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V.I.P. Interview mit Corran Addison

11. August 2011 von Manuel Arnu

Der Avantgardist der Kajakszene polarisierte jahrelang wie kein Zweiter. Nun hat Corran Addison dem Kajak abgeschworen und die Konfession gewechselt. Sein neues Glaubensbekenntnis heißt Stand-Up-Paddling.

Corran damals: bei der Befahrung der Looking Glass Falls, verkleidet als Batman.
Foto: Archiv Addison

Drei Gründe, warum ein Paddler SUP ausprobieren sollte?

Es macht Spaß, es macht Spaß und es macht wirklich Spaß! Kein Witz. Und die aufrechte Position wirkt befreiend. Man fühlt sich groß und frei auf dem Brett, im Gegensatz zu der verkrampften Sitzposition im Kajak. Im Stehen sieht man weiter und auch tiefer ins Wasser hinein. Der Körpe­r ist in einer neutralen Position, man ist wenige­r verspannt, und gleichzeitig ist es ein bessere­s Ganzkörpertraining als Kajakfahren. Aber der entscheidende Punkt ist das Gefühl, im Stehen übers Wasser zu gleiten.


Ist SUP'en schwierig?


Es ist kinderleicht. Die Boards sind so kippsicher konzipiert, dass praktisch jeder innerhalb von fünf Minuten zum Experten werden kann. Die Spezialdisziplinen wie Surfen, Wildwasser oder Rennsport sind natürlich schwerer zu erlernen, aber die meisten Leute wollen ohnehin nur raus in die Natur und aufs Wasser.


Was braucht es für einen schnellen Start?

Es gibt eine riesige Bandbreite an unterschiedlichsten Ausführungen und natürlich auch Preisen. Zunächst muss man wissen, was man mit dem SUP machen möchte. Rennen fahren? Training? Freizeitspaß? Wildwasser oder Surfen? Wenn man die Entscheidung getroffen hat, ist es einfach. Das richtige Brett kaufen, ein Paddel, eine Schwimmweste und los geht’s. Um auf Flüssen und Zahmwasser zu paddeln, braucht man nicht einmal einen Kurs. Wenn man allerdings surfen, aufs offene Meer oder aufs Wildwasser möchte, dann ist es ratsam, von einem Profi zu lernen.


Wohin gehört ein SUP? Aufs Meer, auf Seen oder Flüsse?


SUP hat auf den Wellen Hawaiis seinen Ursprung, trotzdem ist das SUP-Surfen nur sehr klein im Vergleich zum Freizeit- und Rennsport. Ein SUP kann man überall paddeln, wo es Wasser gibt. Deshalb boomt der Sport auch so. Egal ob Angeln, ein­e kleine Tour, Training, Rennen fahren oder mit den Kindern am Baggerteich den Tag genießen – das SUP ist überall zu Hause. Die attrak­tivst­e Seite des SUP ist natürlich das Surfen in meterhohen Brandungswellen. Das sind die Bilder, die wir sehen, und die Geschichten, über die wir reden wollen. Aber beides repräsentiert nur eine Minderheit im Vergleich zum Freizeitvergnügen.


Corran heute: in der Brandung von Hawaii.
Foto: Archiv Addison

Ist SUP Paddeln oder Surfen?
Weder noch. Es ist beides zusammen. Es ist Surfe­n, wenn du auf einer Welle reitest, und es ist Paddeln überall dort, wo auch Kajaks zu Haus­e sind.


J-Schlag oder Switchen?

Ich bevorzuge beim Wildwasserpaddeln und Surfe­n den J-Schlag, dort switche ich niemals. Aber wenn ich Strecke mache, beim Rennen oder zum Trainieren, dann wechsle ich die Schlag­seite, denn der J-Schlag ist weniger effektiv und die Schlagseite ermüdet schneller.


Beim Surfen gibt es nur dich, die Welle, und das Board. Kajakfahren wird von deutlich mehr Faktoren bestimmt.

Ich mag die Ungebundenheit von SUP-Boards. Es ist ein viel »leichterer« Sport und das ist sicher auch Bestandteil der großen Attraktion des SUP-Paddelns. Man fühlt sich auf einem SUP nicht wie ein kampfbereiter Gladiator, sondern wie ein echter Surfer.


SUP im Wildwasser ist ungleich schwieriger als Kajakfahren im Wildwasser. Warum muss man sich die Sache so schwer machen?

Wildwasser ist mit einem SUP-Board erheblich schwerer, das stimmt. Aber deshalb nicht Wildwasser paddeln? Es ist auch schwieriger, Saxofon zu lernen als Flöte – aber deshalb nie Saxofon spielen? Nur der Fokus ist anders. In einem Kajak war es mein Ziel, erfolgreich WW V und VI zu paddeln. Mit dem SUP ist mein Ziel WW IV. Es ist dieselbe Herausforderung, aber ohne große Gefahren. Wer kann sich noch daran erinnern, wie viel Spaß es gemacht hat, Kajakfahren zu lernen? Fortschritte machen, experimentieren, Erfolge feiern: SUP lässt mich bekannte Flüsse wieder ganz neu genießen und so scheint es jedem zu gehen, der SUP auf Wildwasser ausprobiert.


Drei Tipps, die SUP'en einfacher machen?


Erstens: Wenn du das erste Mal auf einem SUP stehst, fixiere den Horizont und nicht den Bug des Boards. Das hilft bei der Balance.
Zweitens: Das Becken bleibt immer zentriert zwische­n den Füßen, die Knie leicht gebeugt.
Drittens: Beim Paddeln das ganze Paddelblatt ins Wasser tauchen. Die meisten »pitschen« nur ins Wasser, weil sie fürchten, dem Wasser oder dem Paddel wehzutun. Das Blatt ganz eintauchen, den Horizont fixieren und durchziehen …


WW V im Stehen? Corran lotet auch beim SUP stetig die Grenzen des Machbaren aus.
Foto: Archiv Addison

Du warst fast 35 Jahre im Kajak, jetzt stehst du fast nur noch auf dem Board, warum?

