Springe direkt zu: Hauptnavigation Inhaltsbereich Zusätzliche Informationen und Links Bereichsnavigation Servicenavigation



Inhaltsbereich

Test & Technik

Die heilige Vierfaltigkeit - der Faltboottest

»Hätten Sie gern ein Faltboot oder lieber ein Seekajak? « Ab sofort kann die Antwort einfach »Ja« lauten, denn das eine schließt das andere nicht mehr aus. Die neuen Faltboote von Pouch, Feathercraft, Nautiraid und Nortik sind in puncto Meerestauglichkeit, Tempo und Eskimotierbarkeit ihren starren Kollegen fast ebenbu?rtig – und in mancher Hinsicht sogar u?berlegen.

Dieser Test ist von 2011! Zur aktuellen Version geht’s hier ...

22.10.2013

Kaufberatung Faltboote

Die Renaissance des Hadernkahns ist ungebrochen. Was vor über ...
Venedig im Faltoot: Schön ists.
Foto: Michael Neumann

Die faltbaren Flitzer der Generation 2011 verbinden die Performance eines Seekajaks mit den Transportqualitäten eines Faltboots, was völlig neue Perspektiven eröffnet. Die Zerlegbarkeit ist meist Voraussetzung fu?r die Mitnahme im Flugzeug, wodurch die entlegensten Paddelreviere in erreichbare Nähe ru?cken.

Das ist aber nicht alles, was die faltbaren Seekajaks den starren Booten voraushaben: Die konstruktionsbedingt geringere Steifheit erweist  sich im Seegang als Vorteil. Das Faltboot geht mit den Bewegungen des Wassers mit, anstatt dagegen zu arbeiten. Der Rumpf gibt nach und absorbiert dadurch einen Teil der bremsenden Kräfte, die die Wellen von vorn auf das Boot ausu?ben. Es variiert sozusagen ständig seinen Kielsprung, schmiegt sich dem Wellenprofil an und behält dadurch ein konstanteres Tempo. Die positive Auswirkung von Elastizität auf das Verhalten im Seegang war schon den seefahrenden Völkern der Fru?hzeit bekannt, weshalb sie es nie bedauerten, dass sie ihre Boote nur binden, nähen und zusammenknoten konnten. Man denke nur an die Baidarkas der Aleuten oder die hochseetauglichen Mehrrumpfboote der polynesischen Völker.

Steuer? Unnötig. Durch Aufkanten lassen sich die neuen Faltboote präzise steuern.
Foto: Michael Neumann

Sicherheit und Ladetechnik
Da es technisch völlig unmöglich ist, in ein Faltboot mit Innengeru?st wasserdichte
Schottwände einzubauen, um es unsinkbar zu machen, mu?ssen andere Lösungen herhalten: Man kann das Gepäck auf viele einzelne Packsäcke verteilen und diese kunstvoll in alle möglichen Ecken stopfen, dennoch bleibt einiges an Zwischenraum u?brig fu?r eindringendes Wasser. Maßgeschneiderte Reißverschluss-Spitzenbeutel fu?llen die Innenräume dagegen fast vollständig aus (zu haben von Nautiraid oder Zölzer) und bieten den größtmöglichen »Restauftrieb « im Kenterfall, so wie es die abgeschotteten Abteile eines Festbootes tun. Eine dritte Lösung ist die Verwendung eines »Seasock«. Das ist ein strumpfförmiger Sack, in dem der Fahrer sitzt und dessen Öffnung am Su?llrand eingehängt wird und der das Cockpit vom restlichen Bootsinneren trennt. Im Hinblick auf eine möglichst stabile Wasserlage und bestmögliche Manövrierbarkeit gilt beim Packen generell: Die schwersten Teile der Ausru?stung werden möglichst tief und nah zur Bootsmitte platziert, leichte Sachen kommen in die Bootsspitzen. Decksladung ist nach Möglichkeit ganz zu vermeiden, auch wenn es cool aussieht (»Da kommt der Dennis Hopper mit seinem Eski-Chopper.«). Decksgepäck verstärkt nur die Windanfälligkeit und verringert die Seitenstabilität! Die größte Ladekapazität fu?r Fahrer und Gepäck bieten der mächtige Heron und der Phönix (als Soloboot). Aber auch Narak und Navigator eignen sich fu?r Mehrtagesfahrten, wenn die Ausru?stung nicht veraltet ist, sondern modernem Biwakniveau entspricht.

