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Touren

Zwei Flussgötter im hohen Norden

 Touren, Reisereportagen

Wer Tatshenshini sagt, muss auch Alsek sagen. Diese beiden Flüsse sind der einzige Weg, um von den Ebenen des Yukon Territory auf kurzer Strecke direkt die Küste von Alaska zu erreichen. Und dieser Weg durch die grandiose Eiszeitlandschaft der Coast Mountains ist atemberaubend und anstrengend.

Bacon, French Toas und Cowboy-Kaffee –auch das Frühstück in der Raftbase vor dem Start entspricht allen Klischees.
Foto: Michael Neumann

»Not suitable for open canoes – nicht geeignet für offene Kanadier.« Dieser Satz aus einer Tat-Beschreibung der Flussführerautoren Lyman, Ordonez und Speaks geht mir nicht aus dem Kopf, als vor uns die steilen Schluchtwände enger zusammenrücken und sich das entscheidende Tor zur atemberaubenden Berglandschaft des Tatshenshini und Alsek nähert: schon wenige Kilometer unterhalb des Einstiegs bei Dalton Post befinden sich die schwersten Stellen der kommenden acht Tage. Die Stromschnellen der sieben Kilometer langen Eingangsschlucht des Tatshenshini haben klingende Namen wie »Black Bear Rapid«, »M&M Falls« oder »The Wall«, sollen aber bei unserem mittleren Wasserstand nicht über WW III+ herausgehen. Eigentlich müsste das für meine Partnerin Isa und mich im offenen Kanadier kein Problem sein: wir sind ein eingespieltes Team. Die noch fehlenden Erfahrungen von Isa im Wildwasser kann ich durch jahrelange Routine kompensieren. Vor allem weiß ich aber, dass ich mich auf Isa verlassen kann, wenn ich rechtzeitig klare Befehle an meine Schlagfrau übermittele. Das haben unsere Trainingsausflüge auf der Salza und auf der Friedhofsstrecke der Soca gezeigt. Dennoch bin ich ziemlich nervös. Keiner unserer achtköpfigen Truppe (Kathi, Linda, Mirjam, Olaf, Michael und Stephan in Kajaks, Isa und ich im 16-Fuß-Prospector) kennt die Strecke; niemand weiß genau, was auf uns zukommt. Und unser Begleitraft mit den kanadischen Guides Debbie und Jeff ist weit hinter uns.

Der obere Abschnitt hat es in sich. Im Kandier heißt es hier: möglichst trockenbleiben.
Foto: Michael Neumann

Langsam tasten wir uns voran, von Kehrwasser zu Kehrwasser, vorsichtig um die Ecken lugend. Ich habe kaum einen Blick für die steilen ockerfarbigen oder schwarz-braunen Schluchtwände. Mein Tunnelblick konzentriert sich auf die Verblockung, die Verschneidungszonen und das nächste erreichbare Kehrwasser. Das Gefälle nimmt zu, mehr und mehr Steine liegen im Fluss und zwingen uns zu immer exakteren Manövern. Der Trick im offenen Kanadier auf Wildwasser ist, möglichst trocken durch Wellen und Walzen zu kommen um damit manövrierfähiger zu sein. Wir haben zwar große Auftriebskörper im Boot vertäut, aber jeder Liter Wasser im Boot will auch bewegt sein und zuviel davon macht das Boot schwer und unhandlich. Also fahren wir eher defensiv und wählen oft andere Routen als die Kajakfahrer, die durch die dicksten Wellen rauschen. Wir schrammen auf schmalem Pfad möglichst an den größten Brechern vorbei. Lohn der Mühe ist, dass wir nur selten anlanden und ausleeren müssen. Mit jeder Stromschnelle, die wir erfolgreich hinter uns lassen, wächst das Zutrauen, lässt die Nervosität nach, kommt die Routine zurück. Nur zweimal war es richtig knapp. Und beide Male konnten wir das Boot, das schon bis zum Süllrand aufgekantet war, dank der hervorragenden Endstabilität des Prospectors noch ausstützen. Glück gehabt, vor allem weil das zweite Mal nach den eigentlichen Hauptschwierigkeiten der Schluchtstrecke war und eine Kenterung an dieser Stelle eher peinlich als verdient gewesen wäre. Schließlich erreichen wir Silver Creek, unser erstes Camp. Leider ist der schönere Platz schon von einer Gruppe Rafter besetzt, aber sie haben nichts dagegen, dass wir uns einige hundert Meter stromauf niederlassen.

