Springe direkt zu: Hauptnavigation Inhaltsbereich Zusätzliche Informationen und Links Bereichsnavigation Servicenavigation



Inhaltsbereich

Szene

Kajak Klub Rosenheim

11. Juni 2013

Die Geschichte des Kajak Klub Rosenheim ist eng verbunden mit
zwei der traditionsreichsten Bootshersteller Deutschlands: Klepper und Prijon. Die beiden Firmen aus der oberbayerischen Stadt am Inn sorgten durch ihre Popularität für einen steten Strom neuer Mit­glieder und förderten das Vereinsangebot nach Kräften.

Vollgas auch im Winter – die eigene Slalomstrecke am Bootshaus hat sogar Flutlicht.

Die Faltbootwerft Klepper prägte vor allem die Gründung und die ersten Jahrzehnte des Vereins, als sich das Faltbootfahren zum Volkssport entwickelte. Der Inn von Rosenheim bis zu seiner Mündung in die Donau bei Passau war zur Zeit der Vereinsgründung noch eine unverbaute Wasserstraße und Klepper baute für damalige Verhältnisse ein zeitgemäßes Sportgerät. Das Faltboot war günstig, leicht zu transportieren und bediente die Freiheitsgefühle und Natur­sehnsüchte der jungen Menschen in den 20er Jahren perfekt. Rosenheim, an der Schwelle zum ruppigen Gebirge im sanft gewellten Alpen­vorland und direkt im Zentrum der Faltbootproduktion gelegen, wurde rasch zu eine­m Epizentrum dieser jungen Sportart. Am 25. Juni 1925 gründete der Gärtnermeistersohn Franz Kandler zusammen mit 40 begeisterten Wassersportlern den Kajak Klub Rosenheim. In ganz Deutschland entwickelte sich Faltbootfahren zum Massenvergnügen, Wasser­wandern war Breitensport. Bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin wurde Faltbootfahren ins olympische Pro­gram­m aufgenommen. Klepper baute für beide­s die passenden Kajaks: sichere Wanderboote mit großer Zuladung und schnittige, leichte Rennkajaks.

Alpiner Zweikampf

In dieser Zeit entwickelten sich auch die zwei Grundpfeiler der Rosenheimer Vereinspolitik. Zum einen sah sich die Vereinsführung dem Wildwassersport verpflichtet. Die Rennsportler des KKR sammelten in den ersten Jahrzehnten bayerische Meistertitel im Dutzend. Aber genauso wichtig wie sportliche Erfolge war den Vereinsmitgliedern eine multisportive Ausrichtung, geprägt durch die günstige geografische Lage mit Wild- und Wanderflüssen, Voralpenseen und Berggipfeln direkt vor der Haustüre. Ein Zeitungsbericht des Rosenheimer Anzeigers von der Wiedergründungsversammlung des KKR im Juli 1950 – der Verein war zur Hitlerzeit zwangsaufgelöst worden – beschreibt treffend die Mentalität der Rosen­heimer Paddler: » … und noch etwas unterscheidet den Klub wesentlich von anderen gleichartigen Sportgemeinschaften. Die von C.J. Luther, dem bekannten Faltboot- und Sportpionier, ein ganzes Leben lang gepre­digte Synthese zwischen Faltboot und Skisport ist hier eine Tatsache. Die Rosenheimer Paddler sind nämlich auf ihrem wässerigen Element genauso zu Hause wie auf winterlichen Schneehängen zu Führungstouren und Abfahrten. Sture Einseitigkeit ist den Faltbootsportlern ein Gräuel. Ihr Sportjahr beginnt, wenn im Frühjahr die Schmelzwasser zu Tal schießen, mit den ersten Erkundungsfahrten. Im Sommer sitzen sie in ihrem Hadernkahn oder wandern in die Berge, im Herbst steigen sie zu Vereinsausflügen in den Sattel des Fahrrads, und dann ist es auch schon Zeit, die Skier anzuschnallen.« Dieses Credo ist wie in Stein gemeißelt auch noch über ein halbes Jahrhundert später in der heutigen Zeit aktuell und gültig.

Gold für Prijon

Zug zum Zug – schon in den 30er Jahren fuhren die Vereinsmit­glieder beinahe jedes Wochen­-ende zum Paddeln mit der Bahn
in die Berge.

