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Touren

Rumänien – zu Ostern in den Osten

 Touren, Reisereportagen

Ostern 2011: Walter Mück macht sich zusammen mit 15 Paddelkameraden auf den Weg gen Osten. Vor einigen Jahren entdeckten sie die Paddeldestination Rumänien für sich, nun wollen sie den Trip wiederholen. Vier voll bepackte Autos schlängeln sich zu den Quellflüssen des Theiss, um wunderbares Wildwasser zu finden. Letzte Schneefälle kurz vor der Abreise sorgen für perfekte Pegel, das späte Osterdatum verspricht schönes Wetter.

Bilder aus Rumänien von Walter Mück.
Es muss nicht immer Österrreich sein: Wunderschöne Schluchten und gemäßigtes Wildwasser auf dem Lapus.
Foto: Walter Mück

Wir sammelten unsere Wagenkolonne früh morgens, um den Kamp und die Donau abwärts bis Budapest zu reisen. Von dort aus querten wir die Theiß in der ungarischen Tiefebene und folgten dem Samosz (Somesch) aufwärts durch Rumänien. Am späten Nachmittag entdeckten wir 20 Kilometer vor Baia Mare ein neues Hotel am Rand der ersten Hügel, das unsere große Truppe optimal versorgte.
 
Sonntag: Es ist nur ein kurzes Stück vom Hotel bis zum Ausstieg des ersten Flusses auf unserer Agenda. Der Lapusch verlässt bei Remetea das Hügelland und fließt träge dem Somesch zu. Es ist kaum zu glauben, dass oberhalb eine der größten einsamen Schluchtstrecken Mittel- und Osteuropas sein soll. Zumindest passt der Wasserstand: 25 Kubikmeter pro Sekunde sollten sicher reichen! Die Anfahrt zum Einstieg ist mühsam, denn in Rumänien ist Asphalt keine Garantie für flottes Fahren. Die kurvenreiche Strecke lässt uns schon ungeduldig werden, bis wir endlich, unterhalb von Targu Lapusch, den Startpunkt erreichen. Auch hier zeigt sich ein ruhiger Flachlandfluss ohne Ambitionen, doch der Schluchtbeginn lässt sich erkennen. 39 Kilometer liegen vor den Paddlern, eine lange Tagesetappe – ich werde inzwischen mit den Mädels die einzige Zufahrt nach ungefähr 27 Kilometern erkunden. Die südliche Straße ist noch abenteuerlicher – eine Romasiedlung, kaum Wegweiser, Schotter und schließlich: Keine Verbindung zur gesuchten Brücke. Über Umwege gelangen wir von Ciolt in die Schlucht, gerade eine halbe Stunde, bevor die Paddler nach vier Stunden Fahrzeit eintreffen. Sie sind begeistert von der tiefen Schlucht, Kalkwände, flotte Schwälle, vor allem auf den letzten beiden Kilometern (WW I-III). Einige Paddler wechseln, jetzt darf auch ich die letzten zwölf Kilometer auf den Fluss. Bis zur Mündung des Cavnic-Baches folgen noch schöne Engstellen in tiefer Waldschlucht (WW II), dann öffnet sich das Tal und wir erreichen die erkundete Ausbootstelle. Spät abends kehren wir in unser bewährtes Hotel zurück und feiern den tollen Einstieg.
 

Bilder aus Rumänien von Walter Mück.
Und dann wirds doch mal voll: Wenn neun Paddler auf ein Foto wollen, wirds kuschelig.
Foto: Walter Mück