Tatshenshini und Alsek – zwei Traumflüsse

Tatshenshini und Alsek, zwei Flussgötter im Doppelpack.
Foto: Michael Neumann

Tatshenshini und Alsek, zwei klingende Namen, die an vielen Lagerfeuern als die absoluten Traumflüsse gehandelt werden. Sie sind die einzigen nennenswerten Flüsse des Yukon Territory, die nicht in den großen Yukon selbst entwässern oder nach Nordosten in Richtung Mackenzie und Hudson Bay fließen. Der Alsek, und auch sein größter Nebenfluss, der Tatshenshini – liebevoll »Tat« abgekürzt – haben sich den direkten Weg durch das vergletscherte und bis zu 4500 Meter hohe Küstengebirge gefräst und durcheilen auf ihrem Lauf auch das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet der Erde, zu dem unter anderem Kluane National Park (Kanada) und Glacier Bay National Park (USA) gehören. Diese atemberaubende Bergwelt beherbergt auch das weltgrößte zusammenhängende Gletschergebiet außerhalb der Polarregionen.

Sicher ist sicher.
Foto: Michael Neumann

Der Tat entspringt auf 910 m über dem Meer in den Hochmooren nahe des Haines Highway in der kanadischen Provinz British Columbia. Nach einem kurzen Schlenker ins Yukon Territory bei Dalton Post kehrt er flugs nach BC zurück und mündet schließlich in den von Norden kommenden Alsek. Bis hierher hat er 790 Höhenmeter abgebaut. Die Meisten davon verliert der Tat auf den ersten Kilometern, mehr oder weniger parallel zum Haines Highway. Hier werden Tagesfahrten mit dem Wildwasserschlauchboot angeboten, die Schwierigkeiten liegen im Bereich von Wildwasser zwei bis vier.
Dalton Post ist der Einstieg für die langen Expeditionen in Richtung Küste. Bis auf die Wildwasserschwierigkeiten bis III+ am ersten Tag wartet der Fluss ab hier mit WW II auf. Dennoch sollte er nicht unterschätzt werden und ist nur erfahrenen Kanuten vorbehalten. Bei einer Kenterung im grautrüben Eiswasser ist bei der streckenweise immensen Flussbreite und der hohen Strömungsgeschwindigkeit mit einer langen Schwimmstrecke zu rechnen. Die Gefahr einer Unterkühlung ist enorm hoch.
Kurz nach der Einmündung des Tat fließt der Alsek über die amerikanische Grenze in den US-Bundesstaat Alaska, durcheilt den mit Eisbergen gesprenkelten Alsek Lake um dann in Dry Bay in den Golf von Alaska zu münden. Berüchtigste Stelle des Alsek ist der Turnback Canyon, von Walt Blackadar 1971 unfreiwillig erstbefahren. Dieser liegt aber weit oberhalb der Einmündung des Tatshenshini. Der Alsek ist hier, nahe Petroglyph Island, ein gewaltiger Strom. Er wirkt wie ein mehrere Kilometer breiter See, der von rechts heranströmt. Ein See allerdings, der mit 8 oder 9 km/h zu Tale strömt. Von Dry Bay muss man dann mit dem Flugzeug in die Zivilisation zurückkehren, es gibt keine Straße dorthin.

Paddeln in der Postkarte auf dem unteren Tatshenshini.
Foto: Michael Neumann

Der Rücktransport per Buschflieger ist aber nur eine der zahlreichen Hürden, die vor einer Befahrung von Tatshenshini und Alsek stehen. Dadurch, dass man auf dem Wasserweg in die USA einreist, muss vorher das notwendige Einreisevisum eingeholt werden. Dazu bedarf es einer weißen Weste, da die USA selbst hier am Rande Alaskas ihre strikten Anti-Terror-Bestimmungen befolgen. Leider ist meine Weste durch ein Missgeschick mit der Rückgabe des I-94 Belegs vor 16 Jahren nicht mehr ganz so weiß: in meinem Datensatz steht seither »subject to inspection« drin – Überprüfung notwendig! Zum dritten Mal muss ich mir am Grenzposten bei Haines mein Fehlvergehen vorwerfen lassen, den Sachverhalt von damals erklären, mich freundlich entschuldigen und bekomme, nach einer ernsten Belehrung (»It's not a given right to travel into the US, it's a privilege!«) schließlich doch den Stempel.
Außerdem verlangen die Nationalparkregeln ein gültiges Permit für den Fluss und es gilt: »leave nothing but footprints, take nothing but photos«. Da man maximal Fußabdrücke hinterlassen darf, muss jeglicher Abfall wieder mit zurückgenommen werden. Das bedeutet die Mitnahme von portablen Toiletten. einer Feuerpfanne und bärensicheren Müllcontainern. Das lässt sich alles mit etwas Zeitaufwand und Erfahrung selbst organisieren. Wer es einfacher haben will, kann sich an lokale Outfitter wenden, die einem diese vorbereitenden Arbeiten abnehmen und auf dem Fluss das Catering übernehmen – so wie wir.

