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Touren

Bober - Wilder Tourenfluss in Südwestpolen

 Touren-Tipps & Flüsse, Osteuropa

Flussinfo: Der Bober (polnisch: Bobr)

Der Bober ist der zentrale Fluss Süd-Westpolens zwischen Neiße und Oder.

 

Geografie: Der Bober entspringt nahe Bobr und Schatzlar im tschechischen Rehorngebirge (743 m ü.d.M.) und fließt von der nördlichen Abdachung der Westsudeten ins Hirschberger Tal, von wo er den Weg nordwärts durch das schlesische Tiefland nimmt. Dabei bildet der Bober mit ähnlichen Bögen und Schwüngen ein 50 Kilometer weiter östlich liegendes Abbild der Lausitzer Neiße. Seine Gestalt entwickelt sich jedoch im Gegensatz zum deutsch-polnischen Grenzflüsschen zu einem imposanten Fluss, der im Mittel- und Unterlauf von weit ausholenden Tälern und Auenlandschaften geprägt ist. Nach 268 Kilometern mündet der Bober bei Krosno Odranskie (38 m ü.d.M.), ehemals Crossen, in die Oder.

 

Paddelroute: Der Oberlauf führt in privilegierter Lage durch das Hirschberger Tal am Fuße des Riesengebirges und damit an einer Reihe prominenter Herrschaftshäuser vergangenen schlesischen Adels vorbei. Für Wasserwanderer hat diese Schönheit jedoch einen nicht geringen Makel, denn mit Booten ist sie nur schwer zugänglich. Ein erhöhtes Gefälle macht die Befahrbarkeit des Oberlaufs stark von den Wasserständen abhängig. Im Sommer kann in der Regel erst nördlich von Jelenia Gora, dem ehemaligen Hirschberg, ab der Bobertalsperre von einer passablen Wasserwanderroute die Rede sein. Als frühester Einstieg empfiehlt sich Wlen, nördlich von Jelenia Gora hinter der Talsperre. Von hier sind es knapp 180 Kilometer bis zur Mündung. Doch auch wer hier die Reise beginnt, sollte bereit sein und Freude daran haben, sich durch unwegsames Terrain zu quälen und Wehre nicht als reine Zeitverschwendung ansehen. Wem das alles eine willkommene Abwechslung zu den schnöden Trips durch Spreewald und über Seenplatten verspricht, der wird mit dem Erlebnis einer genuinen Landschaft belohnt. Das Boberland ist überraschend urtümlich und hat wenig gemein mit den gewohnt überkultivierten Flusslandschaften Mitteleuropas. Gerade für jene Paddelenthusiasten, denen die Verheißung wilder Wälder, unendlicher Plackerei und der Klang rauschenden Wassers eine unwiderstehliche Verlockung ist, die jeden gesunden Verstand besiegt, ist der Bober das Ende der Suche nach einem echten Abenteuerterrain.

 

Befahrungshinweise: Bei Regenfällen und Schneeschmelze schiebt der Bober gewaltige Wassermassen aus den Westsudeten nordwärts, die ihn im Ober- und Mittellauf bei Gepäckfahrten zu einem anspruchsvollen Paddelgewässer machen. Die Durchflussmengen können enorm variieren. Dementsprechend reguliert ist der Flusslauf. Es gibt viele Wehre (in den seltensten Fällen befahrbar und nur unkomfortabel zu umtragen) und ein Rückstaubecken unterhalb von Jelenia Gora und kurz vor der Mündung bei Krosno Odranskie. Obwohl der Bober aus dem Rückstabecken bei Jelenia Gora in der Regel kontinuierlich mit Wasser gespeist wird, ist das keine Garantie für die obligatorische Handbreit Wasser unterm Kiel. Um Lwowek Silesian gibt es viele Tagebaurestlöcher, die mit Hilfe des Bobers als Wasserleitung geflutet werden. So kann es vorkommen, dass der gut ausgerüstete Wasserwanderer plötzlich mit Gepäck und Boot auf dem Trockenen sitzt und eine Durststrecke lang auf seine Füße angewiesen ist.
Ab Boleslawiec, dem ehemaligen Bunzlau am Rande des Berglandes, führt der Bober durch die Niederschlesische Heide mit prächtigen Wäldern und versteppten Ebenen. Der Flusslauf bietet in diesem Terrain einigermaßen verlässliche Reisebedingungen. Allerdings entfaltet das Gefälle hier immer noch immense Kräfte, die zusammen mit periodischen Hindernissen und 11 weiteren Wehren bis zur Mündung einiges vom Reisenden abverlangen. Das besondere Highlight: Unterhalb von Nowogard Bobranski – der Bober ist hier bereits ein gemütlicher Binsenbummlerfluss – wird bei normalen Wasserständen der gesamte Durchfluss auf den letzten 40 Kilometern bis zum Stausee vor der Mündung in einen Wasserkraftwerkskanal abgeleitet. Das alte Flussbett wird hingegen nur von kleinen Zuflüssen gespeist und die Abflussminderung durch 33 mehr oder weniger intakte Staustufen ausgeglichen, die jedoch verhältnismäßig leicht zu überwinden sind.

 

Anfahrt: Für die Anreise aus Norddeutschland empfiehlt sich die A 15 über den Grenzübergang Forst/Bademeusel in Richtung Wroclaw (Breslau) – nach der Abfahrt Boleslawiec dem Flusslauf südwärts folgen. Für die Anreise aus Mittel- oder Süddeutschland nach Jelenia Gora ist hingegen die A 4 über Görlitz oder die Anfahrt über Zittau oder Tschechien geeignet.

 

Reiseinformationen: Das Wasser ist fast durchgehend klar und nur stellenweise durch aufgewirbelte Schwebstoffe eingetrübt. Bis auf einzelne, organisierte Touren von Veranstaltern ist der Bober bisher wenig erschlossen und wird nur gelegentlich von Individualreisenden in kleinen Gruppen befahren. Für denjenigen, der keine Infrastruktur mit Zeltplätzen, Marinas etc. erwartet, ist die Situation für Lagerplätze durchgängig gut; selbst im städtischen Raum sind meist ausreichend Möglichkeiten für ein Biwak vorhanden. Mit Ausnahme niederschlagsbedingter Hochwasser sollte als Faustregel für die günstigste Reisezeit gelten: Reisezeit = Badezeit.