beinarbeit unterstützt.

Passiv schwimmen

Schwimmen

 

Passiv:

 

Steine und Untiefen voraus? Dann in Rücklage schwimmen, mit den Händen steuern und mit den Füßen eventuellen Grundkontakt abfedern.

Aktiv Schwimmen

Aktiv:

 

Sobald sich die Gelegenheit bietet, ans Ufer zu kommen, oder Gefahr droht, wird auf »Kampfschwimmermodus« umgeschaltet.

Schwimmweste

Schwimmweste

 

Schwimmwesten sind für Wassersportler ein Muss. Egal ob Jung oder Alt, Fluss, Meer oder See: Wer auf’s Wasser geht, zieht eine Schwimmweste an.

 

Dass Schwimmwesten viel mehr können, als im Falle einer Kenterung für zusätzlichen Auftrieb im Wasser zu sorgen, wird manchmal unterschätzt. Schwimm­westen haben eine hervor­ragende isolierende Funktion: Der Schaum, der eng am Oberkörper anliegt, wärmt den Paddler und schützt vor Auskühlung durch Wasser und Wind. Zudem bietet der Schaum einen guten Prallschutz: Bei Kontakt mit Felsen, Bäumen oder fremden Bootspitzen sind Rippen und Teile der Wirbelsäule durch die Schwimmweste geschützt.

 

Passform ist entscheidend: Bei der Entscheidung für eine Schwimmweste aus dem weit gefächerten Angebot sollte zuallererst auf eine gut­e Passform geachtet werden. Ein perfekter Sitz bei guter Bewegungsfreiheit ist optimal. Denn: Nur eine West­e, die auch bei einer Rettungsaktion am Körper bleibt, dient wirklich ihrem Zweck.

 

Schwimmweste richtig an­ziehe­n: Neben dem perfekten Sitz ist das korrekte Anziehen von Schwimmwesten einer der wich­­tigs­­­­­te­­n Punkte, auf die man achten muss. Immer wieder sieht man auf dem Wasser Paddler, die ihre Weste­n nicht richtig oder nur unzureichend fixiert haben.

 

Der Hüftgurt einer Schwimmweste ist der wichtigste Einstel­lgurt und wird beim Anziehen als Erstes geschlossen. Dieser Gurt soll unte­r den Rippenbögen sitze­n und die Schwimmweste dort fixieren, so dass sie nicht nach oben rutschen kann. Erst danach werden andere Verstellgurte an den Seiten oder Schultern enger gezogen und die Weste damit weite­r fixiert.

 

Ein Brustgurt, der an vielen Wildwasser­westen zu finden ist, ist vor allem ein Hilfsmittel zur Fremd- und Selbstrettung und nicht zum Fixieren der Schwimmweste gedacht.

 

Zusatzfunktion: Moderne Schwimmwesten bieten ausge­klügelte Systeme, um Cowtails und Messer sicher an der Weste zu verstaue­n. Taschen auf der Vorder- und Rückseite erhöhen Komfort und Funktionalität, Reflexstreifen das Gefundenwerden.

Todesfalle rechts der Ideallinie - Siphon auf der unteren Melezza.

Siphon

 

Siphone können zur echten Paddlerfalle werden. Überall dort, wo Wasser unter Felse­n hindurchfließt, aber der Paddler nicht durchpasst, lauert Todesgefahr. Siphone erkennt man am fehlenden Prallpolster, die Strömung zieht glatt unte­r den Fels, dahinter sprudelt das Wasser ganz charakteristi­sch wieder hervor. Den Bereich vor einem Siphon meiden und Abstand halten, Kehrwasser unmittelbar vor Siphonen nicht nutzen.

Selbst bei extremem Ein­wirken von Wasser und Strömungen muss die Spritzdecke bombenfest sitze­n.

Spritzdecke

 

Eine gut sitzende Spritzdecke verhindert wirkungsvoll das Eindringen von Wasser ins Bootsinner­e. Dies ist für die sichere Befahrung von Wildwasser und offener See von entscheidender Bedeutung. Wildwasserspritzdecken sind meist aus Neopren gefertigt, ein starker Gummizug spannt sich um den erhöhten Rand der Sitzluke.

