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Touren

Following the summer (7): Grand Canyon

17. Oktober 2013 von David Krismayr

David und Svetlana Krismayr folgen seit dem 27. September 2011 dem Sommer rund um die Welt – mit dem Wildwasserkajak versteht sich. Nach Nepal, Indonesien und Sibirien zog es die beiden Weltenbummler schon. In dieser Episode geht es um ihre Erlebnisse im Grand Canyon ...

Der Colorado fließt durch den Grand Canyon, der als eine der tiefsten Schluchten der Welt bekannt ist. Die roten Sandsteinwände ragen stellenweise mehr als 1.500 Meter in die Höhe. Dieser Ort ist ein Wunder der Natur, durch seine Schönheit und seine Ausmaße zieht er jährlich Mengen an Wildwasser-Enthusiasten aus der ganzen Welt an.   

365 Kilometer, 17 Tage: Manfrad Guseck, Natascha Bammert, Matthias Linhart, Andreas Lampl, Alfred Haslinger, Daniel Toros, Robert Kimberger, Svetlana Krismayr, David Krismayr Dezember 2012.

Es war die längste und kälteste Expedition unseres Lebens, zugleich eine der aufregendsten und schönsten. Wir planten sie circa ein halbes Jahr im Voraus. Genauer gesagt hat die Planung unser Freund und Tripleader der Expedition, Daniel Toros, ausgearbeitet. Daniel hat die Organisation mit voller Leidenschaft durchgeführt, und erarbeitete all die Details (nachzulesen auf www.justgorges.blogspot.com):

 

  • Anmietung der Ausrüstungen (Raftingboote, Koch und Campinggeschirr, Essen, Müll, Satellitentelefon und etc.)
  • Entwickelt das Menü; alle Gewohnheiten und Vorlieben der Beteiligten unter einen Hut zu bekommen, war eine Glanzleistung.
  • Erstellen eines Arbeitsplans, wer hat wann welche Aufgabe: Aufbau der Küche, Lagerfeuer entfachen, Kochen, Trinkwasserversorgung oder Aufbau der Toilette.

 

Eine Regel im Grand Canyon ist: »Was du auspackst, musst du auch wieder einpacken!« So auch mit dem Toillettengang. Alle Gruppen, die den Grand Canyon befahren, müssen spezielle Boxen als Toilette benutzen, um alles sauber zu halten. Selbst die Asche vom Lagerfeuer muss aus der Schlucht gebracht werden. Ein Feuer darf nur in einer speziellen Pfanne, die auf Beinen und einem feuerfesten Teppich steht (damit nichts auf den Boden fallen kann), gezündet werden. Danach wird die gesamte Asche gesammelt und ordentlich gefaltet in den Mülleimer geleert.

Wir trafen uns alle in Flagstaff, eine Stadt in Arizona nahe am Einstieg der Expedition. Alle Mitglieder der waren erfahrene Kajakfahrer und Raftguides, mit Ausnahme von Robert, er war Wildwasserneuling und ist mit dem Grand Canyon ins kalte Wasser gesprungen.

Die momentane Außentemperatur der Nacht lag bei circa -10° Celsius. Wir hofften, dass es in der Schlucht ein wenig wärmer sein würde, denn sie liegt circa 1500m tiefer als Flagstaff. Trotzdem haben wir uns gründlich auf Minustemperaturen vorbereitet. Trockenanzug, mehrere Lagen von Thermo-Unterwäsche, Neoprenhauben, Paddelpfötchen und Wärmepads für die Füße waren die Standardausrüstung. Dennoch verspürten wir eine gewisse Unsicherheit, denn sobald wir einmal in die Schlucht eingefahren sein würden, gäbe es kein Zurück mehr.


Bevor wir die Boote zu Wasser lassen konnten, hatten wir ein Meeting mit dem Ranger David Chapmann. Er prüfte unsere Dokumente und Sicherheitsausrüstung und hat uns über die Regeln, die im Grand Canyon zu befolgen sind, aufgeklärt.


Von Anfang an war die Landschaft ein Hammer. Ich erwartete, dass die Umgebung in 17 Tagen irgendwann mal langweilig werden würde, jedoch war dem nicht so. Je  weiter die Reise am Fluss ging, desto tiefer hat sich der Colorado in den Sandstein gefräst. So durchfuhren wir verschiedenste Gesteinsschichten und Zeitepochen. Auch die Stromschnellen waren mit Hermit, Radwall, Lavafalls usw. nach den Gesteinsschichten benannt. Das Licht- und Schattenspiel der Felswände ließ uns immer wieder nach Abbildungen in den Gesteinsformen suchen. Die perspektivischen Verschiebungen hauchten den Felswänden Leben ein. Es war oft schwer zu begreifen, wo ich gerade war und was ich gerade machte, jeder Moment war einzigartig und unvergesslich. Täglich riss uns der Colorado mit seinen Stromschnellen aus unseren Tagträumen. Die Stromschnellem waren nicht schwer, jedoch zeigte der Colorado seine Kraft mit seiner Wasserwucht und Dimension. Die Wellen waren teilweise so riesig, dass man glaubte, bei einem Haus in den zweiten Stock zu paddeln. Die Rapids machten so viel Spaß, dass wir die Boote schulterten und sie mehrmals paddelten. Wir kamen auch in den Genuss, mehrere Hikes in verschiedene Täler und Seitencanyons zu machen.

Es gibt sehr viele Regeln im Grand Canyon. Das ist jedoch kein Wunder. Denn seit 1912 haben circa 180 Millionen Leute den Nationalpark mit dem Raft, zum Hiken oder nur für einen Tag besucht. Es ist klar, dass diese Menschenmassen einen ökologischen Fingerabdruck hinterlassen. Durch diese Regeln wird versucht, die Umwelt so gut wie möglich zu schonen.


Einmal mehr sahen wir, dass die Paddlerwelt eine Kleine ist. Wir trafen alte Bekannte: Markus Leppänen mit seiner Freundin Maria Stelzig. Die Beiden waren ebenfalls auf einer Mamutreise durch die USA unterwegs (Nähere Infos www.time4cahrity.com.) Wir hatten die Chance gemeinsam Weihnachten mit Christbaum, Sternspritzern und jeder Menge Geschenken zu feiern.


Im Laufe der Expedition hatten wir uns an die Ruhe und Einsamkeit gewohnt. Wieder in die Zivilisation zurückzukehren war ein absurder und ferner Gedanke. Als es dann  jedoch so weit war, wurden wir ein bisschen sentimental und wünschten uns die Expedition würde noch länger dauern.

Wir würden sofort wieder eine Tour durch den Grand Canyon machen. Das nächste Mal auch wieder im Winter. Erzählungen zu Folge wird im Sommer der Grand Canyon mit allen möglichen schwimmenden und motorisierten Gefährten befahren. Die Lagerplätze sollen überfüllt sein und die Temperaturen so heiß, dass es unmöglich ist zu schlafen. Es darf nur im Winter ein Lagerfeuer gemacht werden, allein deshalb lohnt es sich diese Expedition im Winter durchzuführen.Die Chancen, dass man ein Winterpermit gewinnt, stehen recht gut, man muss die Lotterie spielen. Wer nicht spielt, kann nicht gewinnen! Viel Glück an alle!


Mehr Berichte und alle Infos über David und Svetlana gibt’s auf deren Blog: krismayr.blogspot.de.