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Szene

KANU goes Olympia

30. Juli 2012

Noch bevor aktuell olympische Medaillen im Lee Valley White Water Centre vergeben werden, lockte die neue Wildwasser­strecke im Norden Londons den Breitenpaddler. Ob sich eine Reise auf die Insel auch für Nicht-Olympioniken lohnt, hat KANU-Redakteur Philip Baues im letzten Herbst getestet.  Eine Geschichte von britischer Genauigkeit, fettige­m Essen, Flutlicht und viel wildem Wasser. Erschienen in KANU 1/2012

Baukastensystem: Dank der variablen Kunststoffhindernisse kann nahezu jedes Wildwasser simuliert werden.| Foto: Michael Neumann

Das Abenteuer Olympiastrecke beginnt mit einem Anpfiff. Als wir endlich im Lee Valley ankommen, ignorieren wir voller Aufregung die – allerdings nur knöchelhohen – Absperrungen und stürmen los, um den Kanal in Augenschein zu nehmen und das tolle Abendlicht für erste Fotos zu nutzen. Darüber sind die Safetyguides am Rand, die gerade den Raftbetrieb überwachen, wahrlich »not amused«. Von allen Seiten werden wir mit bösen Blicken, Ermahnungen und eben schrillen Warnungen aus der Trillerpfeife bedacht, mit der die Guides ob des laut rauschenden Wassers kommunizieren. Eine Weile stellen wir uns dumm und tun so, als sei die Sprach­barriere zu groß, um die Anweisungen zu verstehen. Doch als schließlich der Centermanager auftaucht und mit Platzverweis droht, treten wir fürs Erste den Rückzug an – die Bilder sind ohnehin im Kasten.
Am Abend fällt uns das Einschlafen schwer. Ist es die Aufregung vor dem morgigen Paddeltag? Oder doch eher das Abendessen mit Fish‘n‘Chips, das uns schwer im Magen liegt? Nach einer kurzen Nacht und einer doppelten Portion grober Würstchen am Frühstücksbuffet des Hotels kehren wir am nächsten Morgen zur Strecke zurück – diesmal sind wir gekommen, um zu siegen. Zwar geht es für uns nicht um Bronze, Silber oder Gold, doch wollen wir die Olympiastrecke mit möglichst vielen Fortbewegungs­mitteln bezwingen. Dabei hilft uns Jutta Kai­ser, Ex-Free­style-Weltmeisterin und inzwischen Geschäftsführerin von hf. Seit einigen Jahren lebt Jutta im zweieinhalb Autostunden entfernten Nottingham und heute kommt sie mit einer Wagenladung Spielzeuge zum Lee Valley White Water Centre: Slalom K1, C1 und C2, Wildwasser­kajak, Freestyleboot und ein Stand-up-Board lassen das Paddlerherz hüpfen.
Das Besondere an dieser eigens für die Spiele errichteten Anlage 40 Kilometer nördlich des Londoner Zentrums: Noch bevor im Juli 2012 die Olympioniken beim wichtigsten Wettkampf ihres Lebens um Medaillen kämpfen, darf sich bereits Otto Normalpaddler auf dem Parcours austoben. Bei keiner anderen Olympia-Sportstätte in und um London ist das möglich. Gleich zwei Kurse stehen zur Auswahl: der 160 Meter lange »Legacy Loop«, eine leichte Trainings­strecke, und die Olympia­strecke – 300 Meter lang, fünfeinhalb Meter Gefäll­e und als WW IV klassifiziert.
Und die Faszination Olympia scheint aufzugehen: Obwohl wir überpünktlich schon vor der Öffnungszeit am Center ankommen, müssen wir uns erst einmal in eine Warteschlange einreihen. Paddler und vor allem jede Menge Raftkunden warten darauf, sich ihre Portion Wildwasser abzuholen. Die Stunde im Kajak kostet faire zehn Pfund, dafür muss man sich die Strecke mit den Rafts teilen. Wer‘s exklusiver mag, kann die Anlage gleich komplett mieten. Allerdings fallen allein für den Pumpbetrieb schon 400 Pfund pro Stunde an. Weil das nicht ganz in unser Reisebudget passt, heißt es für uns: ab ins Getümmel!

3 ... 2 ... 1 ... Stop!

