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Touren

Mittlere Fulda

 Deutschland, Hessen

Ein gespenstischer Nebel­ hängt über dem Fluss und gewähr­t uns nur einen verschleierten Blick auf das malerische Fachwerkensemble der Altstadt von Rotenburg. Kaum, dass wir uns vom Ufer abgestoßen haben, verschluckt uns der Nebel. Wir haben genug Zeit und Muße mitgebracht, um diese Grusel­atmosphäre zu erleben und kommen uns vor wie Geisterpaddler. Es geht durch das wiesen­reiche Tal, das beidseit­s von bewaldeten Höhen­zügen eingefasst ist. Aber davon bekommen wir erst einmal wenig mit. Durch den Frühnebel dampft das Wasser wie ein Waschkessel. Die Fulda zeigt sich breit und friedlich und trägt uns mit einer steten Strömung fort.

Foto bzw. Grafik zum Tourentipp »Mittlere Fulda«.
Am Start in Rotenburg nebelt es romantisch.
Foto: Ditmar Bode

Erst ganz allmählich schälen sich aus dem graue­n Einerlei Buschgruppen am Ufer heraus. Es wird merklich heller, das Licht freund­licher. Eine neuerliche Verwandlung des Flusses. Zarte Nebelschleier steigen geistergleich aus dem Wasser. Die Bäume am Ufer beugen sich nach vorn und betrachten ihr Spiegelbild. Dann reißt der Nebe­l vollständig auf und macht dem Sonnenschein Platz, das Schauspiel ist vorbei. Das langsame Wasser kündigt das Wehr in Altmorschen an. Da es sich bei den selbst zu bedienend­en Schleusen an der Fulda zum Teil um alte Bauwerke handelt und diese pfleglic­h behandelt werden wolle­n, umtragen wir lieber über die Schleuseninsel. Es folgt die beängstigend hohe Brück­e der A7. Ab Binsförth verhelfen kleine Schwälle zu flotter Fahrt. Auf dem Gelände des WVM Melsungen schlagen wir unser Zelt für die Nacht auf und sammeln Kraft für die zweite Etappe – die natürlich mit dickem Nebel­ beginn­t.

Foto bzw. Grafik zum Tourentipp »Mittlere Fulda«.
Die Zweitagestour auf der Fulda führt bis vor die Tore Kassels.

Charakter: Die Fulda ist ein Wanderfluss ohne Schwierigkeiten und für alle Bootstypen geeignet. Landschaftlich eindrucksvolle, steil abfallende Waldhänge begleiten in weiten Teilen den Flusslauf. Die Touretappen betragen 29,3 Kilometer am ersten Tag und 23,7 Kilometer am zweiten Tag. Wer länger paddeln will, kann schon in Bad Hersfeld starten (23 Kilometer bis Rotenburg) oder in Kassel ausbooten (weitere 12 Kilometer).


Beste Zeit: Prinzipiell ist die Fulda ganzjährig fahrbar. Ideal sind jedoch die ersten warmen Tage im Frühsommer oder die letzten Sommertage bei stabilem Hochdruck im September/Oktober, wenn der mystische Bodennebel entsteht. Da die Tour in zwei Tagen gut machbar ist, kann man den Hessenklassiker auch gut außerhalb der langen (und vollen) Feiertagswochenenden im Mai/Juni einplanen. Anders als auf ihrer enorm salzhaltigen Schwester Werra kann es auf der Fulda im Winter schon mal zu »Schollenbildung« kommen.

Gefahren: Wehranlagen mit Schleusen in Neumorschen, Melsungen und Guxhagen; alle drei sind problemlos zu umtragen bzw. zu schleusen. Infotafeln für die richtige Selbstbedienung beachten.

Einstieg:
Rotenburg (Fluss-Kilometer 12,5) unter der Straßenbrücke. Der Bahnhof ist etwa 500 m entfernt. Fürs Navi: Rotenburg an der Fulda, Am Kies, Kreuzung Kettengasse.

Ausstieg: Guntershausen (Fluss-Kilometer 65,5) an der Straßenbrücke. Der Bahnhof ist 500 Meter entfernt. Fürs Navi: Guntershausen (Baunatal), Bahnhaus, Kreuzung Streckweg.

Pegel: Link auf www.kanu-nordhessen.de. Zu wenig Wasser zum Paddeln gibt es auf der Fulda jedoch nur selten; gleiches gilt für Hochwasser, da das Einzugsgebiet überschaubar ist.

Befahrungsregeln:
auf dem hier beschrie­benen Abschnitt erfreulicherweise keine.

Anfahrt: A7, Ausfahrt 83, Malsfeld, dort Richtung Spangenberg/Rotenburg.

Shuttle: PKW, aber auch mit der Bahn möglich. Bahnverbindungen: www.bahn.de.

Übernachtung: auf dem Gelände des Paddelclubs WVM Melsungen (Internet: www.wvm-melsungen.de) direkt am Fluss. Der Bahnhof ist keinen Kilometer vom Bootshaus entfernt – falls man am Abend schon das Auto ein Stück nachholen will.

Kanu-Verleih:
www.kanutours-fulda.de (Fulda), www.kanutouristik-mitte.de (Göttingen), www.wassersportzentrum-kissler.de (Kassel).

Alternativen: Wer mehr Zeit mitbringt, kann auch über den Zusammenfluss mit der Werra in Hannoversch Münden (wo beide Flüsse ihren Namen büßen müssen) hinaus auf dem Oberlauf der Weser weiterpaddeln. In dieser Kombination ist die Strecke eine der schönsten Sommer-Gepäckfahrten in Deutschland. Oder man kombiniert mit der Werra, die den Reizen der Fulda kaum nachsteht und deren Flusstal zudem noch geringer besiedelt ist.

Infos: Kanu Kompass Deutschland Mitte, Thomas Kettler Verlag, 1. Auflage 2002, ISBN 3934014046, 19 €. Eine Neuauflage für 2011 ist in Planung.
Internet: www.rotenburg.de, www.melsungen.de, www.kassel.de.