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Touren

Hol’s der Geier! – Im Holzkajak rund um Cres und Lošinj

 Touren, Reisereportagen

In der nördlichen Adria findet sich ein wunderschönes Seekajakrevier, das mit allerlei Herausforderungen aufwartet. Zwei Brüder aus Österreich haben sich mit selbstgebauten Seekajaks dem Abenteuer gestellt.

Foto zur Umrundung von Cres und Losinj.
Zunächst noch mühsam, später ein Kinderspiel – das Packen der Boote.
Foto: Archiv Christoph Nitsch

Wir haben uns viel vorgenommen dieses Mal: In fünf Tagen wollen wir in die Inselgruppe Cres und Losinj in der nördlichen Kvarner-Bucht nahe Rijeka umrunden. Zwar hatte ich zunächst mit dem Gedanken gespielt, bereits die Überfahrt vom istrischen Festland aus im Kajak zu wagen. Doch die Macht des Maestral lässt uns von diesem Plan Abstand nehmen. Der mächtige Fallwind peitscht das Meer derart auf, dass wir eingedenk unserer mangelnden Paddelroutine auf die Autofaähre ausweichen. In Porozina angekommen parken wir unser Auto, richten unsere selbstgebauten, hölzernen Seekajaks her, verstauen unser Gepäck und legen ab. Schon während der Anreise konnten wir die vom Maestral getriebenen, weißen Schaumkronen auf der Adria sehen. In den Booten bekommen wir auf unserer 13 Seemeilen weiten Überfahrt zum Städtchen Cres – unserem heutigen Tagesziel – die volle Wucht des kalten Fallwinds zu spüren. Kräftige Dünung und eine steife Brise verlangen uns einiges ab. Doch mit der sinkenden Sonne schwächt sich auch der Wind ab, sodass wir im letzten goldenen Licht und ohne Zwischenfälle in der Inselhauptstadt ankommen. Wir versorgen unter neugierigen Blicken unsere Boote und finden ein nettes Plätzchen für die Nacht.

Foto zur Umrundung von Cres und Losinj.
An der Westküste Cres'.
Foto: Archiv Christoph Nitsch

Nach einem Frühstück mit frischen Croissants am Hafen füllen wir unsere Trinkwasservorräte auf und stechen wieder in See und steuern Kap Pernat an. Der natürliche Feind der Wassersportler in Kroatien heißt Bora – ein Fallwind aus östlichen Richtungen, der Stärken erreichen kann, die Paddeln unmöglich machen. Eine Bora würde unser Vorhaben beenden, die Inseln gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden, da wir nicht die Zeit hätten, eine solche Schlechtwetterphase auszusitzen. Von daheim bekommen wir Wetter-Routing und derzeit schaut alles gut aus für unser Vorhaben. Entschlossen nutzen wir das stabile Wetter und »fressen« Seemeilen.

Foto zur Umrundung von Cres und Losinj.
In den Felsufern finden sich immer wieder Höhlen und Grotten.
Foto: Archiv Christoph Nitsch

Nach dem Kap passieren wir das Leuchtfeuer Zaglav. In der Kiesbucht Žanja verlassen wir bei drückender Hitze die Boote für unsere Mittagsrast. Wir müssen die empfindlichen Kajaks parallel zum Strand ausrichten und dabei noch halbwegs elegant aussteigen – doch auch diese Hürde meistern wir ohne Probleme. Gemeinsam mit vielen Badegästen, die von Ausflugsschiffen in diese entlegene Bucht transportiert werden, besichtigen wir die »Blaue Grotte«, einen Felsendom, der unter Wasser eine Verbindung zum offenen Meer besitzt, durch die das Sonnenlicht die Grotte blau ausleuchtet. Am Nachmittag verlassen die Badegäste die Bucht wieder und wir genießen noch ein wenig die Einsamkeit. Mit nachlassender Hitze machen wir uns wieder auf den Weg und nehmen Kurs auf Lošinj. Auf direktem Südkurs können wir unser Ziel schon anhand der Berge auf der Insel identifizieren. Wir entscheiden uns für den kürzesten Weg zwischen den Inseln Zeca und Visoki hindurch direkt auf die Nordspitze von Lošinj zu. Wir hatten unser Tempo wohl anfänglich zu hoch angesetzt, denn knapp eine Seemeile vor der Küste und bei schwindendem Tageslicht verlassen Manuel rapide die Kräfte. Ich unterstütze ihn, indem ich ihn an die Schleppleine nehme. Unter Land legen wir die letzten Paddelschläge bis zur ersten brauchbaren Bucht zurück. Es dunkelt schon als wir anlanden und binnen kurzem faucht der Gaskocher mit unserem Abendessen vor sich hin.

