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Szene

V.I.P. Rolf Renner – wider den Amtsschimmel

19. August 2011 von Christoph Scheuermann

Wenn es brennt, ist er zur Stelle. Rolf Renner ficht seit 20 Jahren im Konflikt mit Fischern, Naturschützern und Behörden für die Belange der Paddler, zuletzt als Ressortleiter für Umwelt und Gewässer beim BKV. Vielen gilt er immer noch als oberster Hüter der freien Fahrt auf bayerischen Flüssen.

Rolf Renner (73), Betriebswirt im Ruhestand, aktiver Paddlervertreter.
Foto: Salome Fritz

KANU: Rolf, wenn einem Fluss in Bayern die Sperrung droht, taucht meist wenig später dein Name auf. Bist du Paddellobbyist?

Rolf Renner: Zwar mag ich das Wort Lobbyismus nicht, trotzdem ist mein Engagement für Kanusport und Gewässer gegenüber Behörden und Naturschutzverbänden Lobbyismus in Reinform.

KANU: Seit 1978 setzt du dich in verschiedenen Ämtern im Bayerischen Kanuverband (BKV) für die Kanufahrer ein, dazu blickst du mit deinen 73 Lebensjahren auf ein erfülltes Familien- und Berufsleben zurück. Was treibt dich an?

Rolf Renner: Schwierige Frage. Zum einen brauche ich eine sinnvolle Tätigkeit auch im Ruhestand, zum anderen möchte ich etwas bewegen. Ohne ehrenamtliche Tätigkeit läuft in unserer Gesellschaft nichts und mit einer Aufgabe ist man Teil dieser Gesellschaft, in meinem Falle eben die der Kanusportler und des Bayerischen Kanuverbandes.

KANU: Am 6. August feiert München den offiziellen Abschluss der Renaturierungsmaßnahmen an der Isar. Als Koordinator der Isar-Allianz hast du maßgeblichen Anteil daran, dass die Interessen der Paddler beim größten urbanen Flussbauprojekt Deutschlands nicht unter den Tisch fallen. Was ist die Isar-Allianz und was habt ihr bewirkt?

Rolf Renner: Die Isar-Allianz ist ein Zusammenschluss von Naturschutz- und Naturnutzverbänden mit dem Ziel, die Isar möglichst in einen ökologischen bzw. naturnahen Zustand zurückzuführen. Die Isar-Allianz hat insbesondere, als die Behörden noch zauderten, die Renaturierungsprojekte angeschoben. Zwischen Icking und Baierbrunn ist im Süden Münchens so eine völlig neue Flusslandschaft entstanden und sollte es gelingen, das innerstädtische Paddelverbot aufzuheben, dann hätte auch der Kanusport einen direkten Vorteil durch den Isarplan. Noch aber kämpfen wir in München für die freie Befahrung der Floßgasse an der Marienklause.

KANU: Ein Beispiel aus der jüngsten Zeit, bei dem der BKV für freie Fahrt sorgte, ist die Aufhebung der Alz-Sperrung. An der Isar bei Mittenwald ist dank der Entfernung lebensgefährlicher Wehre auf zwölf Kilometern eine durchgehend fahrbare Wildwasserstrecke entstanden. Was waren die größten Erfolge eurer Arbeit?

Rolf Renner: Das war ohne Zweifel die Durchsetzung des »Saulgruber Kompromisses« an der Ammer. Damals wurde eine bereits rechtskräftige Verordnung gekippt und in eine moderate, von allen akzeptierte Regelung umgesetzt, die bis heute – trotz weiterer kritischer Gutachten – Bestand hat. Diese Aktion war der Durchbruch für den BKV im Bemühen, als kompetenter Ansprechpartner bei Behörden und Verbänden anerkannt zu werden. Alle weiteren Anstrengungen für den Erhalt der Gewässer für den Kanusport basieren auf diesem Erfolg.

Beim abendlichen Workout an der Münchner Floßlände.
Foto: Salome Fritz

KANU: Obwohl du im Frühjahr dein Amt als bayerischer Ressortleiter abgegeben hast, kämpfst du bei Nutzungskonflikten wie am Schwarzen Regen oder der Kanu-Demo gegen den Donauausbau an vorderster Front. Was sagt deine Frau zu deinem zeitintensiven Engagement?

Rolf Renner: Glücklicherweise paddelt meine Frau auch und zumindest im Urlaub sind wir immer wieder im Faltboot unterwegs. Trotzdem gibt es immer wieder Diskussionen um mein Engagement, dann fordert sie mit Nachdruck mehr gemeinsame Unternehmungen ein. Ansonsten hält sie mir den Rücken frei, anders wäre das nicht zu schaffen.

KANU: Bleibt bei all dem Einsatz in Amtsstuben und Diskussionsrunden überhaupt noch Zeit zum Selberpaddeln? Wo lässt du dein Boot zu Wasser, um mal abzuschalten zwischen Paragraphen und Expertenkommissionen?

Rolf Renner: Hauptsächlich bin ich auf der Isar unterwegs. Ehrlich gesagt steige ich vor allem dann ins Boot, wenn es etwas Neues zu beobachten gibt, wie kürzlich auf dem Schwarzen Regen, wo um eine Verordnung gekämpft wird, oder auf der Alz, um die neue Beschilderung in Augenschein zu nehmen. Ein Höhepunkt war die Befahrung der Isar in Mittenwald im neu gestalteten Flussbett ohne jegliche Umtragestelle.

KANU: Du bist auch vor fünf Jahrzehnten schon im Boot gesessen. Hast du noch die goldenen Zeiten von Rittlinger und Co. miterlebt?