Kippligkeit und Beladung


Im landläufigen Verständnis wird ein Kajak immer kippstabiler, je schwerer es beladen ist. Dies gilt jedoch nur fu?r Gepäck, welches tief im Boot verstaut wird und so den Gesamtschwerpunkt nach unten verschiebt. Am Beispiel des Phönix lässt sich schön demonstrieren, dass sich die Beladung eines Bootes mit einer zweiten Person auf die Kippstabilität gegenteilig auswirkt, weil das Gewicht des zweiten aus dem Boot aufragenden Oberkörpers den Schwerpunkt nach oben verlagert. Das ganze System wird dadurch etwas toplastiger und weniger stabil. Durch entsprechend mehr Innenballast kann dieser Effekt wieder ausgeglichen werden. Das soll keine Kritik am Phönix sein (er ist mit zwei Leuten besetzt immer noch ausreichend stabil), sondern nur ein Hinweis auf einen allgemeingu?ltigen physikalischen Zusammenhang.

Ziemlich eng: Venedigs kleine Gässchen.
Foto: Michael Neumann

Der Mu?llsack-Trick


Ein Problem, das beim Abbau eines Faltboots manchmal auftritt, ist das Festklemmen der Geru?stspitzen in der Haut. Das passiert nicht nur bei Uralt-Faltbooten, deren Gummibeschichtung anfängt, sich in einen klebrigen Teig zu verwandeln, sondern auch bei neuen Booten, wenn sie in besonders spitzem Winkel zulaufen, wie es bei den hier gezeigten der Fall ist. Dieses Phänomen kann beim Abbau den ganzen Laden aufhalten, besonders wenn man allein ist und nicht von außen die Bootsspitze festhalten und gleichzeitig am Geru?st zerren kann. Eine simple und zuverlässige Methode, diesem Ärgernis schon beim Aufbau vorzubeugen, ist das Überstu?lpen eines Mu?llsacks u?ber die Geru?stspitze, bevor man sie in die Haut schiebt. Diese Säcke wirken als Gleitschicht und sind eine sauberere Lösung als etwa pfundweise Talkumpuder in die Haut zu kippen.

Die neue Gleitzeit: Mit etwas Übung stehen diese Falter in 20 Minuten und sind somit bedingt Feierabendtauglich.
Foto: Michael Neumann

Holz rostet nicht

Über die Haltbarkeit, den Pflegeaufwand und die Strapazen des Aufbauens herrschen bei Laien ziemlich falsche Vorstellungen. Wenn die herkömmlichen Gummihäute der Faltbootklassiker schon 25 bis 30 Jahre ihren Dienst taten, bevor sie bru?chig wurden, liegt die Lebenserwartung moderner Hightech-Materialien auf PU-, Polyester- und PVC-Basis noch um einiges höher. Die heutigen Beschichtungen sind UV-beständiger und zäher als die fru?heren. Bis auf den Heron besitzen die neuen Falter alle ein Gerippe aus Holz, was auf lange Sicht fu?r den Gebrauch im Salzwasser die bessere Wahl ist. Holz rostet nicht, während Aluminium fru?her oder später korrodiert, wenn man nicht ständig mit einem Ku?bel Su?ßwasser und einer Tube Silikonfett hinterherrennt. Hartes Eschenholz zieht nicht gleich Wasser, wenn an einer Stelle der Lack ab ist. Die Holzteile des Navigators werden sogar vor dem Lackiere n erst mit Öl druckimprägniert. Oberstes Pflegegebot ist eine gru?ndliche Entsalzung des kompletten Bootes nach Meeresfahrten (mit Ausnahme des Steinhuder Meeres). Salz greift Alu an und arbeitet in aller Stille am verpackten Boot weiter. Außerdem bindet Salz Feuchtigkeit, ein salziges Boot wird nie vollständig trocken – was aber Voraussetzung ist, bevor es fu?r längere Zeit eingelagert wird. Um anhaftendes Salz zu entfernen, genu?gt es nicht, nur mit dem Gartenschlauch draufzuhalten. Man muss gleichzeitig mit einer Bu?rste oder einem Tuch reiben. Wer diese Regeln einhält, kann sein Faltboot in gebrauchsfähigem Zustand weitervererben. 

Windig: Der Kochelsee.
Foto: Michael Neumann

Die ewige Steuerdebatte


Bei klassischen Faltbooten alter Schule waren Steueranlagen ein unverzichtbarer Bestandteil, weil »Schlingel« oder »Heidemarie« sonst nur unter Qualen und mit permanenten Korrekturschlägen auf Kurs zu halten waren. Die Fu?hrung im Heck reichte einfach nicht aus, damit sie selbstständig in der Spur blieben. Das war nicht etwa deshalb so, weil die Konstrukteure es nicht besser konnten, sondern weil der Anspruch ein anderer war: Die Boote sollten gute Universaleigenschaften haben und auch fu?r kurvige Wildflu?sse taugen, auf denen Drehfreude gefragt ist und ein zu ausgeprägter Geradeauslauf eher in die Bredouille fu?hrt. Vor allem mussten die Kajaks in Normallage leicht zu drehen sein,denn die Methode, ein Boot wirkungsvoll durch Aufkanten und taktische Paddelschläge zu steuern, war bei den altvorderen Wanderpaddlern noch weitgehend unbekannt und ohnehin wegen der großen Bootsbreiten und des fehlenden Bootskontakts gar nicht praktikabel. Ein Faltboot in Seitenlage wurde vielmehr eher schon als Zwischenfall betrachtet. Damit ist jetzt Schluss! Die hier vorgestellten Faltboote sind keine schwimmenden Badewannen mehr, sondernfaltbare Seekajaks. Aufgrund ihrer Spurstabilität und des engen Bootskontakts, der die technische Voraussetzung fu?r eine körperbetonte Fahrweise bietet, ist der Gebrauch einer Steueranlage nur noch in Ausnahmesituationen nötig. Bei ruhigen Wind- und Wellenbedingungen fahren alle hier gezeigten Kajaks von selbst geradeaus, es muss nicht mit einem Steuer nachgeholfen werden. Das Blech am Bootsheck wartet als stille Reserve auf seinen Einsatz unter erschwerten Bedingungen, etwa bei heftigem Seitenwind oder bei Schiebewellen, wo manche Boote zum Ausbrechen neigen. Eine andere Situation, in der man als Fahrer eines sehr kursstabilen Bootes gern auf die zusätzliche Unterstu?tzung eines Fußsteuers zuru?ckgreift, ist das Fahren von sehr engen Kurven, wie es in den schmalen Kanälen von Venedigs Altstadt nötig ist. Ohne Steuer ist hier ein Geradeausläufer wie der Phönix oder Navigator nur mit Rangieren um die Ecke zu bringen. Das primäre und zuverlässigste Steuerinstrument im Seekajak, egal ob fest oder faltbar, ist jedoch das Paddel des Fahrers und seine Fähigkeit, damit umzugehen. Um ein Steuer effektiv nutzen zu können, ist es wichtig, sich die Pedale exakt auf Beinlänge und vor allem seitengleich einzustellen, um sich bei der Bedienung möglichst wenig verrenken zu mu?ssen. Im Idealfall bleiben die Fersen am Boden, die Knie liegen an, bewegt wird nur der Vorderfuß. Die stärkste und raumsparendste Lenkwirkung entsteht, wenn beide Steuermethoden (Ankanten mit Bogenschlag und Fußsteuer) kombiniert werden. Hier noch ein bemerkenswertes Statement zumThema Steuer seitens der Industrie: Die US-Firma Harmony, Hersteller von Kajakzubehör, schreibt im Vorwort zu einer Steuer-Montageanleitung: »Die Verwendung eines Steuers in einem Kajak ermöglicht zusätzliche Kontrolle und Effizienz, besonders bei gewissen Wind- und Wellenverhältnissen. Das Vorhandensein eines Steuers ist keineswegs zwingend, auch bedeutet es nicht, dass es permanent im Einsatz sein muss.« Und im Kernsatz: »Ein Steuer ist weder Alternative noch Ersatz fu?r Paddelerfahrung und technisches Können!« Wenn sogar ein Produzent trotz seines kommerziellen Interesses das Thema so differenziert betrachtet, zeugt das von einem intakt gebliebenen Verantwortungsbewusstsein. Da jedoch beim Faltboot ein Skeg als Mittel zur Kurskontrolle bei Seitenwind entfällt, weil man es nicht einbauen kann, hat ein  Steuer in petto doch seine Daseinsberechtigung.