Alaskas Revolverheld

Eine der schillernsten historischen Gestalten dieser Gegend ist der Revolverheld Jack Dalton. Geboren 1859 in Kansas, verschlug es ihn auf der Flucht vor dem Gesetz (er hatte in Oregon und in Alaska Männer erschossen) an den Oberlauf des Tatshenshini. In den Jahren des Klondike-Goldrausches entdeckte er einen alten Pfad der Tlingit-Indianer wieder, der direkt von Haines in Alaska zum Yukon bei Whitehorse führte. Über diesen etwas längeren Chilkat-Trail konnte man den beschwerlichen Aufstieg auf den berühmt-berüchtigten Chilkoot-Pass bei Skagway umgehen. Persönlich führte Dalton Goldsucher und Abenteurer über diesen Pfad und legte die Etappen so, dass sie an seinem kleinen Handelskontor, eben Dalton Post am Ufer des Tatshenshini, übernachten mussten und sich für die weitere Reise verproviantierten. 1890 wurde Jack Dalton vom Journalisten Edward James Glave angeheuert, um entlang des Tatshenshini den direkten Weg zum Golf von Alaska zu erkunden. Zu Fuß erreichten sie ein Dorf der Tlingit am Ufer des Tat und mieteten sich dort ein sechs Meter langes und ein Meter breites Einbaum-Kanu. Mit zwei indianischen Bootsführern fuhren sie den wilden Tatshenshini hinab. Glave schrieb in einem bebilderten Artikel in »Leslie's Illustrierter Zeitung«: »Wir legten ab und schossen hinaus in die Strömung und wurden vom rasenden Strom herumgewirbelt. Der Fluss, durch mehrere ins felsige Tal geschnittene Rinnen rauschend, wird an manchen Stellen durch Bergflanken eingeengt, die seine Ufer bilden. Seine Kräfte bündeln sich dann in einer tiefen, reißenden Strömung, die mit einer unglaublichen Geschwindigkeit dahinrast und sich brüllend über die aufgezwungene Einschränkung beschwert. Unser kleiner Einbaum, könnerisch gesteuert, schießt über diese unordentliche Fläche, sein scharfer Bug schneidet durch die Wellen, Gischt durchnässt uns, aber wir nehmen kaum Wasser über.«

Das Camp am Melt Creek, Romantik pur.
Foto: Michael Neumann

Auch wir schießen im Eiltempo auf dem grauen Gletscherwasser durch weitverzweigte Kiesbänke, entlang steiler Fels- und Sandufer, durch grünen Wald und vorbei an lila leuchtenden Hängen, die dicht mit Fireweed – Yukons Nationalpflanze – bewachsen sind. Obwohl wir ja auch schon lange nicht mehr im Yukon sind, sondern schon längst in British Columbia.
Die schillernsten Gestalten unseres Trips sind für mich aber unsere beiden Guides von Tatshenshini Expediting aus Whitehorse: Jeff Cousins und Debbie Schwartz. Sie rudern nicht nur unsere Gepäckberge und die Verpflegung für acht Tage und zehn Personen auf ihrem Raft, sondern bieten nebst guter Laune und Hilfsbereitschaft auch eine hervorragende Küche: Arctic Char, asiatisches Gemüse mit Reis und Hühnchen, mexikanische Tortillas mit verschiedenen Füllungen und Moose Stew sind nur einige der sättigenden und leckeren Abendessen. Schönes Wetter wird mit einem Schokoladenkuchen aus dem Dutch Oven gefeiert. Und morgens, wenn wir aus dem Zelt kramen, steht die Kaffeekanne schon auf dem Feuer und in der Pfanne brutzeln Eier und Speck.

