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Touren

Malediven zum Nachpaddeln

 Touren-Tipps & Flüsse, Afrika und Asien

Die Malediven liegen im Indischen Ozean und bestehen aus rund 1200 Inseln, von denen nur ein Sechstel bewohnt ist. Die Hauptstadt Male, die Flughafen-Insel Hulule und die meisten Tourismus-Resorts liegen im Nordatoll, Richtung Süden wird es immer einsamer.

Türkis-klares Wasser und ein Strand ganz für sich allein. Das lässt Paddlerherzen höher schlagen. | Foto: Sven Schellin

Geographisch gliedert sich das Gebiet in 26 Atolle (ringförmige Riffstrukturen mit großen, mehrere zehn Kilometer breiten Lagunen), verteilt auf eine Nord-Süd Ausdehnung von über 900 Kilometern. Die Auswahl einer Route ist da alles andere als einfach. Wie touristisch darf die Gegend sein? Welches Budget habe ich für die Logistik? Welchem sportlichen Anspruch (Entfernung der Inseln zueinander) bin ich gewachsen?


Die Tourismuszone konzentriert sich auf die zentralen Atolle. Weiter im Norden oder Süden wird es einsamer. Die Hochburgen des Tourismus im Nord- und Südmale bzw. Ariatoll gilt es zu meiden. Die ressortarmen Destinationen heißen Thaa, Llamu und Huvadhoo im Süden bzw. Haa Dhaal, Shavihanni und Noonu im Norden. Die Atolle besitzen jedoch allesamt einen höchst unterschiedlichen Charakter hinsichtlich Größe, Besiedlung, Inseldichte und schützendem Saumriff. Im Norden herrschen eher offene Strukturen vor: kein geschlossenes Ringriff, oft große Entfernungen zwischen den Inseln. Insgesamt ein anspruchsvolles Revier.

Abends gibt’s dann zur Stärkung am Lagerfeuer frisch gefangenen Fisch. | Foto: Sven Schellin

Im Süden wird es kompakter. Laamu ist keine 25 Kilometer im Durchmesser und recht dicht besiedelt (Fischfangzentrum), jedoch ideal für einen Kurztrip von zehn Tagen. Das Nachbaratoll Thaa ist ebenso interessant, hat logistisch jedoch keinen lokalen Flughafen und eine 15 Kilometer große Lücke in der Inselkette! Das große, aber geschlossene Huvadhoo Atoll ganz im Süden erfüllt alle Anforderungen am besten, insbesondere jene hinsichtlich vieler unbewohnter Inseln.

 

Male, die Hauptstadt. Klar, um diese kommt man ohnehin nicht herum. Einzigartig und anders – der krasse städtische Gegensatz zum gemütlichen Inseldorf. Ruhig einen Tag extra einplanen.

 

Flughafeninseln wie Hanimadhoo sind lokale Drehscheiben ohne eigenen Charakter, dennoch praktisch für die Ankunft mit der nötigen Infrastruktur. Touristische Inseln wie Utheemu mit einer besonderen Sehenswürdigkeit (der Palast des Nationalhelden in diesem Fall) wie Hawittas (aus buddhistischer Zeit) oder besonders alten Moscheen bieten Abwechslung zum Paddeln. Befindet sich in der Nähe ein Resort, sind die Leute sehr auf Dienstleistung geschult, ohne jedoch zum Abzocken zu neigen. Tatsächlich haben wir in Utheemu viele Geschenke und einen fairen Zimmerpreis erhalten.

Als Paddler ist man bei den Einheimischen so gut wie überall willkommen. | Foto: Sven Schellin

Besonders schöne Inseldörfer wie Nellaidoo: sauber, harmonische Bebauung und intakte Gemeinschaften. Beim Entspannen im Udoli (Hängesitz) oder einer Palmbalkenplattform spürt man den ruhigen Rhythmus der Gemeinde. Diese Inseln sind Empfehlungen für das Verweilen über die Pause hinaus. Hier kann man Kontakte suchen und nutzen.