 

Selbst bei extremem Ein­wirken von Wasser und Strömungen muss die Spritzdecke bombenfest sitze­n. Im Falle eines Ausstiegs allerdings muss sie sich leicht lösen lassen, damit man unter Wasser keine Zeit verliert. Die Griffschlaufe muss immer in er­reich­bare­r Nähe sein, nie eingeschlagen oder unter­geklemmt.

 

Auch für große Luken in Kanadiern und Faltbooten gibt es eine Art Spritzdecke, die Persenning. Sie ist meist fest mit dem Bootsrumpf verbunden (per Klettverschluss, Seilschlaufen, Druckknöpfe) und bietet eigene kleine Sitzluke­n, die wiederum von individu­ellen Spritzdecken geschlosse­n werden können.

T wie > Tape, T-Bergung und Training

Das sogenannte Duck Tape hat zwar nichts mit einer Ente zu tun, flickt aber sowohl Gummiente als auch Faltboothaut.

Tape hält die Welt zusammen, sagen ganz überzeugte Kleber des Allheilmittels. Ob das stimmt sei mal dahingestellt, für ein Faltboot und das lädierte Paddel reicht Tape allemal. Sollte bei der T-Bergung was in die Brüche gehen, dann hat man sich wohl nicht an die gezeigte Anleitung gehalten, aber Tape hilft dann natürlich auch hier. Damit es beim nächsten mal klappt heißt es natürlich üben, üben, üben, denn Übung macht den Meister!

Tape

 

Dem Erfinder des Klebebandes, Richard G. Drew von der Firma 3M, gehört auch fast 80 Jahre später der uneingeschränkte Dank der Paddlergemeinde. War es früher das teure Gewebeband, das manch leckes GFK-Kajak noch zum Ziel schwimmen ließ, ist es heute das silberne »Duck Tape«, das sich für allerlei Schnell­reparaturen unterwegs eignet.

 

Sei es ein Riss in der Faltboothaut, ein gebrochenes Paddel, eine undicht­e Luke, ein Notverband; so ein, zwei Meter Klebe­band lassen sich für alles Mögliche gebrauchen und sollten deshalb imme­r dabei sein.

 

T-Bergung

 

Wenn von zwei Kanadiern einer kieloben ist, kommt die T-Bergung zum Einsatz.

 

Training

 

Beim Paddeln im Wildwasser, beim Seekajakfahren am Meer oder auch bei der Kanadiertour auf einem See gilt: Im Falle einer Kenterung helfen die Mitpaddler, den Schwimmer und sein Material schnell und sicher zu retten.

 

Dies gelingt umso besser, je geübter alle Gruppenmitglieder im Umgang mit der Sicherheitsausrüstung sind und die wichtigen Techniken sozusagen »im Schlaf« beherrschen. Denn eines ist klar: Nur wer diese Techniken kennt und regelmäßig übt, kann Ruhe bewahren und dem Schwimmer effektiv helfen, schnell aus dem (kalten) Wasser heraus und zurück ins Boot zu kommen.

 

Spezielle Kurse und Sicherheitstrainings gibt es für alle Gewässertypen und Könnensstufen.

 

Seekajakfahrer können regionale Sicherheitstrainings (RST) der Salzwasserunion besuchen, die auch an Binnengewässern durchgeführt werden (www.salzwasserunion.de).

 

Für Wander- und Wildwasserpaddler ist das Angebot sogar ungleich größer. Unter dem Dach des Deutschen Kanuverbands bieten Vereine und Landeskanuverbände Sicherheitsschulungen für ihre Mitglieder an (www.kanu.de). Der VDKS (Verband Deutscher Kanuschulen und Outdooranbieter e. V.) hat Kurse zu »R-S-R = Risiko­management-Sicherheit-Rettung« in sein­e Kajaklehrerausbildung integriert, die auch von anderen Paddlern gerne besucht werden (www.vdks.de).

 

Eine anspruchsvolle, weltweit standardisierte und anerkannte Sicherheitsausbildung bieten die »Swift Water Rescue«-Kurs­e (www.swiftwaterrescue.at). Zu diesen gehör­t der speziell auf Kajakfahrer zugeschnittene Whitewater Rescue Technician Kurs (kurz WRT). In zwei intensiven Kurstagen gibt es zahlreiche Sicherheitsübungen im Wasser und auf dem Trockenen.