Mit dem Kanu zum Bär auf dem Tatshenshini

Bären gibt es hieroben einige.
Foto: Michael Neumann

Alle sind zufrieden, nur meine Isa noch nicht so richtig. Seit sie in der Buchhandlung in Whitehorse in einem Bärenbildband eine Nahaufnahme eines zähnefletschenden Grizzlies gesehen hat, will sie unbedingt auch so ein Foto schießen. Bären gibt es zuhauf hier oben im hohen Norden, mehr als Menschen. Davon zeugen Tatzenabdrücke im weichen Ufersand, als wir an einer schönen Stelle zur Mittagspause anhalten. Dabei wird viel erzählt und gelacht. Irgendwann sagt einer: »Wenn die Mädels so einen Radau machen, sehen wir nie einen Bären!« Alle Jungs nicken und grinsen und ich lasse den Blick schweifen. Siehe da, Meister Petz läuft eilig über eine Kiesbank, viel weiter flussab. Bis wir dann selbst an diese Stelle kommen, ist der aber schon über alle Berge und im dichten Unterholz verschwunden. Das ist nicht die einzige Bärenbegegnung. Am Towagh Creek Camp läuft ein Prachtexemplar von Grizzly am anderen Flussufer auf eine andere Gruppe zu, die in höflichem Abstand zu uns ihr Lager aufgeschlagen hat. Durch lautes Rufen machen wir den Bären auf sie und die Menschen auf den Bären aufmerksam. Geschlossen geht die Gruppe dem Bär entgegen, der macht sich flugs ab in die Büsche. Am nächsten Morgen erfahren wir, dass der Bär im großen Bogen um ihr Lager herumgegangen war und dann über den Fluss geschwommen und in Richtung unseres Camps gewandert ist. Wir haben ihn nicht bemerkt. Am Melt Creek beobachten wir einen Bären, der planlos auf einer Kiesbank herumwandert, mal hierhin, mal dorthin. Obwohl er mit bloßem Auge nur als kleiner Punkt zu erkennen ist, meint Jeff, dass er uns sicher schon gewittert hat. Michael beobachtet dann mit dem Fernglas, dass der Grizzly schließlich über den Fluss schwimmt und im Wald verschwindet. Lange Rede, viele Bären. Isa möchte weiterhin näher ran an die Tiere. Mir ist es allerdings recht, dass sie uns wahrnehmen, respektieren und weiträumig umgehen.

Eindeutig Norden. Die Eisberge faszinieren, sind aber auch nicht ganz ungefährlich.
Fotot: Michael Neumann

Mit jedem Tag auf dem Fluss dringen wir weiter in die Bergwelt der Coast Mountains ein. Leider lässt uns das Wetter im Stich, es wird kälter und regnerischer. Die Wolken hängen tief im engen Tal und auf den Bergen liegt frischer Neuschnee. Der Tatshenshini ist so, wie ich ihn mir vorgestellt habe und wie er in zahlreichen Berichten beschrieben ist. Gletschergrau, eisekalt, die Landschaft atemberaubend grandios, das Wetter unbeständig, die Temperaturen eher in Kühlschrankregionen,  das Wildwasser machbar. Nur kentern und aussteigen ist verboten. Im eiskalten Fluss zu schwimmen, im reißenden Strom, der im D-Zug-Tempo zu Tale rauscht? Nein danke! Angst fast keine, Respekt schon, die Konzentration und das Verantwortungsgefühl sind ganz oben am Limit. Im Canyon am ersten Tag war der Fluss deutlich schwerer, da enger und verblockter. Nach einer Kenterung wäre man allerdings auch relativ schnell am Ufer gewesen. Wohl ohne größere Konsequenzen. Hier unten, auf dem immens breiten Strom, sieht das schon ganz anders aus. Ein Materialverlust wäre wahrscheinlich und das rausschwimmen aus der reißenden Strömung ein langer, kalter, kräftezehrender Kampf. Ich mag gar nicht daran denken. Die stetige Konzentration, das Abschätzen der richtigen Routen, strengt auf Dauer mächtig an.

