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Touren

Following the Summer (5): Russland

 Touren, Reiseblogs

David und Svetlana Krismayr folgen seit dem 27. September 2011 dem Sommer rund um die Welt – mit dem Wildwasserkajak versteht sich. Nach Nepal, Indonesien und Neuseeland folgte das Altai-Gebirge in Sibirien, Russland. Dort erwarteten sie Wildwasser der Extraklasse und Flüsse wie der Chuya und der Baskhaus. 

Russland, Sibirien. | Foto: David Krismayr

Wir sind bereits seit über einem halben Jahr auf Achse. In den sieben Monaten erkundeten wir Nepal, Indonesien und Neuseeland – für mich bis dahin unbekannte Länder. Voller Geheimnisse und Wunder sind sie aber eigentlich immer noch. Unser nächstes Ziel ist Russland. Da meine Frau Svetlana aus diesem Land stammt, war ich zwar schon öfters dort, jedoch noch nie mit dem Kajak. Dieser Besuch soll etwas Besonderes werden, es sind zwei Wochen in der Altairegion zum Paddeln geplant.
Als wir am Flughafen in Novosibirsk landen und die kalte Luft tief einatmen, spüre ich ein angenehmes Kribbeln im ganzen Körper. Bilder von einem perfekten Snowboardtag mit meterhohem Tiefschnee schießen mir durch den Kopf. Dann wird mir aber bewusst, dass dies das erste Jahr in meinem Leben ohne Schnee unter meinen Füßen sein wird und dass wir die kurzen Paddelklamotten erst gar nicht auszupacken brauchen. Svetlana hingegen ist nur wenig beeindruckt. Sie sagt lediglich: »????? ?????????? ?????, willkommen Zuhause«.

Sightseeingtour per Auto: Elf Stunden dauert die Autofahrt. | Foto: David Krismayr

Nach einer Woche in Novosibirsk, einigen Familienbesuchen und organisatiorischem Hin und Her machen wir uns auf den Weg ins Altai. Unser Ziel liegt nahe der mongolischen Grenze und ungefähr 770 Kilometer entfernt. Auf unserem Weg sammeln wir die ausgeborgten Boote ein. Anschließend geht es elf Stunden ohne Unterbrechung durch die ländliche Gegend Russlands: Sightseeing-Tour per Auto. Die Fahrt vergeht wie im Flug. Ich bin auf das Wildwasser gespannt, welches mir meine Frau zeigen wird. Wir erreichen unser Ziel, den Ausstieg der unteren Majoyschlucht, um Mitternacht. Das Zelt ist schnell aufgestellt – Übung macht den Meister – und nach einer heißen Tasse Tee kuscheln wir uns in die warmen Schlafsäcke. Schließlich müssen wir für den Chuya am nächsten Tag ausgeruht sein.

Paddeln im Altai bei perfektem Wetter

Endlich aufs Wasser! Paddeln auf dem Chuya. | Foto: David Krismayr

Als ich am nächsten Morgen den Reißverschluss des Zelts öffne, erblicke ich eine herrliche Kulisse. Die Berge sind noch mit etwas Schnee bedeckt, der Himmel ist blau, die Sonne strahlt uns ins Gesicht und die Luft ist klar und rein. Nur die vielen Wildwasserliebhaber um uns herum irritieren mich etwas, ich kann Rafts, Katamarane, Outsides und natürlich jede Menge Kajaks entdecken. Ich dachte, dass es im Altai nur eine Handvoll Paddler gibt, doch nun werde ich eines Besseren belehrt. Eigentlich ist dieser Rummel aber nicht verwunderlich, da der Chuya der Fluss mit den zugänglichsten Ein- und Ausstiegen des Altai-Gebirges ist.
Das Frühstück fällt üppig aus. Die Boote werden noch gefittet und der gemütliche Morgen kommt so langsam in Schwung. Wie der Großteil der Paddler machen wir uns auf zum Einstieg. Wir rutschen über die Böschung ins Wasser und setzen die ersten Paddelschläge im russischen Wildwasser. Zwar ist es genauso nass wie in anderen Ländern auch, die Temperaturen sind jedoch nahe dem Gefrierpunkt, warme Paddelpfötchen wären jetzt ganz angenehm ...

Die Majoyschlucht lässt sich in zwei Abschnitte teilen: Der obere Teil ist ca. 14 Kilometer lang und bietet nach kurzem Warmpaddeln Wildwasser der Extraklasse. Die Schwierigkeit liegt meist im WW III+ Bereich, einige Stellen bieten schönes WW IV+. Wenn man einen Vergleich in den Alpen sucht, findet man ihn wohl am ehesten in den oberen und unteren Abschnitten der mittleren  Ötz.