 

Kontrolliertes Schwimmen im Wildwasser, Umgang mit dem Wurfsack, Bergen von Ausrüstung vom Ufer und vom Boot aus, Möglichkeiten zur Flussüberquerung; all das steht bei einem solchen Kurs ebenso auf dem Programm wie die Beschäftigung mit eine­r guten Organisation der Rettungsaktion im Team. »Als erfahrener Paddler denkt man beim Thema Sicherheit und Rettung oft: Ja klar, das können wir doch. Doch wenn man dann in einer konkreten Situation handeln muss, geschieht es schnell, dass es nicht so flüssig geht, wie gedacht.

 

Da ist es gut, die einzelnen Rettungsaktionen mehrfach zu üben und sich gemeinsam über einen reibungslosen Ablauf und die Kommunikation im Team Gedanken zu machen«, kommentiert ein Teilnehmer des WRT-Kurses. Interessant ist auch das Angebo­t der Outdoorschule Süd, die einen Swiftwater-Kurs mit Elementen der Ersten Hilf­e anbieten (www.erste-hilfe-outdoor.de).

U wie > Unterspülung und Unterkühlung

Zwei große und nicht zu unterschätzende Gefahren beim Paddeln sind Unterspülung und Unterkühlung. Denn bei Wasserkontakt kühlt der Körper um ein vielfaches schneller aus. Deshalb ist Vorsicht geboten und die richtige Kleidung essenziell wichtig.

Die haben gut lachen. Im Ernstfall ist mit Unterspülungen aber nicht zu spaßen.

Unterspülung

 

Ausgehöhlte Felswände unter der Wasser­oberfläche, in die die Strömung hineindrückt, bezeichnet der Paddler als Unterspülung. Sie sind häufiger anzutreffen als Siphone und teilen mit diesen ihr charak­teristisches Merkmal: Vor der Felswand ist nur ein kleines oder gar kein Prallpolster sichtbar. Als Schwimmer in einer Unter­spülung muss man mit dem abfließenden Wasser nach unten austauchen.

Luft 25, Wasser 5 Grad - Gletscherflüsse wie die Ötz sind selbst im Sommer eiskalt.

Unterkühlung

 

Gefahr Nummer eins beim Tourenpaddeln auf große­n Wasserflächen und beim Schwimmen auf schmelzwasserkalten Wildflüssen ist die Unterkühlung. Bei Wasserkontakt kühlt der Körper um ein Vielfaches schneller aus. Im Wasser geht die Körperkerntemperatur um bis zu 25-mal schneller runter als an der Luft. Aber auch an der Luft kommen Wind-Chill-Faktor und Verdunstungseffekt zum Tragen.

 

Die Unterkühlung läuft in vier Phasen ab:

 

Die Schockphase beginnt sofort nach der Kenterung. Das kalte Wasser verursacht Atembeschwerden und einen Kälteschmerz, schon nach kurzer Zeit können Gleichgewichtsstörungen hinzukommen.

 

Nach max. fünf Minuten beginnt die Erregungsphase mit Frösteln und Zittern. Hier versucht der Körper durch unkontrollierte Muskelbewegungen wieder selbsttätig warm zu werden. Da dies anstrengend ist, folgen bald Kräfteschwund und schließlich Orientierungsschwächen.

 

Sinkt die Körperkerntemperatur unter 34 ° C, beginnt die Erschöpfungsphase. Das Muskelzittern hört auf, die Kraftreserven sind erschöpft, Lethargie und Bewussts­einstrübung setzt ein.

 

Unter 30 °C Körperkerntemperatur erreicht man die Lähmungsphase und eine tiefe Bewusstlosigkeit.

 

Eine Daumenregel besagt, dass man im Wasser, das kälter als 15 °C ist, so viele Minuten Zeit zum Handeln und Retten, hat wie die Wassertemperatur beträgt: Bei 10 °C kaltem Wasser bleiben einem also nur 10 Minuten, um den Gekenterten wieder ins Boot zu bringen. Dauert’s länger, wird‘s absolut kritisch.

 

Ein Neo erhöht die Überlebenschancen um mehr als das 3,5-fache, ein Trockenanzug um fast das 7-fache, ein undichter Trockenanzug aber nur um das doppelte.

