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Szene

Die Märchenerzähler Hoffmann im Interview

24. Oktober 2012

Sie wurden durch die Fernseh-Dokumentation ihrer Fahrt auf der Donau bekannt. Liebhaber ihres märchenhaften Erzählstils nennen sie auch gern »Gebrüder Hoffmann«. Mit Kanadier, Stift und Kamera bewaffnet, erkunden sie ursprüngliche Gegenden in Deutschland und Skandinavien. Bei der KANU-Leserwahl »Paddler‘s Pick« sahnten sie jüngst den zweiten Platz in der Kategorie »Paddler of the Year« ab. Und was sagen sie dazu?

Lars und Niels Hoffmann: Maximale Unabhängigkeit. | Foto: Archiv Hoffmann

Ihr seid bei beim »Paddler's Pick« auf dem zweiten Platz gelandet, knapp hinter Freya Hoffmeister, die ja gerade um Südamerika paddelt. Welche Tour habt ihr im Köcher, um ihr nächstes Platz 1 streitig zu machen?
Niels: Ehrlich gesagt sind wir über den Vizetitel ganz schön überrascht und bedanken uns bei den Lesern! Um Freya in Sachen Extremtour zu übertrumpfen, müsste man schon einiges in die Waagschale werfen, vielleicht vom Nord- zum Südpol im Seekajak oder etwas in der Art. Wahrscheinlich haben wir sie jetzt damit auf eine Idee gebracht und unsere Pläne verraten ... Nee, im Ernst: Ihre Leistungen haben meine höchste Anerkennung, sie ist ein außergewöhnliche Athletin. Was ihre Touren an Ausdauervermögen abverlangen, kann wohl nur sie selbst bemessen, das kann man als Aussenstehender allenfalls erahnen. Doch mindestens genauso bewundernswert finde ich, dass sie ihre Pläne durchzieht und tatsächlich das tut, wozu sie sich berufen fühlt. Und das ist ja in gewisser Weise das Grundmerkmal eines Abenteurers oder einer Abenteurerin. Darin ähneln wir uns vielleicht. Unsere Reisen sind aber nicht so sehr auf Rekorde ausgelegt, es geht uns vielmehr um die Erlebnisse auf unseren kleinen Expeditionen. Davon berichten wir dann ein wenig, was den Leuten ganz gut zu gefallen scheint – welch großes Glück!

Hoffmanns letzter Streich: Nordschweden im August 2012.

Und wo wart ihr jüngst paddeln?
Niels: Wir sind gerade von einer herrlichen Tour aus Nordschweden zurückgekommen. Es war traumhaft, mit Frostnächten im August und jeder Menge Rückenwind. Kameras und Notizblock hatten wir auch wieder mit dabei, es folgt also bald ein Beitrag dazu im Kanu-Magazin.

Seht ihr euch als Paddler mit Outdooraffinität, oder seid ihr Outdoorer, die auch mal zum Paddel greifen?
Lars: Eher letzteres, wir fahren ja auch oft Ski und wandern viel, ich habe in den letzten Wintern auch viele lange Touren mit dem Hundeschlitten unternommen.
Niels: Wobei die Art der Fortbewegung sich natürlich ganz entscheidend auf das Erleben auswirkt. Ein Freund von mir hat einmal Seekajakfahren mit Skitourengehen verglichen und viele Parallelen festgestellt. Und das stimmt auch. Das Touren mit dem Kanu ermöglicht maximale Unabhängigkeit von anfälliger Technik oder Infrastruktur. Näher kann man den Elementen nicht kommen, genau wie bei einer Skitour mit Gepäckschlitten. Und es hat natürlich etwas Magisches, manchmal ist man ganz weit draußen und fühlt sich dennoch völlig geborgen. Maximale Unabhängigkeit – maximale Freiheit.  

Wer wie ihr in Mecklenburg aufwächst, wird zwangsläufig Paddler, oder?
Niels: Nein, nicht unbedingt. Im Bereich des Leistungssportes gibt es hier tatsächlich viele Topathleten und Vereine. Abseits davon scheint es aber wesentlich weniger Paddelenthusiasten zu geben als man vermuten würde. Wir drehen unsere Trainingsrunden meist allein, aber das hat auch was.

Was hat sich in eurer Heimat die letzten zehn Jahre aus Paddlersicht verändert?

Lars: In den Sommermonaten ist auf vielen Seen doch jede Menge los, in Kombination mit den Hausbooten und Flößen wird es an einigen Stellen schon recht eng, der Tourismus hat sich in der Region als wesentliches wirtschaftliches Standbein etabliert. Doch die Saison ist kurz und der Hauptumsatz muss in wenigen Wochen eingefahren werden, das bringt natürlich nicht nur Vorteile mit sich. Von Mitte September bis Mai hat sich hingegen nicht viel geändert, dann hat man die Gegend fast für sich allein.

Mecklenburg: das Heimatrevier der Brüder. | Foto: Archiv Hoffmann

Kajak oder Kanadier?
Lars: Ganz klar Kanadier, leicht und schnittig muss er jedoch sein und Zelt, Klamotten, Equipment, Fotoausrüstung und Hund müssen Platz finden. Außerdem muss alles unkompliziert bleiben: Schwimmweste an, Paddel in die Hand und los geht's. Dem Kanadier hängt ja in Deutschland immer so etwas »Winnetouhaftes« an, dabei ist der in seinen Filmen echt miserabel gepaddelt.  
Niels: Kanadier, auf Solotouren auch gerne mal ein Kajak. Faszinierend finde ich ja beides. Und ich lerne dabei nie aus, ich arbeite immer noch an meinem perfekten Vorwärtspaddelschlag...  

