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Szene

»A family from Switzerland« – Royal Gorge auf Zeit

31. August 2011 von Christoph Scheuermann

Dreimal Lämmler, Granit und jede Menge Höhenmeter. Klar, dass das kein durchschnittlicher Paddelurlaub werden kann. KANU bat Sohn Lars zum Kurz-Interview.

Die Royal Gorge des North Fork of the American River gilt als das Masterpiece der kalifornischen Creeks. Die Kombination von technischer Schwierigkeit, Wasserwucht und Fallhöhen, aber auch Ausgesetztheit und Länge des Trips machen die »königliche Schlucht« zur absoluten Referenz der Extrempaddelelite. »A family from Switzerland«, genauer Lars (18), Sven (17) und Felix Lämmer (46) haben der Schlucht die Ehre erwiesen und die Locals mit offenen Mündern am Ufer stehen lassen.

Ausgesetzt,superlang, enorme Fallhöhen: Die Royal Gorge gilt vielen als härteste Kajakstrecke Kaliforniens.
Foto: Familie Lämmler

KANU: Auf seiner Facebook-Seite klopft sich Paddel-Ikone Rush Sturges selbst auf die Schulter und berichtet von seiner letzten Befahrung der Royal Gorge. Mit der Bilanz seines Teams von fünf Schwimmern, zwei kaputten Booten, einem gebrochenen Paddel sowie einem gerissenen Trommelfell scheint er ganz zufrieden. Wie lief's bei euch?

Lars Lämmler: Eines der Hauptziele unserer Kalifornien-Reise war natürlich die Royal Gorge. Täglich checkte ich die schwankenden Pegelstände im Internet, welche in Kalifornien nicht immer als sehr stabil gelten. Und doch hatten wir das Glück auf unserer Seite und der perfekte Wasserstand (ca. 25 bis 30 Kubik) pendelte sich nach nur drei Tagen ein. Trotz hohen, aber fairen Pegels stiegen wir früh in die berühmt-berüchtigte Schlucht. Aufgrund von Internet-Berichten wussten wir, was uns in etwa erwarten würde und der gut eingeschenkte Wasserstand forderte uns von Beginn an alles ab. Wie wir später erfuhren, bestreiten die Amis jedes Jahr einen Wettkampf, welches Team als erstes die Schlucht durchsticht. Da mischten wir als Europäer eher unabsichtlich mit. Unser Plan lautete kurz und knapp: Vor Sonnenuntergang am ersten Tag heil beim Ausstieg nach den gewaltigen Wabena Falls anzukommen, um am zweiten Tag die verbliebenen 45 Kilometer abzuspulen und den mühsamen Trail-Ausstieg nach der Schlucht vermeiden.

Dieses Jahr hatten wir die klassischen Mehrtages- zu Eintages-Trips degradiert, frei nach unserem Motto: Zeit ist kostbar. Und wir wollten keinesfalls auf unsere ausgesuchten Kalifornien-Highlights verzichten. So ergab es sich, dass um circa vier Uhr nachmittags des gleichen Tages drei Kajakfahrer im luftdurchsetzten Becken der Wabena Falls einschlugen. Der »Swiss-Storm«, wie uns später ein Ranger und Kajakfahrer nannte, hatte die Ziellinie gekreuzt. Während sechs Stunden wurde gestürzt, was das Zeug hielt und wie es wahrscheinlich in der Royal Gorge wohl nie gesehen wurde. Aber erstmal alles der Reihe nach:

Diverse Kenterungen sind auf dem North Fork keine Seltenheit.
Foto: Familie Lämmler

Wie auf dem gesamten Royal-Abschnitt hat unser Vater immense Führungsarbeit verrichtet, indem er uns durch die steilsten ersten zwei Meilen lotste. Und diese starteten mit der technisch schwierigen Mank Gorge, die wir beinahe auf Sicht gepaddelt sind. Der Auftakt zu den ersten dicken Brocken folgte sodann mit dem Doppel-Drop samt schwieriger Einfahrt zum Heath Springs 1 und 2 (12 und 18 Meter), wo uns eine gefährliche Höhle zum genauen Scouten zwang. Erstaunlicherweise trafen wir dort auf die erste amerikanische Kajaktruppe mit zwei verletzten Kajakfahrern (die erwähnte Höhle lässt grüssen), die uns mit offenen Mündern zusah, wie die Heath Springs, inklusive der folgenden Klamm, nach kurzer Besichtigungszeit erstmals von einer kleinen Kajakfamilie durchstoßen wurde.

Auf dem Weg zum zweiten Drop namens Rattlesnake Falls wurden zwei weitere wundervolle Schluchten (Heath Springs Gorge und White Rock Gorge) durchfahren, welche uns paddeltechnisch forderten. Rattlesnake (15 Meter) war einfach nur eine Freude, butterweich und zum Genießen. Normalerweise ist ab dieser Wegstrecke für die Amis Schluss, sprich die erste Tagesetappe erreicht. Bei uns zeigte die Uhr aber erst Mittagszeit. Und so ging es nach kurzer Pause weiter durch die eigentliche Royalschlucht, welche mit spektakulären Rutschen und Wasserfällen bespickt ist. Den letzten auffallenden Abschnitt markiert der dritte Wasserfall Scott’s Drop, der mit seinen schwarzschimmernden Felswänden eine gigantische Abbruchlinie bildet. Mein Vater »nagelte« auch diesen Fall nach kurzer Besichtigung als erster (insgesamt 30 Höhenmeter – 12  
und 18 Meter). Der jüngste Lämmler folgte dem Beispiel und bewies einmal mehr, dass die großen Brocken für ihn bestimmt sind, so wie es bislang nur dem »Vater der Royal Schlucht« Chris Korbulic (DER aktuelle Kajak-Crack in den Staaten) vorbehalten war.