V wie > Verkehrsregeln

Verkehrsregeln, Schilder und Unfälle passieren auf Wasser wie auch an Land. Deshalb ist es wichtig auf Wasser ebenso alle Regeln zu kennen und keiner Segeljolle oder Containerfrachter die Vorfahrt zu klauen.

Verkehrsregeln

 

Auf Schifffahrtsstraßen und bei Begegnung mit anderen Gewässernutzern gilt stets: Die Berufsschifffahrt hat immer Vorfahrt. Sei es Fähre, Ausflugsdampfer oder Frachtkahn. Mit diesen großen Pötten sollte man sich als Paddler nicht anlegen, denn sie sind unweigerlich stärker.

 

Wichtig ist es, den Kurs der Schifffahrt abschätzen zu können und sich dann immer mit genügen­d Sicherheitsabstand in Sichtweite der Brück­e aufzuhalten. Der »tote Winkel« ist nicht zu unterschätzen, denn die Reflexion eines Kanuten auf dem Radarschirm entspricht der einer Mücke.

 

Sichere Fahrt­routen findet man auf Wasserflächen oft außerhalb der markierten Fahrtroute, in Innenkurven von breite­n Flüssen und weitab von Hafenein- und ausfahrten.

 

In der Vorfahrtshierarchie folgen nach der Berufsschifffahrt die Segler, dann Ruderer und Paddler und schließlic­h Motorboote, die eigentlich allen anderen ausweichen müssen.

W wie > Wehr, Wetter und Wurfsack

Was es zu beachten gilt bei Wehren, Wetterkapriolen und dem Rettungsgerät Nr.1 dem Wurfsack lesen Sie auf dieser Seite.

Gegen Wehr sollte sich der clevere Paddler lieber nicht wehren. Umtragen ist hier die bessere Alternative.

Wehr

 

Wehre sind künstliche Bauten im Flusslauf, die dazu dienen, das Wasser oberhalb aufzustauen. Für den Kanufahrer sind sie meist unüberwindbare Hindernisse.

 

Wehre gibt es in vielfältiger Form als Schräg-, Kasten-, Nade­l-, Klappen- oder Schlauchwehr, mit und ohne Tosbecken, gut überspült oder trocken liegend. Alle Wehre sind gefährlich, und jede Befahrung birgt ein Risiko.

 

Dabei kommt es nicht auf die Höhe oder den Neigungswinkel des eigentlichen Wehrkörpers an, sonder­n auf die Ausformung des Unterwassers, wo sich meist ein lange­r Rücklauf bildet. Vor allem Wehre mit Tosbecken können trotz niedriger Fallhöhe zu regelrechten Todesfallen werden.

 

Im Gegensatz zu Wehren dienen Sohlschwellen und raue Rampen (Blockwurfwehre) allein der Energievernichtung. Sie sollen den Abfluss bremsen, Erosion verhindern und Hochwasserschutz bieten. Ein Rückstau oberhalb ist kaum gegeben. Auch hier gilt: anschauen, abwägen und im kleinsten Zweifel umtragen.

 

Regel Nr. 1: Sobald sich ein Wehr ankündigt (Schild am Ufer, Rückstau, Horizontlinie im Gewässerverlauf …) raus und anschauen.

 

Regel Nr. 2: Je kleiner der Rücklauf im Unterwasser, je geringer die Fallhöhe, je flacher der Winkel des Wehrkörpers und je erfahrener die Paddler, desto eher ist eine Befahrung denkbar.

 

Regel Nr. 3: Bestehen geringste Zweifel: umtragen!

Wetter

 

Gefahr Wind:
Vor allem auf Großgewässern ist der Wind ein ernstzunehmender Faktor. An vielen Seen, vor allem im Alpenraum (Voralpenseen, Bodensee …) sind oft Blink­lichter am Ufer installiert. Sie dienen der Sturm­warnung und fangen an zu blinken, wenn eine extreme Zunahme des Windes erwartet wird. Allen Booten wird dann empfohlen, unverzüglich das nächstgelegene Ufer anzusteuern. Eine Überquerung offener See­flächen ist nicht mehr geraten. Starker Wind kann glatte Wasserflächen in ein brodelndes Infern­o aus kreuz und quer laufenden Welle­n und Brechern verwandeln.