Sportlich beginnt Mitte der 50er Jahre die Blütezeit des KKR. 1955 bringt Siegi Holzbauer aus Tacen in Jugos­lawien die Weltmeistertitel im Slalom-Einzel und in der Mannschaft nach Rosenheim. Vier Jahre später wird Toni Prijon senior Wild­wasser­weltmeister auf der Vézère in Südfrank­reich. Der gelernte Bootsbauer aus Slo­wenie­­n grün­det­e in Rosenheim eine Famili­e und seine eigene Firma, die zunächst Paddel herstellte, später auch Kajaks baute und sich zu einer der bedeutendsten Kajakfirmen der Welt, aber auch zu einem wichtigen Gönne­r des KKR ent­wickelte. Sein Sohn Toni Prijon jr. wurde 1983 Vizewelt­meister im Slalom, sowohl im Einzel als auch in der Mannschaft. 1987 krönte Toni Prijon seine Karriere mit dem Welt­meistertitel in Bourg St. Maurice. Erst 1998 gelan­g es Claudia Brokof erneut, einen Einzel­titel nach Rosenheim zu holen. Brokof erkämpft­e sich auf der Loisach die Gold­medaille in der Wildwasserabfahrt. Über 40 Weltmeister­schaftsmedaillen und mehr als 60 Deutsche Meistertitel krönen die Rosenheimer Vereinsarbeit.

 

Der KKR ist seinen Prinzipien treu geblieben, doch das Vereinsleben hat sich stark gewandelt, ein moderner Verein erfüllt andere Aufgaben als noch zur Faltbootzeit. Früher war ein Verein ein Treffpunkt Gleichgesinnter. Der Verein sorgt­e für die Mobilität seiner Mitglieder, als noch nicht jeder Erwachsene ein eigenes Auto besaß. In den Nachkriegsjahren gab es die »KKR-Transportkolonne«. LKWs der Firma Klepper und des Rosenheimer Anzeigers beförderten die Paddler zu den Gewässern und wieder nach Hause. Der Klub war auch ein Ort der Gesell­igkeit, er diente dem Informations­austausch. Wasserstände und Flussbeschreibungen waren nicht in Sekundenschnelle im Internet abrufbar. Informationen wurden über Mund-zu-Mund-Propaganda weitergetragen. Um am Puls der Zeit zu sein, war es wichtig, aktiv am sozialen Vereinsleben teilzunehmen. »Früher war die Vereinszugehörigkeit noch stärker, heute gibt es Facebook«, schmunzelt Ton­i Prijon jr., aktueller Vorsitzender des KKR. Soziale Netzwerke im Internet ersetzen inzwischen raumübergreifend und schnell viele gemein­nützige Funktionen eines Vereins. Verabredungen zu Paddeltouren, Pegelinformationen, Gefahrenmeldungen sind mit wenigen Mausklicks erledigt, dafür braucht es keinen allwöchentlichen Vereinsabend. Dieser Meinung ist auch Toni Prijon: »Damit sich ein paar Paddler privat zum Kajakfahren treffen, dazu braucht es keinen Verein mehr. Es gibt zwar noch Vereine, die nur Wanderfahrten organisieren und ihre Geselligkeit pflegen, aber dafür fehlt mir als Vorstand der Ehrgeiz.«

Bootshaus mit Slalomstreckenanschluss

Einst Slalomweltmeister, heute Vereins­präsident: Toni Prijon junior. Der aus Slowenien stammende Toni Prijon senior gründete in Rosenheim Firma und Familie.

Toni Prijon betrachtet den Kajak Klub vielmehr als Ausbildungsort für das Kanufahren und Wildwasserpaddeln, ganz im Zentrum steht die Jugendarbeit. »Für mich ist es wichtig, dass Schüler und Jugendliche weg von der Straße kommen und im Vereinssport eine sinnvolle Aufgabe für sich finden.« Um junge Talente optimal zu fördern, wurde ein eigenes Ausbildungskonzept erarbeitet. »Der KKR ist der einzige Verein in Deutschland, der ein bimodale­s Trainingssystem anbietet«, erklärt Toni Prijon. Kinder bis zu acht Jahren erlernen das Kanufahren ausschließlich auf spielerischem Weg. Später in den Trainingsgruppen gibt es keine Spezialisierung auf nur eine Wildwasserdisziplin, Schüler und Jugendliche üben in Abfahrtsboot und Slalomkajak gleichermaßen, dazu kommen noch Einheiten im Poloboot. Erst in der Trainingsgruppe Leistungssport, ganz an der Spitze des Trainingssystems, erfolgt ein individuelles Training. »Wir brauchen eine breite Basis. Auf Schülermeisterschaften legen wir keinen großen Wert, wir wollen lieber später Erfolg haben.«

 

Pokale und Medaillen sind trotzdem wichtig für den Verein, er finanziert sich zum großen Teil über Sponsoren. Siege sind teuer, denn Jugendförderung und Rennsport sind kostspielig, es braucht Boote, Trainingsstrecken, Busse und Trainer und dieser finanzielle Aufwand lässt sich nicht über Mitgliedsbeiträge decken. Die Währung für die Sponsoren sind Edelmetall und umfassende Medienberichterstattung.