Die Vermarktung eurer Touren ist hochprofessionell, sowohl Text und Bilder liegen weit über dem Durchschnitt dessen, was uns sonst so auf dem Redaktionsschreibtisch flattert. Wo habt ihr das gelernt?
Niels:  Das Schreiben und  Fotografieren ist ein essentieller Teil unserer Abenteuer geworden, wir nehmen die Dinge anders wahr, unterhalten uns darüber und das führt wieder zu neuen Eindrücken und Erkenntnissen. Auch wenn es wie eine Floskel klingen mag: Wir sind selbst unsere größten Kritiker und stellen hohe Ansprüche an unser Tun. Am Anfang steht immer die Neugierde und die Lust, etwas auzuprobieren, und dann muss es gut werden, sonst muss man nicht so viel Energie in die ganze Sache stecken. Also wühlen wir uns sich so richtig tief in die Materie und legen los. Und irgendwie entsteht dann dabei etwas Neues, etwas Schönes. Von daher ist es wie mit dem Vorwärtsschlag: Wir lernen immer noch dazu.

Das neue Buch mit Fotografien von Lars. | Foto: Archiv Hoffmann

Wie finanziert sich der selbstständige Abenteuerreporter von heute?
Niels: Der Verkauf von Artikeln ans Kanu-Magazin reicht tatsächlich nicht ganz zum Überleben. Wir arbeiten an Büchern und Ausstellungen und produzieren auch Geschichten für andere Magazine und Formate, manchmal ganze Imagekampagnen. Hätte ich eine Visitenkarte, würde unter meinem Namen wohl »Autor, Gestalter & Reisender« stehen, das trifft es ganz gut, denke ich. Und damit bestreite ich meinen Lebensunterhalt, was erstaunlicherweise sogar funktioniert.

Eine Frage, nach der jeder Fotoamateuer giert: womit fotografierst du, Lars?

Lars: Momentan mit einer Canon EOS 5 D Mark II, sowie einer Canon 1 D Mark IV als Backup und wenn Schnelligkeit gefragt ist. Canon-Objektive von 16 mm bis 300 mmm Brennweite, Lichtstärke 2.8 oder höher. 1.4-fach- und 2.0-fach-Konverter für den Notfall. Carbonstative von Gitzo, UV und Polfilter von B&W, Verlaufsfilter von Lee. Geblitzt wird meist mit dem Ranger Quadra System von Elinchrom, Reflektoren und Diffuser kommen von California Sunbounce. Das Ganze ist wasserdicht in Peli Cases und Seal Line Packs verstaut.

Welche drei Tipps für bessere Paddelfotos, die jeder leicht umsetzen kann, habt ihr für unsere Leser?

Lars: Wichtig ist, die Ideen vorher zu entwickeln: Wie könnte ein Bild aussehen? Dann auf gutes Licht warten, auch wenn es lange dauert. Außerdem sollte man auf künstlich dramatisierende Effekte besser verzichten und stattdessen versuchen, eine Stimmung einzufangen.

Foto: Archiv Hoffmann

 

Und, ist eure Rente sicher?
Niels: Nein, ist sie natürlich nicht. Das Leben ist da wie eine Tour: Man sollte über Sicherheit nachdenken, sie darf aber nicht zum beherrschenden Thema werden. Gesundheit und gute Freunde zählen – und gute Ideen. Klingt ziemlich altklug, oder? Dabei zahlen wir beide sogar über die Künstlersozialkasse in die Rentenkasse ein, auch wenn wir nicht glauben, je etwas Nennenswertes daraus zu erhalten.

Wo seht ihr euch in zwanzig Jahren?

Niels: Dann bin ich Mitte Fünfzig und mache bestimmt etwas ganz anderes, vor zwanzig Jahren habe ich ja auch etwas ganz anderes gemacht, wäre also logisch. Ich interessiere mich für das Weltall und die bemannte Raumfahrt, vielleicht wird es ja noch etwas mit einem echten Raumflug. Bei einer Expedition zum Mars wäre ich mit dabei, das ist für mich das nächste große Abenteuer der Menschheit. Vielleicht gibt es ja doch Wasser auf dem Mars, in unterirdischen Höhlen, wer weiß? Dann wäre ich der erste Paddler dort. Noch vor Freya! Und dann würde ich ganz sicher Paddler des Jahres 2042 werden, oder?
Lars: Soweit schaue ich eigentlich nicht voraus. Es gibt da noch viele interessante Ideen für verschiedenste Projekte. Ich werde mit Sicherheit immer noch reisen und soviel wie möglich draußen sein. Vielleicht habe ich dann ja eine Blockhütte im Alaskanischen Busch und viele Hunde. Im selbst geschnitzten Schaukelstuhl werde ich dann Niels Marsabenteuer live über meine Videobrille verfolgen, über dem Feuer brodelt der Kochkaffe und aus den Lautsprechern der solarbetriebenen Stereoanlage röhrt die neueste Motörhead – natürlich von Vinyl!


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