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Touren

Frankreich: Paddeln im Jura

14. Mai 2013

Zum Glück entschieden sich Ben Jung und seine Freunde für einen Paddeltrip nach Frankreich ins Jura, anstatt wie geplant ins Tessin zu fahren. Schließlich wurden sie dort gleich doppelt belohnt: mit einer atemberaubende Landschaft und einigen Wildwasserabfahrten unter besten Bedingungen auf der »Saine« und dem »Doubs«. Fazit des Trips: Da wird in Zukunft öfter gepaddelt!

Text: Ben Jung

Kaum zu glauben, wir hatten Ende April und der langersehnte Frühling ließ sich immer noch nicht blicken. Das Wochenende nahte und schon wieder sollte es in Richtung Tessin gehen. Sicherlich keine falsche Entscheidung, wobei die Wettervorhersage nichts Gutes verhieß. Der angekündigte Regen kam uns Paddlern zwar gelegen, aber bei Dauerregen und 5 Grad Außentemperatur wollte nicht so wirklich Stimmung aufkommen. Spontan änderten wir unseren Plan und visierten stattdessen das Jura Gebirge in Frankreich an. Zwar sollten auch dort die Temperaturen in Richtung 5 Grad fallen, ausbleiben sollte aber dafür der ungeliebte Dauerregen, der schnell mal sämtliche Flüsse unbefahrbar werden lässt. Im Nachhinein die richtige Entscheidung. Freunde von uns entschieden sich für ein paar nette Paddeltage im Tessin und wurden von extrem hohen Wasserständen überrascht. »Verzasca« mit über 100 Kubik und alle anderen kleinen Bäche hatten sich ebenfalls in reißende Flüsse verwandelt.


Vor Ort im Jura bei Saint-Gorgon-Main angekommen, ein kleines Dorf nahe Pontarlier, fragten wir uns, warum wir diesen Fleck zum Paddeln bisher ausgelassen hatten. Das Jura überzeugt auf Anhieb durch seine eher ungewohnte Geologie. Charakteristisch dafür sind die zahlreichen, schräg gestellten und ungefalteten Schichtstufen, die durch Erosion entstanden sind. Höchster Berg ist der Crêt de la Neige mit 1720 m. Wie der Schwarzwald benötigt auch das Jura eine gute Schneeschmelze oder reichlich Regen für ordentliche Wasserstände.

Unser erstes Ziel sollte am Samstagmorgen der Fluss »Le Loue« sein. Der Einstieg ist bei seiner Quelle, auch »Source de Le Loue« genannt. Vor Ort angekommen, bekamen wir ein geniales Naturschauspiel zu Gesicht. Der gesamte Bach kommt aus einem etwa 150 Meter hohen Felsmassiv und geht unmittelbar danach in drei schöne Stufen über. Leider befindet sich gleich im Anschluss ein Kraftwerk, das an diesem Tag für die anschließende »Lou« Schlucht die benötigten 10-15 Kubik abzwackte. Somit war eine Befahrung nicht möglich. Ohne viel Zeit zu verschwenden, fuhren wir zum zweiten Fluss »La Saine« nahe der Ortschaft Syam. »La Saine« hat zwei Abschnitte. Wir entschieden uns für den unteren, der laut Karte 3 km Wildwasser 4-5 bietet. In einer etwa 100 Meter tiefen Schlucht, umringt von Felsschichten, wurden wir mit schönstem Wildwasser belohnt. Über mehrere kleinere Stufen und kurzen Katarakten gräbt sich der Fluss in Richtung Ortschaft Syam. Highlight ist sicherlich eine Kombi, die aus einer etwa 4 Meter hohen Stufe besteht, gefolgt von zwei je nach Wasserstand wuchtigen Rutschen.


Angesichts der nicht gerade typischen Temperaturen entschieden wir spontan in einer nahegelegen Jugendherberge zu übernachten. Für 13 Euro pro Nase bekamen wir ein Haus für uns alleine, selbstverständlich mit warmer Dusche und Küche. Unsere gastfreundlichen Franzosen kamen uns sehr entgegen und versorgten uns spontan mit Wodka und Wein. Wobei der Vodka mit Tabasco gemischt wurde, was etwas gewöhnungsbedürftig war.

Sonntag früh starteten wir in Richtung Einstieg unseres nächsten Flusses »Le Lemme«. Nach Begutachtung der Fotos, die wir einer französischen Kajakseite entnommen hatten, waren wir absolut heiß auf diesen Bach. »Le Lemme« fließt fast überwiegend parallel zu einer Straße und lässt sich folglich sehr gut einsehen. Leider hatte der Fluß zu wenig Wasser und so konnten wir nur frustiert einige sehr schöne Stufen und Katarakte bewundern. Schade, aber wir hatten ja noch auf dem Rückweg einen Abschnitt des wohl bekanntesten Flusses des Juras vor uns. »Le Doubs« hat im oberen Teil einen sehr kurzen Abschnitt, der nur aus Rutschen besteht. Mit knapp einem Kilometer bietet es sich an, mehrmals dessen sehr faire Rutschen zu paddeln. Gestartet wird an einem Wehr, bevor es in eine kleine Schlucht geht, die komplett von der Straße aus eingesehen werden kann. Obwohl wir gerne länger geblieben wären, mussten wir nach etlichen Fahrten wieder in Richtung Heimat fahren. Vielleicht sind es die Leute dort, die einem sehr entspannt begegnen oder die zahlreichen Flüsse, umgeben von einer wunderschönen Bergkulisse. Das Jura ist auf alle Fälle einen Trip wert und wird für uns in Zukunft öfter ein Reiseziel sein.

 

Unter www.eauxvives.org können bei Interesse Informationen zu den Flüssen und Wasserstände eingesehen werden. Wer der französischen Sprache mächtig ist hat dabei sicherlich einen erheblichen Vorteil...

Hier noch das Video vom Trip: