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Touren

Telemark, Norwegen

 Touren-Tipps & Flüsse, Skandinavien

Korsika meets Mittsommer

Bei vielen WW-Paddlern gehört Norwegen längst zum Standardrepertoire. Die meisten von ihnen kommen im Hochsommer und paddeln alles zwischen Sjoa und Driva. Eine echte Überraschung erlebt dagegen derjenige, der zeitiger anreist und die Telemark ansteuert. Jens Klatt und Olaf Obsommer wissen schon seit Jahren von den dortigen Weltklasse-Bächen, und nix und niemand kann sie von der jährlichen Himmelfahrt an den Tinnsjö abhalten. In diesen See münden Tessungselva, Göyst, Skoogsaa und Mar, allesamt Bäche mit ordentlich Höhenmetergarantie.

STECKBRIEF: Telemark, Norwegen

Bei vielen WW-Paddlern gehört Norwegen längst zum Standardrepertoire. Die meisten von ihnen kommen im Hochsommer und paddeln alles zwischen Sjoa und Driva. Eine echte Überraschung erlebt dagegen derjenige, der zeitiger anreist und die Telemark ansteuert.

Lage: Region Telemark, südliches Norwegen, rund 120 km westlich von Oslo.

Basislager: Campingplatz in Austbygd im Norden des See Tinnsjö, www.sandviken-camping.no.

Beste Zeit: Mitte Mai bis Ende Juni, je nach Einsetzen der Schneeschmelze. Im Sommer nur nach intensiven Regenfällen. Und selbst dann läuft das Wasser schnell ab.

Angebot: Acht mehr oder weniger anstrengende Tagestouren und drei Bonusflüsse im 3-Stunden-Radius.

Charakter:  Meist steiles und stellenweise wuchtiges Wildwasser im mittleren bis oberen Schwierigkeitsbereich.

 

Tour 1, Skoogsaa 10 km WW IV-V (3x VI-X)

Abwechslungsreicher kann Wildwasser nicht sein: offene Schwälle und Katarakte, Niederklammen und Schluchten mit Grundgesteinspassagen, Rutschen und Wasserfällen. Die Skoogsaa ist ein Geheimtipp vieler Norweger. Schon etwa 300 Meter nach dem Einstieg wartet die erste spektakuläre Stelle. Die nächsten zwei Kilometer geht es über einige kleine Rutschen und Stufen dahin, die bei höheren Wasserständen zum Teil kräftige Walzen bilden können. Erreicht man einen 6 Meter hohen Wasserfall, steht man am Eingang zur ersten Schlucht. Den Wasserfall sollte man rechts umtragen, da das Unterwasser unsauber ist. Nun kann man die folgende Schlucht gleich vom rechten Ufer besichtigen, da nach der nächsten Linkskurve ein etwas unübersichtlicher Katarakt wartet, WW IV. Nach einem weiteren Kilo­meter ist Vorsicht geboten. Nach einer Linkskurve folgen zwei Rutschen dicht aufeinander, die letzte 12 Meter hoch. Nach ein paar Kilo­metern ruhigen Wassers kommen noch einige schöne Stellen (max. WW V-), bis es in eine letzte Schlucht geht. Dort wartet spritziges Wildwasser bis WW IV.
Einstieg: Brücke, an der die Straße das erste Mal auf die flussrechte Seit­e wechselt
Ausstieg: dort, wo die Skoogsaa auf die E 76 trifft (Notodden - Hjartdal).

Tour 2, Oberer Mar 9 km (6 km) WW III-V (VI, X)

