Springe direkt zu: Hauptnavigation Inhaltsbereich Zusätzliche Informationen und Links Bereichsnavigation Servicenavigation



Inhaltsbereich

Test & Technik

Allerlei Zweierlei – 8 Zweierkajaks im Test

Alleine paddeln war gestern. Mehr Spaß macht es im Zweier. Darin kann man schwächere Fahrer mitnehmen, den Nachwuchs kutschieren, quatschen, ohne zu brüllen, und dank der doppelten PS ordentlich Geschwindigkeit und Strecke machen. Das KANU-Testteam hat acht unterschiedliche Konzepte auf Plansee und Lech unter die Lupe genommen und sagt, welches Boot für was und wen taugt.

Ideal für Paare mit Gütertrennung: der überaus innovative Point 65°N Mercury.

Kleine Rückblende: Bis in die späten achtziger Jahre des vorigen Jahrtausends sahen feste Zweierkajaks mehr oder weniger alle gleich aus, denn sie waren zunächst nur GFK-Nachbauten der klassischen Faltbootzweier, die in erster Linie einem einzigen Zweck dienten: mehr­tägige Wanderfahrten mit Gepäck auf ruhigen Großflüssen, Seen und an geschützten Küsten. Für Tages-trip­­s nahmen nur die wenigsten Vollblutpaddler die Umständ­e des Auf- und Abbaus, des Säuberns und Trocknens der Haut in Kauf. In den Zeiten vor der totalen Automobilisierung stellte auch die komplizierte An- und Abreise mit Bahn und Bus ein zusätzliches Hindernis für eintägige Paddelunternehmungen dar. Wildwasserfahrten mit Zweisitzer-Faltbooten waren wegen der relativen Empfindlichkeit der Häute auch eher die Ausnahme. In den Augen der zünftigen Wildwasserfahrer, die ausnahmslos in »rassigen« Einern durch die Strudel tobten, galten Zweierkajaks als unsportlich, spießig und unwürdig, überhaupt die Bezeichnung »Kajak« zu führen. Mit leicht abfälligem Unterton sprachen sie vom Doppelsitzer-Paddelboot. Das biedere Image dieses Bootstyps übertrug sich sogar auf das Selbstverständnis seiner Benutze­r: Auf die Frage, ob sie denn auch Kajak fahren würden, hörte man oft die Antwort: »Nein, nein, um Himmels Willen, nur ganz normales Paddelboot!« Mal ehrlich: Es gab doch wirklich coolere Anblicke als den eines Kleppers »Kamerad TS« auf dem Dach eines VW K 70, oder?


Heute, in Zeiten von Polyethylen und sozialen Netzwerken, in denen man sich solche Ausrutscher ja gar nicht mehr erlauben kann, sind Zweier längst etablierte Bootsformen, bei denen keiner mehr die Nase rümpft. So gibt es jetzt Zweierkajaks für die unterschiedlichsten Ansprüche und Absichten. Die Palette reicht von offenen Kurzzweiern für Tagesausflüg­e bei ruhigen Bedingungen (hier vertreten durch den famosen Dagger Blackwater Tandem) über zuladungsstarke Mehrtages-Gepäckfahrt-Boote, die den klassischen Vorbildern am nächsten kommen (Lettmann Ozean, Current Double Vision), bis hin zu reinen Wildwasserzweiern, die in diesem Vergleich leider nicht vorkommen (Jackson Dynamic Duo), und einigen Übergangsformen, die unter gewissen Voraussetzungen (Steueranlage, Leichtgewichtsausrüstung) sowohl für Langstrecken auf stehendem Wasser als auch für leichtes, offenes Wildwasser taugen (Prijon Excursio­n Evo, Perception Horizon, Robson Balboa Duo). Der chinesische Winner Hug und der schwedische Mercury bilden eine eigene Fraktion: Mit Breiten unter 70 Zentimetern, null Kielsprung und für ihre Länge geringem Gesamtvolumen sind sie mehr für hohes Tempo und wind­festen Geradeauslauf gebaut als für universellen Einsatz und maximale Kippstabilität. So hat jedes der hier vorgestellten Kajaks seine spezielle Domäne, in der es sich am besten bewährt. Alv Elvestad, Inhaber der Firm­a Pakboats, meinte einmal sehr lakonisch: »No boat can be good for everything, but each boat has to be good for something!«

Sind Kajaks die besseren Kanus?

Machte nicht nur im Horizon richtig Spaß: Schussfahrt auf dem gut eingeschenkten Lech vor Reutte.