Rolf Renner: Leider habe ich Herbert Rittlinger nie kennengelernt, obwohl er zeitweise in meinem Verein, dem Club Münchner Kajakfahrer, Mitglied war. Aber die Flüsse, die er im »Baldverlorenen Paradies« beschrieben hat, habe ich noch kennen gelernt: die Drau, die Enns und die Steirische Salza. Ich kenne noch den »Weiberlauf« und den »Salzarechen«. »Die Neue Schule des Kanusports« war mein Lehrbuch, aus dem ich mein Wissen schöpfte.

KANU: Du kommst aus dem Kanuwandersport, warst aber auch im schweren Wildwasser unterwegs. Hast du im Kajak auch Leistungssport betrieben?


Rolf Renner: Am Neckar, wo ich die ersten Paddelschläge im Faltboot machte, stieg ich sehr bald in das Rennkajak um. Später nutzte ich dann meine Kondition in Wildwasserrennen aus, parallel stieg ich auch in den Slalom ein, dem ich – mit Unterbrechungen – bis in die Altersklasse treu blieb.

KANU: Beim Kanuslalom im Münchner Floßkanal zirkeln die Sportler jedes Jahr um die »Rennerwalze«. Was hat es damit auf sich?

Rolf Renner: Im Floßkanal werden alljährlich Hindernisse zum Kanuslalom eingebaut, die das Baureferat nach meinen Skizzen in den Achtzigerjahren angefertigt hat. Eines dieser Hindernisse ist eine 60 Zentimeter hohe Stufe, die eine kräftige Walze erzeugt. Bei den Wettkämpfen erwies sich die Stelle als echter Zuschauermagnet, weshalb die Süddeutsche Zeitung titelte: »Der Renner war die Rennerwalze.« Und das ist halt bis heute geblieben.

An sportlichen Ruhestand ist noch nicht zu denken.
Foto: Salome Fritz

KANU: Man kann dich also als Vater des wiedererstandenen Münchner Kanuslaloms bezeichnen. Wie haben sich die Herbstevents am Floßkanal mit der Zeit entwickelt?

Rolf Renner: Anfänglich war der Münchner Kanuslalom eine stark besuchte Veranstaltung mit internationaler Beteiligung, er lockte viele Zuschauer an und wurde von der Stadtverwaltung massiv unterstützt. Wir hatten schon Ranglistenrennen und einen C-Slalom (international ausgeschriebener Wettkampf; Anmerkung der Redaktion) ausgerichtet. Heute müssen wir die Hindernisse selbst einbauen, das Interesse am Slalom hat etwas nachgelassen und München hat im Slalom keine Heimmannschaft mehr. In der Zeit nach der Floßfahrt – nur dann können die Hindernisse eingebaut werden – gesellen sich in den letzten Jahren weitere Wettkämpfe zum Slalom hinzu: ein Wildwassersprint und jüngst die Bayerische Meisterschaft im Freestyle.

KANU: Und was hältst du selbst von Kanu-Freestyle? Hast du dich schon mal in einem Kurzboot versucht?

Rolf Renner: Ich habe noch im Bootshaus das »Kurzboot« meines Sohnes liegen, ein Eskimo Diablo. Damit suche ich den Floßkanal heim oder der mich. Freestyle habe ich anfänglich als umweltfreundlich bezeichnet: eine Welle und 20 Meter Fluss, mehr brauchen Rodeopiloten nicht. Leider musste ich feststellen, dass die Fahrweise auf die Wildflüsse übertragen wurde, was die Umweltverträglichkeit eher mit einem Fragezeichen versieht. Gerade Kehrwasser, die beim Spielen im Wildwasser viel frequentiert werden, sind ein wichtiger Ruheort für Fische und andere Flussfauna.

KANU: Auf Münchens Wellen tummeln sich neben den Freestylern auch die Surfer, dazu sorgt sich die Stadt um ungelöste Haftungsfragen. Zwischen all den Fronten versuchst du zu vermitteln. Ein harter Job?

Rolf Renner: Das würde ich in der Tat so bezeichnen. Derzeit kämpfen wir um jeden Kubikmeter Wasser im Floßkanal, wir brauchen das Wasser im Herbst für unsere Wettkämpfe und die Surfer wollen, dass täglich die Welle zum Surfen steht. Das sind unvereinbare Anforderungen, besonders unter der Beachtung regenerativer Energieerzeugung. Die Haftungsfrage möchte ich als eine Geisel des Kanusports bezeichnen. Im Extremfall führt es zu zeitweisen Verboten, wie vor zwei Jahren an der Isar oder vergangenes Jahr an der Alz.

KANU: Zu guter Letzt, was möchtest du den Kanusportlern, gerade auch den nicht im Verein organisierten, mit auf den Weg geben?

Rolf Renner: Auch wenn der Boom der letzten Jahre nachgelassen hat, die Zahl der Bootfahrer wird immer größer. Nur die Flüsse lassen sich nicht vermehren; sie sind also ein knappes Gut. Damit nachhaltig umzugehen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Zukunft des Kanusports. Das gilt besonders auch für den kommerziellen Kanutourismus, der von Touristikern, Gemeinden und Landkreisen massiv unterstützt wird.


Über Rolf Renner:

Rolf Renner (73): Der Betriebswirt im Ruhestand stammt aus dem württembergischen Ludwigsburg und wechselte schließlich vom Necker an die Isar. Nach seiner Zeit als Leistungssportler widmete er sich intensiv dem Ausgleich zwischen Naturnutzung im Kanusport. Sein Engagement im Bayerischen Kanuverband setzte Maßstäbe für die Zusammenarbeit mit Behörden und Naturschutzverbänden.


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