 

Gefahr Nebel:
Nicht nur die Gefahr des Verirrens ist gegeben, sondern vielmehr, dass man von anderen übersehen wird oder Gefahre­n selbst zu spät erkennt. Es empfiehlt sich, sich weitab der Schifffahrtsrouten halte­n und evtl. mit lauten Schallsignalen (Nebelhorn) auf seine Position hinzuweisen.

 

Gefahr Gewitter:
Bei Gewitter sofort von offenen Wasserflächen verschwinden, will man nicht den Blitzableiter spielen. Vorsicht beim Unterstellen an hohen, alleinstehenden Bäumen. Besser einen dichten, niedrigen Baumbestand aussuchen. Gewitter gehen oft mit Sturmböen einher, dadurch Gefahr von umherfliegenden Gegenständen (Boot­e(!), Äste …).

 

Gefahr Regen:
Ist stetiger Nieselregen zualler­erst nur lästig und nicht eigentlich gefähr­lich, kann die zunehmende Durch­nässung der Ausrüstung und Bekleidung vor allem eine Gefährdung durch Unterkühlung hervorrufen. Starke Gewitterschauer können heftige Flutwellen, vor allem in engen Flusstälern und Gebirgsklammen auslösen.

Jeder Wurf ein Treffer, mit ein bisschen Übung sollte das gelingen.

Wurfsack

 

Der Wurfsack ist das wichtigste Rettungsgerät für Paddler und bei jeder Paddeltour mit an Bord. Er besteht aus einem Nylonbeutel, der mit einem schwimmfähigen Seil (etwa 20 m) fest verbunden ist und ein Auftriebselement aus Schaum enthält.

 

Ein Wurfsack wird vom Ufer aus eingesetzt: Der Beutel wird dem Schwimmer in der Strömung, in einem Rücklauf oder auf einem Felsen in Flussmitte zugeworfen, der Retter hält das Seil an seinem Ende fest. Hat der Schwimmer den Beutel bzw. das Seil ergriffen, kann er vom Retter ans Ufer gezogen werden (siehe auch S wie Schwimmerbergung).

 

Der Umgang mit einem Wurfsack muss regelmäßig geübt werden. Zielgenaues Werfen mit einem Wurfsack sieht einfacher aus, als es ist, zudem fliegt jeder Wurfsack je nach Model­l etwas anders.

 

Trifft man beim ersten Wurf nicht, hilft oft nur ein Nachwurf: Das Seil wird in Schlaufen in die Hand gelegt, der Wurfsack schnell mit Wasser befüllt und dami­t ein zweites Mal geworfen. Natürlich fliegt ein Wurfsack unter diesen Bedingungen völlig anders; deshalb hilft nur üben, um Routine zu bekommen.

 

Gute Wurf­säcke erkennt man an einem großen Beutel, der sich nach Gebrauch leicht wiederbefüllen lässt und fest verschließbar ist. Aus eine­r großen Öffnung läuft zudem das Seil sauberer heraus. Wurfsäcke in Signalfarben werden auch von Laien schnell als Rettungsgerät erkan­nt.

Z wie > Zwangspassage und Zeichensprache

Zeichensprache will gelernt sein, KANU zeigt die gängigsten Signale die auch in einer reißenden Zwangspassage wichtig sein könnten.

Die Mutter aller Zwangspassagen wartet auf dem unteren Cannobino.

Zwangspassage

 

Eine Besonderheit alpiner Wildflüsse sind Zwangspassagen: Stellen, die nicht umtragen, sondern nur paddelnd im Boot bewältigt werden können. Meist ist auch eine Besichtigung nur eingeschränkt oder gar nicht möglich.

 

Bei zuvor bekannte­n Zwangspassagen: Bereits am Einstieg klären, ob alle Gruppen­mitglieder wissen, dass eine solche auf sie wartet und ob der Wasserstand eine Befahrun­g zulässt. Eine Trillerpfeife ist bei der Befahrung der Zwangspassage häufig ein wichtiges Kommunikationsmittel.

 

Zeichensprache

 

Ohne Worte – die Kommunikation via Zeichen­sprache funktioniert auch über weite Strecken und bei laut rauschenden Flüssen. Hier eine Auswahl der gängigsten Signale auf dem Wildfluss.