Foto zur Umrundung von Cres und Losinj.
Seemannsidylle am frühem Morgen.
Foto: Archiv Christoph Nitsch

Der nächste Morgen empfängt uns mit bereits starkem Wind, der den Vormittag über noch kräftig zulegt. Unsere Geschwindigkeit sinkt immer weiter und wir entschließen uns, in einer menschenleeren Kiesbucht erstmal abzuwarten. Nachmittags hat der Wind nachgelassen und wir nehmen wieder Kurs auf Kap Kurila. Kurz nach dem Umrunden des Kap bekommen wir erneut stärkeren Seegang und werden von den Wellen, die von anderen Inseln reflektiert werden, gehörig aus allen Richtungen in die Mangel genommen. Bald erreichen wir die ?itak-Bucht, unser Tagesziel. Wir spazieren ins nahe Mali Lošinj und geniessen in einem Lokal am Hafen den Abend bei vorzüglichem Essen. Auch unsere Wetterdaten bringen wir auf den aktuellen Stand und freuen uns über eine gute Prognose für die nächsten Tage.

Foto zur Umrundung von Cres und Losinj.
Etappenziel geschafft: Ankunft in Veli Lošinj.
Foto: Archiv Christoph Nitsch

Früh krabbeln wir aus unseren Schlafsäcken und stechen in See. Das Wasser ist heute ruhig, fast ölig breitet sich das tiefe Blau der Wasserfläche vor uns aus. Plötzlich höre ich hinter mir ein lautes Platschen – Manuel ist gekentert. Mühsam lenze ich sein Cockpit, während Manuel schwimmend unsere Boote stabilisiert. Der viele Male geübte »Wet Entry« klappt auch auf hoher See. Kurze Zeit später umrunden wir Kap Kornu und wenden unseren Bug wieder nach Norden – der Wendepunkt liegt nun hinter uns. Einsam zieht die Südostküste von Lošinj an uns vorbei, nur ab und zu sehen wir ein paar Spaziergänger. Am späten Vormittag erreichen wir Veli Lošinj, ein kleines Fischerdorf mit bunten Häusern, welches auch den Stützpunkt der Delfinschützer von »Blue World« beherbergt. Ein kleines Museum informiert über die Meeressäuger, die im angrenzenden Schutzgebiet zahlreich vorkommen. Wir entfliehen der Mittagshitze in eine kleine Bucht und dösen im Schatten großer Bäume. Als wir nachmittags weiterpaddeln, steht uns die längste Querung über offene See bevor: knapp sechs Seemeilen ohne Möglichkeit anzulanden. Wir haben Glück und genießen bei spiegelglattem Wasser diese eindrucksvolle Passage.