Sehnsuchtsort Melt Creek

Das schönste Lager liegt am Melt Creek, einem türkisblauen Nebenfluss der sich widerwillig mit dem Grau des Tatshenshini mischt. Die Paddelstrecke bis zu diesem Camp ist relativ kurz und so haben wir den Nachmittag frei und können das Camp und dessen Umgebung genießen. Vier Täler in den vier Himmelsrichtungen: der Tat, von dem wir kommen; Melt Creek von links, direkt aus den Eisfeldern der Gletscher; von rechts kommt der Alsek hinzu und nach vorne geht's weiter, die drei Flüsse vereinigt und unsere Route für morgen. Darüberhinaus heben sich die Wolken und machen Platz für die Sonne. Mit zunehmend blauer werdendem Himmel und schönem Licht kann man immer mehr Details und Vistas in diesem grandiosen 360°-Panorama entdecken. Herrlich! Hier noch etwas mehr Zeit haben, einige Tag bleiben ...

Selbst bei Schnürlregen: ein Feuer wärmt Füße und Seele.
Foto: Michael Neumann

Leider hält das schöne Wetter keinen weiteren Tag an. Ab dem Walker Glacier paddeln wir dem erneut aufkommenden Sauwetter entgegen. Der Regen wird stärker und stärker, fast eisig; durch den starken Wind kommt er uns beinahe waagerecht entgegen. Jeder kämpft für sich allein, nur vorwärts, vorwärts. Mirjam, die wie Isa nur mit wenig Wildwassererfahrung aufwarten kann, hat es am schwersten. Isa ist im Zweierkanadier wenigstens nicht so allein mit den widrigen Elementen. Aber wir halten durch und eine kleine Snackpause hebt die Stimmung und weckt neue Kräfte. So richtig spannend wird es dann, als wir den »Channel of Death« erreichen. Zum Glück hat der Regen nachgelassen. »Kanal des Todes« heißt die Einmündung des Alsek in den Alsek Lake. In diesen kalben vier Gletscher direkt in den See. Je nach Wind, Strömung und Anzahl der Eisberge kann es vorkommen, dass die Mündung des Alsek in den See so versperrt ist, dass ein Durchkommen durch die Eismassen unmöglich ist. Wir steigen auf den Hügel von Bear Island (die bei unserem Wasserstand gar keine Insel ist) um uns die Lage von oben anzusehen. Der Blick zeigt keinerlei Probleme für die Durchfahrt, obwohl meine Paddelkollegen alle irgendwie nervös erscheinen. Die Eisberge rotieren zwar in den riesigen Kehrwässern links und rechts der Mündung, aber die Durchfahrt selbst ist frei. Als wir dann zwischen den hausgroßen Eisbergen durchpaddeln sind wir sehr beeindruckt von den zahlreichen Farben, den Formen und Texturen der schwimmenden Kolosse.

Topp, die Wette gilt: Wir kommen wieder und bringen Sonne mit.
Foto: Michael Neumann

Vom Alsek Lake und unserem Lager am Gateway Knob ist es nur noch eine Tagesetappe bis zum Ziel, der Landepiste in Dry Bay, wo wir dann per Flugzeug abgeholt werden. 216 Kilometer auf zwei der schönsten Wildflüsse durch eine überwältigende Naturlandschaft liegen hinter uns. Nur den Satz »Not suitable for open canoes!« kann ich wahrlich nicht bestätigen. Da passt für mich eher die Beschreibung von Sepp Puchinger aus KANU 1/98: »Die Herausforderungen des Tatshenshini besteht nicht im Bezwingen einzelner Extremstellen, sondern angesichts der Ausgesetztheit und des Wildwassers darin, alles richtig zu machen. Die grandiose und zugleich gnadenlose Wildnis verzeiht keinerlei Fehler.«


Ein Tatshenshini-Video gibt's bei 4-Seasons TV.
Außerdem findet sich hier ein super Artikel über die gleiche Tour, jedoch von Stefan Glocker: »Der kalte Bruder«.

Wen es in die nördlichen Gefilde zieht findet hier vielleicht noch einige Anregungen: 10 Reisetipps für den Yukon.

Flussinfo: Tatshenshini und Alsek

09.10.2012

Unterwegs auf Tat und Alsek

Die Befahrung von Tat und Alsek zählt zu den schönsten und intensivsten Kanutouren überhaupt. Auch nichtpaddelnde Partner können das exklusive Vergnügen erleben und auf den Begleitrafts mitfahren.