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Szene

Paddeln extrem: Ben Marr im Interview

21. September 2012

Ben Marr, Extrem-Wildwasserfahrer und einer der besten »Big Wave Boater« der Welt, nahm an der Inga-Expedition in der Demokratischen Republik Kongo teil, in der die Crew unter Steve Fisher die berüchtigten Inga-Rapids des Congo Rivers befuhr. Bei der diesjährigen Euroean Outtdoor Film Tour (E.O.F.T) wird nun auch ein Film über ihn zu sehen sein: »The Shapeshifter«, in dem er sich eine Warnfackel aufs Heck bindet und nachts in einer Riesenwelle in Quebec surft. Benny war auch bei der diesjährigen PADDLEexpo zu Gast. KANU hat die Gelegenheit am Schopf gepackt, ihn einmal über seine Erfahrungen in puncto Paddeln auszufragen.

Wilwasser, Freestyle und Expeditionen–Ben Marr kann und mag alles.
Foto: Archiv Ben Marr

Wildwasser, Freestyle, Expeditionspaddeln, alles kein Problem für dich. Was macht dir am meisten Spaß und was macht für dich jeweils den Reiz aus?
Ich mag alles, aber am besten finde ich große und lange Stromschnellen, besonders wenn sich darin eine große Welle findet und mein Freestyle-Kajak nicht zu weit entfernt ist. Am Freestyle gefällt mir am besten, dass ich jeden Tag dafür Zeit finden kann. Expeditionen sind toll, weil ich dadurch unberührte Plätze, Flüsse und Landschaften zu sehen bekomme und am Paddeln generell reizt mich einfach die Möglichkeit, durch viel Training immer besser zu werden. Eine Stromschnelle oder einen Wasserfall beispielsweise besser oder eleganter befahren zu können als zuvor, bei einem Trick höher zu springen oder sogar einen neuen zu entwickeln, das ist, was mich immer wieder ins Kajak und aufs Wasser zieht.

Wie lange paddelst du schon und wie kamst du dazu?

Schon als ich zwei Jahre alt war, nahm mich meine Familie mit auf Kanutour, irgendwann sind wir dann auch aufs Wildwasser gegangen. Ich saß das erste Mal mit neun Jahren in einem Kajak und kurz darauf kauften mir meine Eltern ein eigenes, was ich auf unseren Campingtrips benutzte. Früher bin ich nur im Sommer paddeln gewesen, später, als ich am Ottawa River wohnte, war ich wirklich den ganzen Sommer auf dem Fluss. Inzwischen habe ich beschlossen, alles dem Kajakfahren zu widmen, um so oft wie möglich aufs Wasser zu kommen und kann auf siebzehn Jahre Wildwassererfahrung zurückblicken.

Wie oft bist du auf einem Fluss unterwegs und gehst paddeln?
Wirklich so oft es geht. Am besten finde ich es, nah an einem Fluss zu wohnen und immer wenn ich möchte paddeln zu gehen, ohne Ablenkungen oder Verpflichtungen.

Und die Welt steht Kopf.
Foto: Archiv Ben Marr

Wie groß ist dein Respekt vor einem Fluss wie dem Congo River? Bist du dich des Risikos die ganze Zeit vollauf bewusst oder inzwischen leicht abgehärtet?
Jeder Fluss, ob groß oder klein, verlangt Respekt und es ist wichtig nie ein gewisses Maß davon zu verlieren. Auf dem Congo war es, als würde ich sechzehn Wuchtwasserflüsse auf einmal befahren, ich habe so etwas noch nie zuvor erlebt. Vom Helikopter und Ufer aus sich einen Überblick zu verschaffen, fühlte sich gut an und wir wussten dadurch was uns bevorstehen würde. Auf dem Fluss war aber alles anders und unberechenbar. Es war sehr schwer auf meiner gewählten Route zu bleiben. Machmal musste ich einfach die Stromschnellen flussab ausblenden, um mich voll auf das Jetzt und Hier konzentrieren zu können. Jeder Tag brachte neue und gefährliche Stromschnellen, jeder Fehler hätte Folgen gehabt. Jetzt weiß ich wie es ist, etwas einzustecken und Rückschläge zu erleiden.