Für Neueinsteiger in den Wasserwandersport stellt sich als Erstes die Grundsatzfrage: Kajak oder Kanadier? Sitze ich lieber tief unten mit ausgestreckten Beinen und hantiere mit einem Doppelpaddel oder lieber mit angewinkelten Knien auf einer erhöhten Sitzbank, ein Stechpaddel schwingend? Viele Neulinge haben hier bereits feste Vorstellungen, je nachdem, ob sie sich mehr mit der Attitüde und dem Bild des Indianers im Rindenkanu oder mit dem sportlichen Image des vom Kajak aus jagenden Eskimos identifizieren. Für diejenigen, die diese Frage lieber rational klären wollen, hier ein paar objektive Fakten:


Offene Kanadier stellen etwas höhere Ansprüche an das fahrtechnische Können: Die einseitigen Schläge mit dem Stechpaddel bewirken eine stetige, leichte Ablenkung vom Kurs, die mit Korrekturschlägen ausgeglichen werden kann, durch die aber auch ein Teil der Vortriebsenergie des letzten Vorwärtsschlags wieder weggebremst wird. Im Kajak erfolgt dieser Ausgleich nicht durch einen bremsenden Steuerschlag, sondern durch den nächsten Vorwärtsschlag – auf der Gegenseite! Aus diesem Grund fällt die Energiebilanz im Kajak günstiger aus als im Kanadier. Um bremsende Korrekturschläge im Kanadier zu vermeiden, kann man theoretisch alle zwei bis drei Takte die Seite wechseln, was aber jedes Mal ein Umgreifen am Paddel erfordert. Nur Stoiker ertragen das auf Dauer.


Wegen des größeren Platzangebots im Verhältnis zur Bootslänge greifen Familien mit mehreren Kindern verständlicherweise meistens zum Kanadier. In einen 17-Fuß-Kanadier passen zwei Erwachsene und zwei Kinder, wofür man alternativ zwei Zweierkajaks bräuchte, die natürlich bei gleichem Qualitätsniveau teurer sind. Häufig wird aber von dieser Alternativ­lösung nicht aus finanziellen Gründen Abstan­d genomme­n, sondern weil ein Elternteil (meist die Mam­a) nicht auch Führer eines Boots sein will (oder darf), sondern sich in der Rolle eines Mitfahrers sicherer fühlt. Für Kleinfamilien mit nur eine­m Kind stellt sich die Situation ganz anders dar: Bei den wenigen auf dem Markt befindlichen Zweierkajaks mit separater Kinderluke in der Mitte (in diesem Test der Lettmann Ozean K3) bleibt die vorhandene Rollenverteilung bestehen, niemand muss sich oder jeman­d anderen in eine Rolle zwängen, die man nicht ein­nehmen will, darf oder glaubt, nicht einnehmen zu können. Und alle drei kommen in den Genuss einer ganzen Litanei von Vorzügen eines Kajaks:

 

  • Durch die tiefere Sitzposition ergibt sich eine günstigere Schwerpunktlage, die es erlaubt, ein Kajak schmaler zu bauen, ohne an Kippstabilität zu verlieren. Aus dem günstigeren Längen/Breiten-Verhältnis ergeben sich wiederum ein besserer Leichtlauf und ein höheres Tempo bei gleichem Krafteinsatz. Bingo!

  • Der symmetrische Doppelpaddelantrieb ist effek­tiver und bewirkt mehr Spurtreue.

  • Das flachere Seitenprofil eines Kajaks ist weniger windanfällig.

  • Zur Kurskontrolle bei stärkerem Wind besteht die Möglichkeit der Verwendung eines Fußsteuers.

  • Ein Kajak bietet mehr Sicherheitsreserven bei erschwerten Bedingungen.

  • Im Cockpit eines geschlossenen Kajaks genießt der Paddler durch die seitlich hochgezogene Sitzschale sowie die Schenkel- und Fußstützen einen engen Körperkontakt zum Boot und kann es so im bewegten Wasser viel besser kontrollieren. Die Kraftübertragung ist direkter.

