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Touren

Salzburg - heimliche Hauptstadt des Creekens

 Touren, Reisereportagen

Paddelgeschichte wird nicht nur in Patagonien oder Hinterrussland geschrieben. Auch vor der eigenen Haustür kann man den Sport um neue Facetten ergänzen. Zumindest, wenn man in einer vom Herrgott besonders bedachten Gegend lebt, so wie Robert Machacek und Daniel Egger.

Foto vom Creeken um Salzburg.
Der magische Moment der Kante – Robert am Stromboding-Fall der Steyr.
Foto: Archiv Robert Machacek

Die Schneeschmelze im Salzkammergut gab in diesem Jahr ein eher kurzes Gastspiel. Doch irgendwann kam er, der Regen. Jedes Mal, wenn der Himmel sich verdüsterte, zuckte ein Lächeln über die Gesichter der jungen Österreicher. Sie wussten, was zu tun ist. Um ihr Ziel zu finden, war kein Navigationsgerät vonnöten. Jeder Handgriff, mit dem sie der Erfüllung ihrer Mission näher kamen, war hundertfach geübt. Nur auf den richtigen Zeitpunkt kam es an. Als das Geschenk des Himmels im Bachbett angelangt, das Boote ins Wasser gesetzt und die Abrisskante fest im Visier ist, sind die Gesichtszüge glatt, der Kiefer leicht gepresst, die Paddelschläge entschlossen und fest. Ein kurzer Moment der Gischt, ein letzter, der wichtigste Schlag. Boot und Pilot heben ab. Den warmen Hauch des Aufwinds spürt er nicht, die Haare glatt unterm Helm, der Rumpf im Panzer der Schwimmweste. Die Spitze des Kajaks berührt das weiße Wasser, der Rest des Bootes folgt Sekundenbruchteile mit einem harten Schlag. Nur einzelne Wasserspritzer benetzen das Gesicht des Paddlers. Die Mimik verzerrt sich für Millisekunden, der Mund öffnet sich, ein lauter Schrei hallt von den Wänden des Kolks wider, der in einem befreienden Lachen seinen Höhepunkt findet.

Foto vom Creeken um Salzburg.
Schon die Zufahrt zum Stromboding schenkt den Paddlern nichts.
Foto: Archiv Robert Machacek

»Trotz einiger offener Projekte war es uns dieses Jahr kaum vergönnt, Neuland zu betreten«, resümiert Robert Machacek. »Einzig der Frauenweißenbach erlaubte es uns im Spätsommer, eine bisher vermutlich unversuchte Linie zu befahren. Mit dem letzten Wurmkanal auf der linken Seite hatte ich seit einigen Jahren eine Rechnung offen. Dort hatte sich schon vor Jahren mein Boot verewigt, auch wenn ich wegen technischer Probleme vorher das sinkende Schiff verlassen musste.« Der 25-jährige Salzburger glaubt, dass es an den stark schwankenden Wasserständen lag, dass dieses Frühjahr keine Heldenepen geschrieben wurden. »Entweder war es zu trocken, oder es regnete so viel, dass an Paddeln nicht zu denken war.«

Dafür geizte der Herbst nicht mit Trümpfen und lockte mit Klassikern wie dem Stromboding-Wasserfall der Steyr, Gesäuseeingang und Kummerbrücke der Enns oder dem Defereggenbach in Osttirol. Einen Teil seiner Befahrungen haben Robert und seine Kollegen des Creek-Kollektivs V-Boyz auf Video festgehalten.

Foto vom Creeken um Salzburg.
Daniel Egger bei der Erstbefahrung einer Rutsche der Gasteiner Ache.
Foto: Archiv Robert Machacek

Nicht jeder Versuch ist von Erfolg gekrönt. So mussten Robert und Daniel Egger, ebenfalls ein Local Hero aus dem wasserfallverwöhnten Schladming, einen lang gehegten Plan noch am frühen Vormittag begraben. Mitte August nutzten die beiden das Gold der Morgenstund, um am Obersulzbach anzugreifen. Doch obwohl das Taxi zum Shuttle schon bestellt war, sprach der unregulierte Gletscherbach im Pinzgau eine deutliche Sprache. Selbst der Pegel der Standardstrecke war satte 30 Zentimeter zu hoch. An die Wasserfälle und hakligen Schluchtes des Oberlaufs war nicht zu denken. Zum Glück liegt Plan B in der Schublade. Die Bärenklamm der Fuscher Ache stand schon lange auf der Liste. Nur zur Besichtigung des Felsenspalts am Fuß des Großglockners hat's bis jetzt noch nicht gereicht. 60 Kilometer und einige Seitentäler der Salzach weiter wussten die beiden, warum hier noch keiner sein Kajak abgeladen hatte. »Egal, jetzt oder nie. So schnell kommen wir hier nicht mehr zum Zug.« Wer den Sport weiterbringen will, muss sich schon mal selbst ein wenig Mut zusprechen. Am Ende ist man immer schlauer. »Nach dem gut machbaren Eingangsfall, standen wir auch gleich vor der ersten weiträumigen Portage. Leider war das nur der Auftakt. Zweieinhalb Stunden später waren wir zahlreiche Umtragen aber nur wenige Paddelmeter weiter. Entnervt entschlossen wir uns, abzubrechen.«

Den Tag gerettet hat schließlich das Gasteiner Tal. Dort konnten wir eine elf Meter hohe Rutsche mit zwei 90-Grad-Kurven erstbefahren. Robert hatte dieses Projekt schon länger im Auge. Und es ist nicht das einzige im Tal. Aber davon mehr, wenn die Zeit reif ist.

Mehr von Robert und Daniel gibt's auf den Seiten der V-Boyz.

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