Dank komfortablem Laufband entfällt lästiges Tragen.| Foto: Michael Neumann

Doch schon wieder werden wir zurückgepfiffen. Wer hier paddeln will, muss sich zuerst in einem Assessment-Center beweisen. Was muss, das muss. Als­o drehen wir unter den strengen Augen unseres Instructors Mike ein paar Runden auf dem See und der Trainingsstrecke, bevor wir endlich das orangefarbene Leibchen bekommen – unser Ticke­t für den großen Kanal.
Als ich mir die Startnummer überziehe und mich vom Förderband ins Startbecken der Olympiastrecke transportieren lasse, geht der Puls tatsächlich ein bisschen in die Höhe: So muss es sich anfühlen auf der große­n olympischen Bühne! Doch schnell lande ich wieder auf dem Bode­n der Tatsachen – der Kurs hat es in sich. Alle­n heroischen Gefühlen zum Trotz – so virtuo­s wie etwa Olympiasieger Alex Grimm werde ich mich wohl nie zwischen den Slalomstangen bewegen. Aber Spaß macht das Ganze trotzdem. Nach einem ruhigen Start nehmen die Schwierigkeiten schnell zu, Welle­n, Walzen und Abfälle reihen sich aneinander und lassen kaum Zeit zum Verschnaufen. 13.000 Liter Wasse­r pro Sekunde machen ganz schön Druck! Das Gute: Selbst wer kentert und den ein oder anderen Liter schluckt, braucht sich keine Sorgen zu machen – das Wasser wird aufwendig gefiltert und sieht schon mit bloße­m Auge ziemlich »süffig« aus.
Es folgen ausgiebige Testfahrten im Spielboot und im Creeker, die Arme werden länger und länger. Das filigrane SUP-Board wird daher nur auf Flachwasser probiert und die Testfahrten im Kanadier überlasse ich Juttas Mann Joel, der immerhin auf ein aktives Jahrzehnt in der britischen C1-Nationalmannschaft zurückblickt.
Nach einer Mittagspause mit heißem Kaffee und ebenso heißer Dusche verlassen uns Jutta und Joe samt ihrer Bootsflotte. Doch zum Glück kann man im White Water Center auch nagelneue Kajakausrüstung leihen. Und da die Arme wieder kürzer scheinen, will ich schon noch ein paar Runden drehen. Aus ein paar Runden werden durch das bequeme Förderband und den Funfaktor der Strecke allerdings schnell ein paar Stunden – und plötzlich ist die Sonne weg und das Flutlicht an. Das glasklar­e Wasser und das künstliche Licht ergebe­n zusammen eine fast unwirkliche Atmo­sphäre. Mit herkömmlichem Wild­wasserpaddeln hat das hier nicht mehr viel zu tun. Aber was soll‘s – das macht Spaß und hält fit. Kajakfahren 2.0 eben.

Lego für Fortgeschrittene

Achtung Gummikuh: Wer nicht vom schwimmenden Bus überfahren werden mag, sollte die Augen aufhalten.| Foto: Michael Neumann

Slalomtauglich ist der Kanal auf alle Fälle, dafü­r ist er ja schließlich gemacht. Aber wie sieht es mit anderen Disziplinen aus? Am meisten Spaß hatten wir im Riverrunner: Kehrwasserfahren, ein paar Kerzen und vor allem Surfs in einer der schnellen Wellen – so kann man das ganze Potenzial der Strecke ausnutzen. Leider gab es bei unserem Besuch keinen brauchbaren Playspot, was laut Auskunft des Managements aber nur der Olympiavorbereitung der Slalomkanuten geschuldet ist. Dank eines ausgeklügelten Stecksystems können die »Rapid Blocs« fast stufenlos im ganzen Kanal verschoben werden. So bieten sich unendliche Möglichkeiten, den Charakter der Strecke zu verändern und auch eine Spielstelle kann innerhalb einer kurzen Riesenlego-Session gebaut werden.
Die neue Olympiaanlage von London eignet sich perfekt, um auch urbane Wasserratten zum Paddler zu machen. Denn eines ist sicher: So manch ein Raftkunde schaut neidisch auf die Artisten in den kleinen bunten Plastikschüsseln. Schon jetzt tummeln sich nach Feier­abend und am Wochenende erstaunlich viele Kajaks zwischen den Rafts, und auch wenn das Bootsgefühl bei den meisten noch ausbaufähig ist – die Ausrüstung der britischen Paddler und auch die Motivation sind top. Jeder hat ein Grinsen im Gesicht ob der neuen Möglichkeiten vor der Haustür. Doch auch für Paddler vom Festland lohnt sich ein Besuch in London: Wer ein paar Tage Zeit mitbringt, kann die traditionsreiche Metropole erkunden, noch einen Abstecher zum Kanukurs in Nottingham machen, die Gezeitenstromschnelle der Bitches in Wales aufsuchen und sich natürlich im wilden Wasser des Lee Valleys austoben. Denn eines haben die Engländer bewiesen: Kanustrecken bauen können sie – nur am Essen müssen sie noch arbeiten.

Aktuelle Ergebnisse, Berichte und Tipps zu den Olympischen Spielen finden sie unter kanumagazin.de/london2012


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