Von Baia Mare geht es morgens über enge Serpentinen auf den 987 Meter hohen Gutai Pass und abwärts ins Tal der Mara, welche der Region Maramuresch den Namen gibt. Diese Gegend ist bekannt für Holzschnitzarbeiten, jeder Zaun, jede Tür und jedes Brunnenhaus ist ein Kunstwerk. Wir aber stürzen bei der ersten Brücke aus den Autos um den Wasserstand zu erkunden - vor acht Jahren zu wenig, jetzt stimmt er! Sieben Kilometer des flotten Wildbaches erledigen wir quasi im Vorbeifahren, dann geht die Reise weiter die Iza aufwärts, wir besichtigen die neue Klosteranlage in Barzana und gelangen wieder über einen Pass südwärts ins Tal der Salauta. Hunger und Durst quälen bereits die Gefährten, sodass wir spontan die nächste Gaststätte ansteuern und mit zunehmender Ungeduld die Zubereitung einiger Forellen abwarten. Der Bach ist wenig anziehend, die Stimmung sinkt merklich. Doch nur vier Kilometer weiter finden wir vor Telciu das neue Hotel Sonia mit Hallenbad und Streichelzoo (zwei Wölfe), wir sind optimal versorgt. Trotz Morgenfrost finden sich einige Paddler für die Salauta, die sich als netter Wildbach mit kleinen Einlagen (8 Kilometer WW I-II) herausstellt. Gespannt warten heute aber alle auf einen der versprochenen Höhepunkte – die östlich benachbarte Rebrasoll soll im Oberlauf ein richtig alpiner Wildbach sein, der zudem direkt vom höchsten Berg der Ostkarpaten, dem Pietrosul (2303 Meter) kommt. Der Mittellauf gefällt uns bereits, wir fixieren eine Ausbootstelle, doch dann verschmutzen Bauarbeiten den Fluss, von der wir oberhalb einsteigen wollten. Leider wird auch oberhalb von Parva der Fahrweg alpin, mit Anhänger und Wohnmobil müssen wir nach drei Kilometern kapitulieren. Diesen wunderschönen Schluchtteil mit glasklarem Wasser lassen wir uns aber auf der Zunge zergehen. Wildwasser II-III ohne die üblichen zivilisatorischen Uferzierden (»Gebetsfahnen«). Nun hat vor allem mein Auto großen Durst, fünf Liter sind zu wenig, die Paddelkameraden müssen mich 60 Kilometer bis zur nächsten Tankstelle schleppen. Hier in Sangeorz finden wir aber auch gleich wieder ein großartiges neues Hotel, noch dazu an einem unbekannten Bach gelegen, der Cormaia. Noch in den Abendstunden schaffen einige Unentwegte den dritten Bach des Tages (5 Kilometer WW II).

Bilder aus Rumänien von Walter Mück.
Sommer, Sonne, Sonnenschein? Falsch: Ostern, Sonne und Tibau.
Foto: Walter Mück

Der nächste Tag beginnt mühsam. Hier am Talende des Großen Somesch führt nur eine Straße auf den 1271 Meter hohen Rotundapass ostwärts über den Karpatenhauptkamm. Laut Hinweisschild ist er geschlossen. Die Polizei meint, es ginge schon. Wir wollen nicht mehr zurück, die Straße schaut zunächst gut befestigt aus. Als aber nach endlosen Kehren auf schmaler Piste doch Schneereste dazukommen, werden wir nervös und sind sehr erleichtert, die Passhöhe zu erreichen. Schnell sind wir unten an der Goldenen Bistritz, die wir schon vom Jahr 2003 kennen. Wir wollen heute noch zu dem berühmten Kloster von Moldovita (am gleichnamigen Fluss). Nach Würdigung dieses 700 Jahre alten, reich mit Malereien verzierten Kunstwerkes findet sich nur eine kleine Gruppe, die auch dem leider durch ein Katastrophenhochwasser verwüsteten Fluss einen Besuch abstattet. In den Abendstunden paddeln wir zwölf Kilometer durch riesige Schotterbette bis zum Hotel Mario.
 
Vom östlichsten Punkt geht die Reise nun wieder retour. Die Goldene Bistritz zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Die Wasserführung ist so gut, dass wir sogar einen linken Seitenbach, die Tibau, sechs Kilometer paddeln können (WW I), dann folgt die »Goldene« mit dem sportlichen »Rechtkatarakt« unterhalb von Sesuri, den auch Rudi und Helga im Gummiboot gut meistern. In den Abendstunden queren wir den 1416 Meter hohen Prislop Pass, wo noch reichlich Schnee liegt. Hier entspringt die Vischeu (Wischau), der wir jetzt weiter folgen. Wir erreichen unser letztes wichtiges Ziel Viseu de Sus rechtzeitig, um im geplanten Hotel Gabriela einchecken zu können. Ohne Stress genießen wir morgens wieder ein reichhaltiges Frühstück, wir haben unser Programm einen Tag schneller als erwartet absolviert! Gespannt fahren wir zum Bahnhof der Wassertalbahn. Wir wollen prüfen, ob unsere Reservierung für den nächsten Tag klaglos funktioniert. Nachdem wir gleich den Vereinsobmann treffen, geht alles wie am Schnürchen: Dampflok statt Diesel, Bordverpflegung, Routenbesprechung – alles kein Problem! Wir haben auch Zeit, unseren Bootsanhänger in Ordnung zu bringen, der von endlosen Schlaglochserien und Bergstraßen schwer gezeichnet ist. Einen Fluss habe ich auch noch in Reserve, die nahe gelegene Ruscova, vor acht Jahren geringschätzig »berutscht«, diesmal ein flotter Fluss mit einigen wuchtigen Katarakten auf den letzten fünf Kilometern (WW II-III). Hier im Grenzgebiet leben die »Rusken«, eine ukrainisch sprechende Gruppe, erkenntlich an kyrillischen Ortsschildern. An die »Gebetsfahnen« im Ufergehölz haben wir uns schon gewöhnt. Das Wasser selbst ist nicht so schmutzig, der Fluss gefällt allen sehr gut.