Ein Paradies für Stürzer: Die Royal Gorge.
Foto: Familie Lämmler

Als letzter der vier grossen Wasserfälle war der schönste und höchste an der Reihe: der Wabena-Fall (21 Meter). Um dem wilden Tagesritt ein rasches Ende zu setzen, stürzten Felix und ich diesen Fall ohne das obligatorische Scouten runter: Wir verließen uns ganz auf die Zeichen-Angaben von Sven. Noch einmal galt es die Einfahrt zu treffen und ein letztes Mal fliegen, fliegen, fliegen und genießen …

Unten schockten wir uns selbst mit einem kurzen Blick auf die Uhr: sechs Stunden - ohne jegliche Materialschäden, Schwimmer und Blessuren. Bis heute ist diese Schlucht noch nie durchgehend von allen Teilnehmern einer Gruppe mit allen vier Wasserfällen an einem einzigen Tag befahren worden, was die Qualität der Befahrung unterstreicht - und uns auch ein wenig stolz macht.


Unseren Shuttle haben wir sodann am Ausgang der Schlucht getroffen. Dylan Nichols brachte unsere Schlafsäcke und Würste zum Braten. Am Folgetag sind wir die Abschnitte Generation Gap und Giant Gap gepaddelt, wo wir die zwei Tage vor uns eingestiegene US-Truppe mit Chris Korbulic bzw. seine Crew überholten. Etwas ungläubig nahmen sie zur Kenntnis, wie der »Swiss-Storm« den Ausstieg der Royal-Gorge als erster erreichte. Es ist Chris hoch anzurechnen, dass er uns zur erfolgreichen Befahrung – und als einer der wenigen Top-Cracks der aktuellen US-Paddelszene – mit den Worten »I’ve never seen such a performance« gratulierte.

Wenn besichtigen, dann im Expresstempo – die Kante ruft.
Foto: Familie Lämmler

KANU: Was macht die Royal Gorge deiner Meinung nach so einzigartig?

Lars Lämmler: Die Royal Gorge ist meiner Meinung nach kaum zu toppen. Kein anderer Creek sägt sich über 14 Meilen in so tiefen und vielfältigen Schluchten durchs Gebirge. Mit Heath Springs (12, 18, drei Meter), Rattlesnake (15 Meter), Scott’s Drop (insgesamt 30 Meter) und Wabena (21 Meter) gilt die Schlucht als Herz der kalifornischen Creeks. Doch nicht nur die hohen Wasserfälle geben diesem Fluss die einzigartige Würze. Die Royal Gorge wechselt ihren Stil und ihre Schwierigkeiten extrem stark, was mich in meiner noch jungen Kanukarriere tief beeindruckt hat. Mit Mank Gorge, White Rock Gorge und Heath Springs Gorge ändert der Fluss laufend seine Eigenschaften. Allerdings hatte ich durch atemloses Stürzen kaum Zeit zum Staunen. Steil ist eben geil!

KANU: Du bist nun volle zwei Wochen mit deinem Bruder Sven und Papa Felix durch die kalifornischen Sierras getourt. Beschreib doch mal einen typischen Urlaubstag.


Lars Lämmler: Unser Urlaubstag begann meistens sehr früh, eine sorgfältige Planung mit GPS und Shuttle gehörte zum Pflichtprogramm! Unser unverzichtbarer Shuttlefahrer und Kalifornienkenner Dylan Nichols holte uns meist schon gegen 6.30 Uhr ab. Doch Felix, Sven und ich wollten in der uns zur Verfügung stehenden Zeit möglichst viele Highlight-Bäche abhaken. Meist ging es über holprige Waldwege zu den Creeks, zeitintensive Wege zu Ein- und Ausstieg bildeten den Regelfall. Am Einstieg wurde nochmals der »Take-out« genau mit Dylan besprochen und das Boot mit Powerbars vollgestopft. Wir wollten die meisten Zwei bis Drei-Tages-Trips an einem einzigen Tag schaffen und damit war ein hohes Tempo auf unbekannten Flüssen Pflicht. An vorderster Front wirbelte die »Lokomotive« Felix. Er führte uns sicher durch kaum einsehbare Schluchtstrecken. Scouten war äußerst selten, doch nur so waren unsere Befahrungszeiten überhaupt möglich. Der uns zugesprochene Name »Swiss-Storm« kommt nicht von ungefähr ;-)

Der »Swiss-Storm« beim seltenen Relaxen.
Foto: Familie Lämmler

KANU: Wie sieht dein Leben in der Schweiz aus? Hast du neben dem Paddeln noch Zeit für andere Dinge?

Lars Lämmler:
Mein Leben in der Schweiz ist eher beschaulich. Bis zum Sommer bin ich aufs Gymnasium gegangen und hatte leider unter der Woche nie Zeit zum Paddeln. Meistens war ich an den Wochenenden unterwegs, meine einzige Möglichkeit, mich mit dem Kajak zu beschäftigen. Obwohl ich sehr gerne im Boot sitze sind der Handballverein und der Kraftraum Orte, die ich viel öfter besuche. Ich trainiere dreimal pro Woche im Handballverein und zweimal im Kraftraum, um vor allem im Handballsport mithalten zu können. Die Schnellkraft mit den Grundlagen der Ausdauer kann ich natürlich auch im Kajak gut gebrauchen. Nebst Schule und Sport genieße ich die verbleibende Zeit mit Freunden und meiner Freundin. Das soziale Leben und die zugehörigen Freundschaften sind für mich sehr wichtig.


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