Es ist eine Kombination von Gründen. Ich bevorzuge das Gefühl, im Stehen zu surfen und nicht im Sitzen. Man hat mehr Kraft, mehr Hebel und man kann in einer Welle letztlich mehr mit einem Board machen als mit einem Kajak. Allerdings habe ich immer den Aspekt des Befahrens eines Flusses vermisst – die sich stets verändernde Landschaft beim Paddeln. Das hat mich immer mit dem Kajakfahren verbunden. Seit dem Augenblick, als ich das erste Mal mit einem SUP einen Fluss gepaddelt bin, habe ich mit dem Kajakfahren aufgehört. Jetzt habe ich das ungebundene Gefühl des Stehens zusammen mit dem Flusspaddeln – ein großartiger Kompromiss.


Drei Meilensteine deiner Kajakkarriere?

Ohne Zweifel die Teilnahme im Kanuslalom bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona, ein großartiges Erlebnis. Zwei silberne und eine Bronzemedaille bei Freestyle-Weltmeisterschaften. Und schließlich die Erfindung des Flach­bodens für Wildwasserkajaks.


Drei Jahrzehnte Paddeln am Limit – was nimmst du mit in dein Surferleben?


Surfen ist ungleich sicherer als Paddeln, selbst auf extremem Level. Da gibt es wirklich keinen Vergleich. Von einer Zehn-Meter-Welle auf­gemischt zu werden, ist nicht annähernd so schlimm wie die übelsten Aufmischer beim
Paddeln. Kajakfahren hat mich viel über meinen eigenen Körper gelehrt, wie man Kraft und Eleganz kombinieren kann, und es half mir schnell, ein guter Surfer zu werden.


Was hast du beim Paddeln am meisten geliebt?

Ganz ehrlich? Die Bindung zwischen Freunden. Beim Paddeln ist es genauso wichtig, mit wem man paddelt, wie welche Flüsse und Schwierigkeiten man aussucht.


Dein größter Erfolg als Kajakdesigner?

Der Riot Disco, ohne Frage. Er revolutionierte die gesamte Sportart. 100 Prozent der heutigen Freestyle-Kajaks sind ein Ableger des Disco-Konzepts. Die Kajaks sind natürlich alle besser, als es der Disco jemals war, aber sie tragen alle die Gene des Disco­s in sich.


Dein schwerwiegendster Fehler beim Paddeln?


Ich habe geglaubt, unbesiegbar zu sein. Aber die Befahrung eines Wasserfalls bracht­e mich mit gebrochenem
Rücken in ein Krankenhaus und die Ärzte sagten mir, ich werde nie mehr laufen können. Ich war 20 Jahr­e alt! Ich hatte ziemliches Glück, und es war mir eine große Lehre für den Rest meiner Paddelkarriere.


Zurück zu den Wurzeln: SUP in Südafrika.
Foto: Archiv Addison

Back to Business. Was ist das Besondere an Imagine Surfboards?

Wir haben die Brücke zwischen Surfen und Paddeln geschlagen. Wir waren die erste Firma, die PE-SUPs wie Kajaks hergestellt hat. Aber wir haben nie unsere Wurzeln verraten. Wir bauen mit die besten Surf- und Racedesigns und sind für diese
Bretter auch besser bekannt als für unsere PE-Boards, auch wenn auf 100 verkaufte Plastik-SUPs nur ein Epoxymodell kommt.


Welche Unterschiede gibt es bei SUP-Boards?

Die Boards unterscheiden sich in Design und Material, ähnlich wie Kajaks. Genauso wie es Slalom-, Wander-, Wildwasser- und Seekajaks gibt, findet man die Differenzierungen bei SUP-Boards, ebenso die Vielfalt an Baumaterialien und Fertigungstechniken. Weil SUP-Hersteller aus der Geschichte der Kajaks lernen konnten, schafften wir in drei Jahren das, wofür die Kajakindustrie fast 30 Jahre gebraucht hat.


Wohin geht die Reise beim SUP-Paddeln?

Das bin ich schon oft gefragt worden, aber es ist noch zu früh für eine Antwort. Wir stehen gerad­e am Beginn der SUP-Evolution und wer weiß schon, wohin dies führt? Das ist, als hätte man die Gebrüder Wright nach der Zukunft der Luftfahrt gefragt. Hätten sie Passagierflugzeuge und die Raumfahrt voraussagen können?


Ist SUP Boom oder Seifenblase?

Wenn es nur eine Seifenblase ist, fresse ich einen Besen. SUP scheint momentan der am schnellsten wachsende Wassersport zu sein. Punkt!


Was denken wahre Surfer über SUP?

Arthur Schopenhauer sagte: »Alle Wahrheit durchläuft drei Stufen. Zuerst wird sie lächerlich gemacht oder verzerrt. Dann wird sie bekämpft. Und schließlich wird sie als selbstverständlich angenommen.« SUP befindet sich momentan irgend­wo zwischen Stufe zwei und drei …

Über Corran Addison:

Weiß sich zu vermarkten: Corran Addison.
Foto: Archiv Addison

Der Südafrikaner Corran Addison baute mit dem Savage Fury das erste Flachbodenkajak, gründete die Kajakwerft Riot und fuhr über ein Jahrzehnt in der Weltspitze, sei es Freestyle oder Extrem-Wildwasser. Vor einigen Jahren entdeckte er das Flusssurfen und gründete die Boardcompany Imagine Eco, die umweltfreundliche Surfbretter herstellt.   


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