Zum Geleit
Fahren Sie eines dieser Boote Probe und Sie werden sehen, dass es fahrtechnisch mit dem alten Hadernkahn nicht mehr viel zu tun hat – außer dass Sie es auch zerlegen, aufs Gepäckband stellen und zehn Stunden später unter tropischer Sonne an einem Karibikstrand wieder aufbauen können. Suchen Sie sich ein hu?bsches Ziel in eine m der vielen Kajak-Reisebu?cher aus und buchen Sie einen Flug. Leinen los, Faltboot ahoi!

Der komplette Test ist auch in KANU 5/2011 zu finden. Nachbestellen ist unter Telefon: 0180 535 40 50-12 29 Telefax: 0180 535 40 50-17 56 Email: kanumagazin(at)dpv.de möglich. Alternativ kann kann hier nachbestellt werden.

Die vier Testkanidaten

Nautiraid Narak

Der KANU-Supertipp aus dem Hause Nautiraid hört auf den Namen Narak. Er sieht seinen grönländischen Vorfahren recht ähnlich und will auch so gefahren werden: Wer das sichere Kanten beherrscht, bekommt den Narak grazil um die Kurve.

Pouch Phönix 2011

Ob allein oder zu zweit, beim Pucher Phönix 2011 braucht man sich nicht schon beim Kauf entscheiden, was man möchte. Der flexible Faltkahn bietet als einer reichlich Raum für Gepäck, als Zweier wird er zum überraschend spritzigen Tourenboot.

Nortik Navigator

Wenn zwei Faltboot-Profis und -Importeure ihr gesamtes Faltbootwissen zusammenwerfen, entsteht ein solches Prachtstück. Der Nortik Navigator besticht durch simplen, schnellen Aufbau, wunderbare Fahreigenschaften und eine stilechte Optik.

Feathercraft Heron

Der Gepäckfrachter unter den Faltbooten: Der Heron besticht durch hohes Ladegewicht und -volumen, kann sich aber auch von der Geschwindigkeit sehen lassen. Dank seines Unterschiffs und seitlicher Luftschläuche liegt er seh ruhig und gutmütig im Wasser.

Die heilige Vierfaltigkeit - der Faltboottest

»Hätten Sie gern ein Faltboot oder lieber ein Seekajak? « Ab sofort kann die Antwort einfach »Ja« lauten, denn das eine schließt das andere nicht mehr aus. Die neuen Faltboote von Pouch, Feathercraft, Nautiraid und Nortik sind in puncto Meerestauglichkeit, Tempo und Eskimotierbarkeit ihren starren Kollegen fast ebenbu?rtig – und in mancher Hinsicht sogar u?berlegen.

Zusätzliche Informationen und Links

News

30.11.2015

Adventskalender XXL

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt: Bei unserem großen ...
16.11.2015

Bald am Kiosk: KANU 8/2015

Am 26. November erscheint KANU 8/2015, darin: Entschleunigung auf ...
16.09.2015

Red Bull Amphibious – Kanu-Rallye im Spreewald

Cottbusser Spitzen-Paddler sind die Gewinner von Red Bull ...

Aktuelle Veranstaltungen

z
Dezember 2018
M D M D F S S
     12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31      
w