Von den Trainingsbedingungen in Rosenheim können viele Vereine nur träumen. Das Bootshaus liegt nur einen Steinwurf entfernt vom Inn, eine Slalomtrainingsstrecke mit ganzjährig ausreichendem Wasserstand bietet perfekte Rahmenbedingungen, die Wildwasserabfahrer können auf dem Inn flussab Kilometer sammeln. Der einzige Nachteil: »Der Inn führt drei Monate im Jahr Hochwasser, dann können wir kein Training für Kinder anbieten. Und an unser Bootshaus verirrt sich nur zufällig jemand«, gesteht Toni Prijon. Seit zwei Jahren ist dieses Problem ebenfalls gelöst. Im Zuge der Landesgartenschau 2010 in Rosenheim  wurde nahezu in der Stadtmitte am Hammerbach, eingebettet zwischen einem großen Kinderspielplatz und der Mangfall, eine Kinderkajakstrecke gebaut. »Früher mussten wir mit den Kindern im Sommer an den Simssee fahren, jetzt haben wir eine ungefährliche Übungsstrecke mit Bootshaus direk­t in der Stadt. Die Kinder haben Spaß und ein wesentlicher Vorteil ist, wir brauchen keine Werbung zu machen, denn die Kinder kommen von alleine«, erklärt Toni Prijon. Seit der Landesgartenschau hat der Verein jährlich mehr als 30 neue Kinder als Mitglieder gewonnen. »Es heißt immer, Kinder wollen keinen Sport mehr mache­n, aber das ist Schmarrn. Es könnten leicht doppelt so viele sein, wenn wir mehr Betreuer hätten.« Die neue Slalomstrecke war allerdings mehr als ein reiner Glücksfall. Sie zeugt auch von guter Vereinsarbeit während der Planungsphase, als es dem Verein gelang, seine Interessen durchzusetzen.

Stadtflucht per Kajak

Die Kinderkajakstrecke in Rosenheim und der Inn sind freilich nicht die einzigen Trainingsgewässer. Am nahen Simssee gibt es ein zweites Bootshaus und im Sommer ein Kanupolofeld mit Toren. Der Chiemsee, das »Bayerische Meer«, ist keine halbe Autostunde entfernt. Deshalb liegt es Toni Prijon auch daran, eine Seekajaktruppe im Verein aufzubauen, mit regel­mäßigem Training und geführten Touren auf Chiemsee und am Meer. Das Interesse ist groß. »Es gibt viele Leute, die zwar etwa­s paddeln können, aber Angst vor Schiffen, Wellen und Wind haben. Als guter Paddler kann man sich das gar nicht vorstellen«, lacht Toni Prijon, »heute wollen immer mehr Leute geführt werden und kein Risiko eingehen.« Neben Wandergewässern locke­n Wildflüsse wie die Tiroler Ache, Saalach oder Brandenberger die Rosenheimer Wildwasserpaddler, das Ötztal ist gerade einmal 90 Auto­minuten entfernt. Diese Vielfalt an Paddelmöglichkeiten ist für den Verein Segen und Fluch zugleich. Denn manch hoffnungsvoller Athlet hat seine Wettkampfspritzdecke für die Verlockungen der heimischen Wildflüsse an den Nagel gehängt. Schon die Gründungsväter des Vereins wussten: »Wenn die Isar und der Inn, hohe Wellen wälzen hin, halt‘s i‘ in der Stadt net aus! Mit meinem Kajak muass i‘ naus!«


Zusätzliche Informationen und Links

20.11.2014

Für die Tonne?

Fass ohne Boden? Boot ohne Ende? Oder einfach nur ein unfassbares ...
10.07.2014

1. Sanna-Fest ein voller Erfolg

Am 5. Juli demonstrierten 300 Paddler auf einer gemeinsamen Fahrt ...
28.04.2014

Testen, was das Zeug hält: Globeboot 2014

Die Globeboot läutet jedes Jahr den Saisonstart ein: ...
10.07.2015

Tested on Tour – GoPro Hero4

In KANU 5/2015 stellt Ben Jung die Actionkamera GoPro Hero4 Black ...
03.07.2015

King of the Alps 2015

Vom 12.-14. Juni ging im Passeiertal in Südtirol die 4. Auflage ...
26.01.2015

Adrian Mattern Highlight Reel 2014

Adrian Mattern ist der deutsche Nachwuchs-Stürzer schlechthin. ...

Aktuelle Veranstaltungen

z
Januar 2018
M D M D F S S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031    
w