Foto zur Umrundung von Cres und Losinj.
Nachtlager fernab der Zivilisation.
Foto: Archiv Christoph Nitsch

Ab hier sind die Küsten, die uns begleiten, sehr einsam. Nach kurzer Zeit sehen wir einen besonders großen Vogel die Felswand entlang streichen – einer der bekannten Geier von Cres. Hier befindet sich eine Population von Gänsegeiern, die sich an das Leben an der Küste angepasst haben. Im Laufe der nächsten Kilometer sehen wir immer wieder Exemplare auf den Felsen hoch über dem Meer sitzen oder die Felswände entlanggleiten – ein imposanter Anblick, können Gänsegeier doch Spannweiten von 280 Zentimeter erreichen. An der schroffen Küste paddeln wir weiter gen Norden. Eine kleine Höhle können wir mit unseren Kajaks befahren, werden aber durch die Gerüche der Hinterlassenschaften der Höhlenbewohner – Fledermäuse und anderes Getier – rasch vertrieben. Kaum verlassen wir die Höhle, taucht vor uns eine Delphinschule auf. Mit kräftigen Paddelschlägen versuchen wir mit den Tieren Schritt zu halten und bald werden unsere Kajaks akustisch sondiert. Leider trennen sich unsere Wege bald, noch einige Male hören wir das typische Blasen hinter uns.

Foto zur Umrundung von Cres und Losinj.
Nicht immer einsam: Paddelpause am Badestrand.
Foto: Archiv Christoph Nitsch

Mittlerweile kommt die Meerenge in Sicht, an der die Fähre von Cres nach Krk übersetzt. Das motiviert uns neu und wir umrunden Kap Selzine. Wir passieren Cres und fahren unter Ausnutzung der letzten Sonenstrahlen soweit wie möglich nach Norden – ist doch für den übernächsten Tag ein Wetterumschwung mit einer Bora angesagt. Nahe des Dörfchens Predoš?ica finden wir eine vermeintlich idyllische Bucht. Am südlichen Ende der Bucht sind einige Häuser in der Seekarte eingezeichnet, also landen wir am nördlichen Buchtende an. Kaum haben wir die Boote verlassen, hören wir schrille Rufe einer Frau vom anderen Ende der Bucht und bald nähert sich ein kläffender Vierbeiner und umkreist uns. Wenig später trifft der Besitzer des Hundes ein und macht uns unmissverständlich klar, daß wir hier nicht erwünscht sind. Missmutig bringen wir unsere Boote zu Wasser. In der ganzen Hektik kippe ich auch noch vor dem Schließen der Spritzdecke, sodass ich unter den Augen des Vertreibers mein Boot lenzen muss. Schließlich können wir los und paddeln noch zwei Buchten weiter, um sicher unsere Ruhe zu haben. Kaum haben wir uns häuslich eingerichtet, ertönt das Brummen eines Bootsmotors und wenig später taucht ein Fischerkahn auf, der mit einem Scheinwerfer das Ufer absucht. Wir werden zwar nicht entdeckt, da wir uns aber sowieso schon verfolgt fühlen und wenig Lust auf neuerliche Konfrontation haben, entschließen wir uns, auf der ruhigen, schwarzen See noch ein Stück weiterzupaddeln. Immer wieder begegnen uns Fischerboote, die mit Scheinwerfern die Buchten ableuchten. Offensichtlich gab es hier Probleme mit Campern, denn etwas ähnliches habe ich in Kroatien niemals zuvor erlebt.

Foto zur Umrundung von Cres und Losinj.
Geschafft! Nach 200 Kilometern wieder zurück in Porozina.
Foto: Archiv Christoph Nitsch

Das nächtliche Paddeln auf der spiegelglatten See ist eine schöne Erfahrung und wir legen noch eine gute Strecke zurück. Lautlos gleiten wir durch die Nacht und lassen bald das Dorf Beli links liegen. Irgendwann rebellieren unsere müden Arme – nach über 30 Seemeilen am heutigen Tag kein Wunder. Wir legen an und finden wenige Stunden unruhigen Schlaf.

Im Morgengrauen wassern wir die Boote und legen die letzten Meilen nach Porozina mit schmerzenden Armen und übermüdet zurück. Nach der Umrundung von Kap Jablanac werden wir von leichtem Nordwind unserem Ziel entgegen getragen. Rechter Hand sehen wir die Bucht von Rijeka und bereits vor zehn Uhr vormittags laufen wir in den kleinen Hafen von Porozina.