Sitzabstand und Betriebsklima

Ein Punkt von erheblicher Bedeutung für die Paddelpraxis ist die Größe des Sitzabstands. Sie entscheidet darüber, ob die Paddelblätter zusammenschlagen, wenn man aus dem Gleichtakt fällt. Bei sehr geringen Sitzabständen (ca. 120 cm) passiert das bereits, wenn einer der beiden Fahrer nur das Paddel quer vor sich legt, um die Kamera hervorzukramen. An Bord eines Allrounders wie dem Excursion Evo oder Horizon, der keinen selbststabilisierenden Geradeauslauf besitzt, dafür aber das nötige Mindestmaß an Wendigkeit für flotte Fließgewässer, werden (besonders bei Schnellfahrt) gelegentliche weit ausladende Steuer­schläge notwendig, wenn das Heck sich wieder mal anschickt, zur Seite zu driften. Spätestens dann kollidieren die Blätter. Diese Belästigung kann man sich durch die Verwendung eines Fußsteuers ersparen. Mit desse­n Hilfe fährt man auch mit einem wendigen Allrounder einwandfrei geradeaus. Besitzer von reine­n Geradeausläufern wie dem Hug oder Doubl­e Vision sind von dieser Problematik nicht betroffen: Solche Boote brauchen bei ruhigen Bedingungen weder ein Steuer noch Korrekturschläge, um auf Kurs zu bleiben, haben aber auf schnellen, kurvigen Flüssen nichts verloren, auch wenn die Besitzer über eine exzellent­e Paddeltechnik verfügen.


Der Einbau einer Kinderluke zwischen den Cockpits ist erst ab einer Bootslänge von ca. 5,5 Meter­n möglich, damit zwischen den Sitzen genug Abstand bleibt für die Beine und damit die Paddel nicht kollidieren. Wenn der Sprößling mal nicht mehr mit will zum Dreisitzer-Paddelbootfahren und lieber mit Spielkameraden zum Wingsuiten geht, dient die Kinder­luke fortan als üppiger zusätzlicher Laderaum für die ganz große Gepäckfahrt.

Das sind die acht Testkandidaten:

Lettmann Ozean k3 — Der Familienvan

Als Alternative zum Kanadier versetzt der Ozean K3 frischgebackene Eltern mit kajaksportlichem Hintergrund in die Lage, ihren Sport weiterhin im gewohnten Stil fortzuführen.

Point 65°N Mercury — Das Lego-Boot

Heureka, sämtliche Transportprobleme eines über fünf Meter langen Boots sind mit einem Schlag gelöst. Keines der vier Einzelteile des Mercury ist länger als 150 cm, das schlanke Bugsegment passt sogar ins Mittelteil.

Dagger Blackwater Tandem — Das Wellnessboot

Eigentlich sollte sich die Auswahl für diesen Test auf geschlossene Kajaks beschränken. Den offenen Blackwater nahmen wir dennoch mit auf, weil er ein nicht gebührend beachtetes Glanzstück darstellt. Es ist das einzige offene Zweierkajak mit Skeg.

Current Designs Double Vision — Der Luxusliner

Der Rumpf des DV zeigt eine deutliche Schwedenform – die breiteste Stelle liegt hinter der Mitte. Das Boot nimmt so von der Spitze nach hinten langsamer an Breite zu, die Wasserverdrängung verteilt sich auf eine größere Länge.

Winner Hug — Die gelbe Gefahr?

Die einzige Gefahr, die von diesem in China produzierten Kajak ausgeht, besteht darin, dass seine Besitzer allen anderen davonfahren. Das liegt nicht nur an dem günstigen Längen/Breiten-Verhältnis (gute 5 Meter bei nur 67 cm Breite), sondern in erheblichem Maß auch an dem absolut soliden Geradeauslauf ...

Prijon Excursion Evo — Sinnvolle Produktpflege

Die überarbeitete Version des Excursion unterscheidet sich von der Urform durch einen schlankeren und leicht angekielten Bug, was dem Boot zu mehr Leichtlauf verhilft. Der Excursion ließ sich trotzdem mit geringem Krafteinsatz durch die Kurven des Tiroler Lechs manövrieren.

Robson Balboa Duo — Der Bulldozer

Der Auftrag für den Balboa muss ungefähr so gelautet haben: »Baut ein Zweierkajak, das jeder sofort beherrscht, das auf Flachwasser leicht die Spur hält, aber trotzdem wendig genug ist für kurvige Wiesenbäche, kippfest wie ein Isarfloß und robust wie ein Brauereipferd.

Perception Horizon — Für mild und wild

Was kommt vor Kajakfahren? Kajak schleppen! Bei dieser Beschäftigung erntet der Horizon erste Sympathiepunkte. 33 kg sind für einen PE-Brummer dieses Kalibers ein ungewohnt niedriges Gewicht, das sich obendrein durch die integrierten Griffe optimal tragen lässt.

Zusätzliche Informationen und Links

News

30.11.2015

Adventskalender XXL

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt: Bei unserem großen ...
16.11.2015

Bald am Kiosk: KANU 8/2015

Am 26. November erscheint KANU 8/2015, darin: Entschleunigung auf ...
16.09.2015

Red Bull Amphibious – Kanu-Rallye im Spreewald

Cottbusser Spitzen-Paddler sind die Gewinner von Red Bull ...

Aktuelle Veranstaltungen

z
Januar 2018
M D M D F S S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031    
w