 

Unbewohnte Inseln wie das sichelförmige Fushifarurah mit weicher Innen- und harter Riffaussenkante sind der Traum eines jeden Paddlers. Tatsächlich ist es ein Erlebnis, eine kleine Insel mal für sich zu haben, auch wenn sich die Romantik mit der Zeit zugegebner Maßen abnutzt. Man kann allerdings durch Aktivitäten wie Angeln die Abendgestaltung bereichern. Insgesamt sollte man allerdings tolerant gegenüber dem Restmüll der Einheimischen vom letzten Picknick sein. Tropische Wildnis ist das oft nicht.

Üppige, tropische Vegetation säumt stellenweise die Strände der Inseln. | Foto: Sven Schellin

Alle Infos:

Fast schon kitschig: Krabbeninvasion am Strand ... | Foto: Sven Schellin

Beste Reisezeit

Von Dezember bis März geht der Nordost-Passat, das heißt es herrschen trockene, leichte Winde von Nordost vor. Das stabile Hochdruckwetter liefert die besten Bedingungen. Danach beginnt die Regenzeit mit besonders stürmischen Monaten im Mai, Juni und Juli. Das ganze Jahr über bestehen ausgeglichene Temperaturen von rund 30° C. Der starke Einfluss des allumgebenden Meeres liefert geringe Unterschiede zwischen Tag und Nacht (nie unter 26°C!) Lokale Besonderheiten beachten! Die Monatskarten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie geben großräumig zu einzelnen Atollen Auskunft (www.bsh.de). Kurzfristig liefert sogar www.wetteronline.de eine Vorhersage!

 

Karten

Die bekannten Händler bei Mapfox, Amazon oder im GeoCenter liefern brauchbare Übersichtskarten (1:900.000 bzw. zentrale Teile in 1:350.000). Topographische Karten spielen bei der besonderen Geographie (nur 1% Landfläche, einzelne Inseln selten größer als mehrere hundert Meter) praktisch keine Rolle.

 

Seekarten der britischen Admiralität und der amerikanischen Navy sind im Maßstab 1:300.000 bzw. 1:200.000 verfügbar (Quelle: www.hansenautic.de). Der Nutzen für Paddler ist jedoch begrenzt. Die beste Kartenquelle waren die Sattelitenbilder von Google Earth. Zusammengepuzzelt aus einzelnen Bildschirmkopien in gewünschter Zoomstufe (Photoshop hilft;), mit geographischem Gitternetz versehen, hochauflösend ausgedruckt und wasserdicht laminiert, ergänzt durch Angaben der Wikimaps zu Besiedlung und geographischen Namen (siehe z.B. en.wikipedia.org/wiki/Huvadhu_Atoll) ergaben die perfekte Kartenbasis.

 

Nautische Bedingungen

Große Gezeitenströme sind nur zwischen den Atollen relevant. Ebbe und Flut sind jedoch in Flachwasserbereichen und in den Kanälen zum Außenriff zu beachten. Gezeitenkalender gibt es nicht zu erwerben, aber jeder Malediver kennt sie auswendig. Berechnungsprogramme (www.wxtide32.com) sind mäßig hilfreich. Die für die Seeschifffahrt relevanten Untiefen, welche in den Seekarten kenntlich gemacht werden, sind für Paddler unkritisch. Oberflächenströmung resultierend aus der Hauptwindrichtung (laut Seekarte rund 1K), ist nur in großen bzw. offenen Atollen (mehr als 30 Kilometer Durchmesser) von Bedeutung. Das stabile Hochdruckwetter in der Hauptsaison liefert (mit Ausnahmen!) meist sehr ruhige Bedingungen auf dem Wasser. Ein Ringriff schützt in jedem Fall vor großen Dünungswellen mit entsprechender Brandung. Innerhalb der geschlossenen Atolle bzw. im flacheren Wasser der Lagunen ist man weniger ausgesetzt.

Idylle Pur. Die Malediven laden zum Abschalten und Innehalten ein. | Foto: Sven Schellin

Paddelbedingungen

Angesichts der verführerischen Bilder sollte man sich keine Illusionen machen, um vor Ort nicht enttäuscht zu werden. Das Paddeln kann auch alles andere als paradiesisch sein. Paddeln ist in 70 Prozent der Zeit kein Funsport, sondern Mittel zum Zweck, ein Transportmittel. Ausdauer und Geduld sind gefragt. Man muss Hitze und Langeweile ertragen können. Das gilt besonders für lange Überfahrten, grundsätzlich aber auch auf unspektakulären Fahrten im Tiefblau. Der Rücken und das Sitzfleisch werden sich melden, wenn man über drei Stunden monoton am Stock zieht. Weste, ggf. Seesocke, Spritzdecke, Sonnenbrille und Mütze distanzieren vom erfrischenden Nass.