Majoyschlucht mit und ohne Hochwasser

Ab geht die Post besonders auf dem unteren Abschnitt des Chuya. | Foto: David Krismayr

Der untere Teil des Chuya ist um einiges steiler, dadurch steigt der Schwierigkeitsgrad an und die Wasserwucht nimmt deutlich zu. Wer die richtigen Linien nicht trifft, dem beschert der Fluss ein ungewolltes Rodeoprogramm: Walzen und Rücklaufe erreichen die Größe von Kleinbussen. Mit unserer netten Begleitung Vasiliy Chesnokov und dem Flowgefühl vergeht dieser Flussabschnitt mit elf Katarakten und WW V im Drop and Pool Style wie im Flug. Erst als wir am Ausstieg ankommen, bemerken wir, dass wir vier Stunden auf dem Wasser waren. Wir lassen den Paddeltag gemütlich am Lagerfeuer mit Tee und Essen ausklingen. Die Paddelanekdoten reihen sich bis spät in die Nacht aneinander.

Der nächste Tag startet wie der vorige – mit einem sehr ausgedehnten Frühstück. So sind wir erst gegen zwei Uhr mittags am Einstieg für den unteren Abschnitt der Majoyschlucht. Die warmen Temperaturen haben für einen deutlichen Anstieg des Wasserstands gesorgt und die Schwierigkeit der ohnehin schon anspruchsvollen Strecke steigert sich nochmals. Das Adrenalin jagt mir durchs Blut und beschleunigt den Herzschlag, denn obwohl sich die Stromschnellen verändert haben, haben wir diesmal die Besichigung bleiben gelassen. Die Linien sind zwar gleich geblieben, aber die Dimensionen sind noch eindrucksvoller als am Tag zuvor. »WOW, das war mal ein Megaritt!!!«. Ich bin begeistert.

Baskhaus und Aktru-Berge

Der Baskhaus, nur nach der Schneeschmelze befahrbar. | Foto: David Krismayr

Da die Wasserstände unaufhörlich weiter steigen, beschließen wir, den kommenden Tag am oberen Baskhaus zu verbringen. Der Fluss liegt »nur« zweieinhalb Stunden entfernt und ist bekannt für seine Multidaytripsection. Diese ist jedoch erst nach der Schneeschmelze befahrbar, da sonst der Wasserstand zu hoch ist. Die Anfahrt führt uns über Schotterstraßen auf einen Pass. Selbst von dort oben können wir die Weite Sibiriens nur erahnen. Der Fluss selbst bietet uns eine wunderschöne Schlucht mit Wildwasser III+. Das teefarbene Wasser stürzt in Schmelzwasserfällen herab, umspielt Lawinenkegel und riesige Eisschollen.


Der nächste Tag führt uns in die Höhen der Aktru Berge. Wir arbeiten uns zum Basislager vom Aktru, einem 4100 Meter hohen Gletscher, vor. Der Weg dorthin ist nicht einfach zu finden, denn die Straßen führen über endlos erscheinende Feldwege, die sich immer und immer wieder teilen. Wir parken das Auto am Fuß des Bergs. Der Wanderweg führt uns nun drei Stunden entlang einer russischen Forststraße. Für mich ist es unvorstellbar, dass hier irgendwelche Fahrzeuge fahren können, denn der Weg ist lediglich eine Schneise im Wald, die mit großen Steinen und Baumstümpfen durchsetzt ist. Svetlanas Erklärung darauf ist simpel und einleuchtend: »Wir in Russland bauen keine Straßen, sondern Autos«. Auf dem Weg zurück darf ich dann so eine Fahrt in einem sechsrädrigen Geländewagen am eigenen Leibe miterleben.

Wie war das mit »Following the summer«? Das sieht eher nach Winer aus. | Foto: David Krismayr

Diesen Tag lassen wir mit einem Besuch in einer Banja – einer extrem heissen russischen Sauna – ausklingen. Die Temperauturen sinken in der Nacht unter den Gefrierpunkt und wir staunen am nächsten Morgen nicht schlecht, als das gesamte Camp mit Schnee bedeckt ist. Wir erkundigen uns sofort nach dem Wetterbericht für die kommenden Tage. Das Wetter soll mit Temperaturen zwischen null und minus fünf Grad in der nächsten Woche nicht gerade rosig werden. Daraufhin beschließen wir, unsere Zelte abzubauen und zurück nach Novosibirsk zu fahren.
Das Paddeln, die Natur und die Möglichkeiten im Altai sind wirklich traumhaft. Wir kommen bestimmt wieder!


Wer auf dem aktuellsten Stand bleiben möchte: Hier geht es zu Davids und Svetlanas Blog.

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