Was hast du mitten auf dem Fluss gefühlt, ohne wirklich exakt zu wissen, was vor dir liegt?
Jeweils am Tag davor sind wir einige Male mit dem Hubschrauber über den zu paddelnden Abschnitt geflogen. So hatten wir eine gewisse Vorstellung von den Hindernissen flussab und wussten ungefähr, was uns erwarten würde. Wir haben die Stromschnellen in kleinere, machbare Stücke eingeteilt, sind einen Abschnitt gepaddelt oder traversiert, haben uns dann gesammelt und den nächsten Teil besprochen und geplant. Während ich mich in den Stromschnellen befand, habe ich mich ganz aufs Paddeln und auf die Gruppe um mich konzentriert. Um schnell bei Problemen helfen zu können, war es wichtig zu wissen, wo sich jeder von uns befand und mit was er gerade zu kämpfen hatte.

Was hast du von der Expedition mitgenommen?
Erst einmal wundervolle Erinnerungen und eine extreme Teamleistung. Außerdem brachte uns ein Mann Souvenirs und Bilder zum Haus im Inga-Dorf. Anschließend sind wir nach Kinshasa auf einen Markt gefahren, wo ich einiges für mich und meine Lieben daheim gekauft habe. Steve fand dort richtig alte Sportmedaillen und hat für jeden von uns eine gekauft, das war wirklich cool.

»Als die Fackel ausging war alles kohlrabenschwarz«
Foto: Archiv Ben Marr

Zurück zum Film »Shapeshifter«: Wie sieht es in Quebec mit Paddeln und Freestyle aus?
Quebec ist einer meiner Lieblingsspots zum Paddeln, es ist nicht weit von mir daheim entfernt und vollgepackt mit wuchtigem Wildwasser, was mir zum Freestyle fahren einfach am besten gefällt. Ich paddel dort schon seit einigen Jahren, ich war auch schon öfters auf »Black Mass«. Dieses Jahr haben wir aber besonders günstige Bedingungen erwischt, das war fantastisch.

Wie orientierst du dich in großen Wellen, wie hast du es nachts gemacht, viel Sicht hattest du ja nicht?
Beim Surfen einer großen Welle ist es wichtig, locker zu bleiben und die vielen unvorhersehbaren Stöße und Wasserbewegungen abzufedern. Je mehr du surfst, desto mehr kannst du intuitiv auf die sich verändernde Welle reagieren. Klar ist das tagsüber leichter, aber ich konnte auch nachts surfen, indem ich mich auf meine Instinkte und Erfahrungen mit genau dieser Welle verlassen habe. Sobald die Fackel entzündet war, hatten wir maximal eine Minute Zeit. Ich bin dann so schnell wie möglich vom Ufer in die Welle zum Surfen. In der Zeit konnte ich ein wenig sehen, aber als die Fackel ausging war alles kohlrabenschwarz. Hinter der ersten Welle sind zwei weitere diagonal aueinanderprallende Wellen und dahinter ein großer Wirbel. Es war nicht wirklich beängstigend, aber trotzdem ein merkwürdiges Gefühl, um diese Zeit zu paddeln ...

Wer kam auf die Idee die Stromschnelle nachts zu befahren und wie entstand die Idee mit der Fackel?
Die Idee hatte Thatcher Beans, der Regieassistent. Er hat sich von der Aktion eines Surfers inspirieren lassen, der fast genau das Gleiche gemacht hat und nachts mit Fackeln auf seinem Board gesurft ist. Es hat einige Zeit gedauert und wir brauchten viel Ausdauer, um die richtigen Fackeln zu finden und sie zu uns ins nördliche Quebec zu schaffen.

Was spornt dich an immer weiter zu gehen? Was ist dein nächstes Ziel?
Meine Liebe zum Wildwasser! Ich liebe Kajakfahren, ich liebe die Menschen, die ich dabei treffe und die unglaublichen Plätze, an die es mich führt. Ich werde weiter paddeln, solange ich kann. Als nächstes steht ein Trip nach Mexiko an, außerdem geht es im Dezember nach Chile zum Whitewater Grand Prix.

Wer nicht aufs EOFT warten kann, um sich »The Shapeshifter« anzuschauen, hier ist der Film zu finden.

Und hier ist der Trailer des »Grand Inga Projects«:


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