 

Anreise

Mehrere große Flugunternehmen fliegen die Malediven an, z.B. Air Berlin oder Condor – günstig ist die Last-Minute-Variante (www.ltur.de), darüber kann man mit ein bisschen Glück sogar Flüge zwischen 200-500 € ergattern! Den Zug zum Flug gibt es für 33€ hin und zurück. Der Transport von Sportgepäck erfolgt für 40 € Aufpreis pro Strecke. Reisepass mit mind. 6 Monaten Gültigkeit genügt. Der Inlandflugverkehr hat überraschend günstige Übergepäckpreise (80ct/kg) – entscheidend für eine Reise Booten im Gepäck. Hier gibt es jedoch Beschränkung in der Größe. Infos: www.maldivian.aero. Fährverbindungen sind äußert rar: www.mtcc.com.mv.

 

Gesundheit

Impfungen sind bei der Einreise nicht vorgeschrieben. Es herrschen keine tropischen Krankheiten (z.B. Malaria), keine gefährlichen Tiere (z.B. Haie), kaum Moskitos. Die Hygiene sollte jedoch an kleinen Wunden eingehalten werden, um Infektionen zu vermeiden. Jede Gemeinde verfügt über eine eigene, gut ausgestattete Krankenstation!

 

Ausrüstung

Hochseetaugliche Boote (Faltboot entsprechend ausgerüstet mit Seesocke und Auftriebskörpern oder abgeschottete Seekajaks), Steck- und Reservepaddel sowie Schwimmwesten, Lenzpumpe, GPS (mit Lithiumbatterien) inkl. vorab gespeicherter Wegpunkte (z.B. bewohnte Inseln), Weltempfänger, Handy (!), Kugelkompass, luftiges Zelt, KEIN Schlafsack, maximal ein Seideninlet, Isomatte, Hängematte, Kocher, Minigrill

 

  • Kleidung: lange Hose, langes Hemd/Shirt als Sonnen- und Blickschutz, Sandalen, Sonnenhut.
  • Lebensmittel: Ein Grundvorrat an Fertigessen für ein paar Tage kann man mitnehmen, die Versorgung in lokalen Gemeinden (nie weiter als 30 Kilometer entfernt) klappt aber auch sehr gut.
  •  Sonstiges: Sonnencreme, Bioseife, Wasserentkeimer, Wassersäcke (30l, keine natürlichen Süßwasservorkommen!), Schnorchelausrüstung, kleines Angelset, Medikamentenauswahl, Stirnlampe, Lesestoff.

 

Geld 

Maledivische Rufiyan (z. Zt. 1 €= 21,24 MVR) - Geldautomaten sehr selten (nur in größeren Gemeinden!).

 

Sprache

»Dhivehi« (Mischung aus Indisch und Arabisch, welche je nach Region auch deutliche Dialekte hervorbringt) - Einheimische unter ca. 50 Jahren haben oft sehr gute Englischkenntnisse (Amtssprache in Schule).

 

Religion

Alle Malediver sind praktizierende Muslime. Der Islam ist Staatsrelegion! Wichtig: Anpassung insb. der weiblichen Kleidung an die bekannten Regeln (Bedecken von Oberkörper einschließlich Schultern und Unterkörper bis zu den Knien) und das Einhalten entsprechender Verhaltensregeln! Auch Männer in Shorts sind grenzwertig. Nacktheit ist vor Allem in der Öffentlichkeit strikt verboten!

 

Inseln

Kennt man eine, kennt man alle? Von wegen! Wie viele Inseln wir denn auf unserer Reise bisher besucht haben, wurden wir oft gefragt. Je mehr, desto besser, schien es. Die Anerkennung stieg mit der Anzahl. Dennoch reicht es völlig aus, je einen Vertreter von verschiedenen Typen zu kennen.

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