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Touren

Georgien – Wildwasser im Schatten des Kaukasus

 Touren, Reisereportagen

Die Kaukasusregion gilt als ein Herd notorischer Instabilität am Rande Europas. Doch jenseits des Schwarzen Meeres erwartet Besucher längst mehr als Korruption und Krise. Ein kleines Land macht derzeit von sich reden als facettenreiches Urlaubsziel par Excellence. Und neben Weinkennern und Kulturfans lockt der südliche Kaukasus vor allem Outdoorsportler jeder Couleur. Willkommen in Georgien, einer Paddeldestination allerester Güte.

Der Pshavis Aragvi ist der erste Bach von Tbilisi aus. Ganz hinten im Tal wartet dieser Wasserfall auf Adrenalinjunkies.

Ein kleines Land mit Bergen hoch bis zum Himmel. Gott hat es gut gemeint, mit dem von Gebirgen und (Binnen-)Meeren umschlossenen Flecken am Rand Europas. Und auch mit den Paddlern: Das regenreiche Schwarzmeerklima in Verbindung mit im Gletschereis gespeicherten Wasserreserven überzieht Georgien mit einer Fülle von Flüssen, Bächen, Wasserläufen. Die Saison reicht vom Spätwinterregen im März bis zum Ausklang der Gletscherschmelze im Oktober. Gleich zwei mächtige Gebirgszüge sind Voraussetzung für das steil gen Tiefland schießende Wasser: Im Norden an der Grenze zu Russland gebären die Eisfelder des Großen Kaukasus die großen Ströme Westgeorgiens, deren Oberläufe im Stile von Ötz und Isel zu Tale stürmen. Zudem verstecken sich in den Seitentälern wild-verblockte Creeks mit meist klarem Wasser. Im Süden des Landes spannt sich die deutlich ältere Gebirgskette des Kleinen Kaukasus von der türkischen bis zur aserbaidschanischen Grenze. Die Flüsse dort führen viel weniger Sedimente mit sich, die Gebirgshebung liegt lange Zeit zurück. Die Landschaft ist trotz ebenfalls großer Höhen sanfter geschwungen, Flussbetten und Stromschnellen sind deutlich strukturierter als im Norden.

Im Mittellauf nimmt das Gefälle ab. Dafür lauern Hindernisse anderer Art ... | Foto: Gio Dushenko

Doch egal, ob Großer oder Kleiner Kaukasus – Reisen in Georgien ist viel mehr als  Paddeln. Das Land an der Schnittstelle zweier Kontinente ist reich an Spuren aller möglichen Völker und Epochen. In der Altstadt der Kapitale Tbilisi (vielen Deutschen unter dem Namen Tiflis bekannt) stehen orthodoxe Kirchen, Synagogen und Moscheen Seit an Seit. Überlagert wird das Stadtbild stets von den immer noch zahlreichen Relikten der kommunistischen Zeit. Plattenbauten ragen neben ländlichen Behausungen auf, sozialistische Monumentalarchitektur kontrastiert mit herrschaftlichen Bürgerhäusern. Auf den Straßen dominieren deutsche Import-Kfz, nichtsdestotrotz staunen Oldtimer-Freunde immer wieder über perfekt erhaltene Limousinen aus Sowjetproduktion. Weite Landstriche sind seit der Wende nicht übersehbarer Armut anheimgefallen. Noch liegen Nettoeinkommen und Bruttosozialprodukt weit unter denen der westlichen Schwarzmeeranrainer Bulgarien und Rumänien. Legendär sind hingegen georgische Gastfreundschaft und Trinkkultur. Wo immer in Georgien wir zu Fuß oder mit dem Bus ankamen, wurden wir herzlich begrüßt, nicht selten zu Speis und Trank an die gedeckte Tafel geladen.

Von der Eisenbahnlinie zwischen Borjomi und Akhalkalaki ist nichts mehr zu sehen. Nur dieser Wagon zeugt von vergangenen Schienenzeiten. Kajakfahrern markiert das Relikt den Einstieg zum Paravani und taugt perfekt fürs Gruppenfoto. | Foto: Boby Frieser

Seit der ersten Kajakreise im Juli 2011 bin ich zweimal ins Land zwischen den Bergen zurückgekehrt. Mehrere Wochen waren wir von Tal zu Tal gezogen, auf der Suche nach dem besten Wildwasser des Landes. Und die Auswahl ist groß: Ob das Hochtal von Kazbegi, durch das das graue Wasser des Tergi über endlose Wellenzüge der russischen Grenze zustrebt. Ob die wild zerklüftete Felsschlucht des Mtkvari, des größten Flusses des Landes, der auf dem Weg von Ostanatolien zum Kaspischen Meer das Land von West nach Ost durchzieht. Schon die Einsatzstelle ist hier einzigartig: Zu Füßen des durch ein Erdbeben freigelegte Höhlenkloster Vardzia an der Mündung einer heißen Schwefelquelle lassen wir nicht nur die Boote zu Wasser, sondern finden auch ein überaus idyllisches Plätzchen für die Nacht. Tskhenistskali und Rioni im Großen Kaukasus mit ihrem halben Dutzend Etappen lassen sich fast durchgehend vom hochalpinen Start bis ins zentralgeorgische Tiefland verfolgen. Wuchtwasser aller Klassen beschert die perfekte Etappe für jeden Geschmack. Seitenbäche wie Jeojora und Kheledula locken uns mit klarem Wasser, spritzigen Kiesbankschwällen und eng-verblockten Katarakten.

Auch dieses Jahr widmen wir eineinhalb Monate unserer Orientreise der Kaukasusregion. Wer wie wir Lust bekommen hat auf den wilden Osten, wird in einer der nächsten KANU-Ausgaben mit einer ausführlichen Georgien-Reisereportage bedient. Wer nicht so lange warten will, findet einen Vorgeschmack in englischer Sprache im Toros-Blog. Außerdem findet ihr auf der Website Infos zu geführten Touren im August und September. Gaumajos!

Anmerkung: Orts- und Flussnamen wurden zur besseren Verständlichkeit ins Englische transkribiert. Diese Schreibweise entspricht der lateinischen Version vor Ort.