Sofort nach dem Einstieg bricht der Mar durch einen Schlitz, am besten rechts umtragen. Auf den nächsten 500 Metern folgen mehrere kleine Rutschen und Stufen. Spätestens wenn man eine hölzerne Fußgängerbrücke über dem Fluss sichtet (Ausstieg 1), geht es zur Sache. Die 2-Meter-Stufe kurz vor der Brücke sollte gesichert werden. Der Fall hinter der Brücke stellt WW VI dar und kann rechts besichtigt werden. Zum Umtragen sollte man hinter der Brücke rechts aussteigen und über die Brücke links auf der Straße weiträumig umtragen. Sehr sichere Paddler können auch rechts auf dem Schanzentisch des Wasserfalls reinrutschen. Nun verabschiedet sich der Mar wieder von der Straße und gräbt sich langsam in eine Schlucht ein. Nach gut einem Kilometer wachsen die Schwierigkeiten wieder auf WW IV+ an. Vorsicht am Ausgang der Schlucht: Der Mar bricht über einen Monsterfossen hinab, unbedingt rechtzeitig links aussteigen! Vor einer Befahrung sollte das letzte Kehrwasser links erkundet werden, da es wirklich das letzte ist. Und: Bei viel Wasser erfüllt es noch nicht einmal diese Aufgabe.  
Einstieg: Anfang Mautstraße.
Ausstieg 1: nach Holzbrücke vor der Unfahrbaren.
Ausstieg 2: Brücke nach Asberg, direkt nach dem Monsterfossen.

Tour 3, Mar / Homerun 1 km WW V, vier Wasserfälle

Der Homerun ist die ultimative Wasserfallkombination der Telemark. Besichtigung vom flusslinken Ufer, am besten stromab beginnend.
Einstieg: Brücke nach Asberg.
Ausstieg: Straßenbrücke unterhalb.

Tour 4, Unterer Mar 2 km WW III-IV (V-), offen und stellen­weise wuchtig

Der untere Mar ist sehr kurz und wahrscheinlich der leichteste Abschnitt in der Telemark, somit also perfekt zum Einfahren oder »für Zwischendurch«. Die Schwierigkeiten steigen lediglich an einer Stelle über den vierten Schwierigkeitsgrad an, und dies auch nur, wenn ordentlich Wasser im Flussbett rauscht. Diese Stelle kann von der Straße besichtigt werden, sie befindet sich etwa 500 Meter nach dem Start.
Einstieg: Am Klammausgang. Folge vom See aus der flusslinken Schotterstraße, dabei immer links halten. Nach etwa 1,5 Kilometern kommt man zu einem verlassenen Haus. Von dort sollte man sein Boot runter zum Klammausgang tragen.
Ausstieg: Mündung in den See, Kieswerk links der Mündung.

Tour 5, Göyst 8 km WW IV-V (2 x V+), Grundgesteinsrutschen und Abfälle

Bei vielen WW-Paddlern gehört Norwegen längst zum Standardrepertoire. Die meisten von ihnen kommen im Hochsommer und paddeln alles zwischen Sjoa und Driva. Eine echte Überraschung erlebt dagegen derjenige, der zeitiger anreist und die Telemark ansteuert.
Höhepunkt der Göyst ist eine schier endlose Rutschenkombination, genannt »Popo-Falls«.
Foto: Archiv KANU

Die Göyst strömt nach dem Einstieg ca. 2 km durch eine Schlucht, WW III (2 x WW V-). Unter der nächsten Brücke nach der Schlucht wartet ein Schlitzwasserfall, und gleich 150 Meter darauf der höchste Fall der Göyst, der mit seinen 5 Meter und unsauberem Unterwasser genau befahren werden will. Die folgende WW V+ Stelle kann linksufrig umtragen werden. Bis zu »Popo-Falls« folgen zahlreiche endlose Grundgesteinsrutschen, unterbrochen von einem kleinen Wehr, welches recht unverhofft auftaucht (wenig Kehrwasser davor). Das Unterwasser ist unsauber und somit ist es besser, das Wehr auf der Insel in der Mitte zu umheben. Popo-Falls selbst ist eine wunderschöne Rutschenkombination. Nur sollte man nicht gleich in der Eingangswalze hängen bleiben, um dann auf dem Hintern die Reststrecke zu absolvieren – so wie es Namens­geber Olaf einst vollbracht hat. Nach Popo-Falls folgen noch ein paar leichte Stellen bis in den See.
Einstieg: Unterhalb der Wasserfälle. Folge der Straße talaufwärts Richtung Göyst. Am Ende der Straße (Schranke) befindet sich ein Parkplatz, von dem man sein Boote zum Fluss runter trägt, das letzte Stück sollten die Boote besser abgeseilt werden.
Ausstieg: im See Tinnsjö. Der Ausstieg befindet sich an einem Jugendgemeinde-Camp. Nach der Mündung in den See noch etwa 500 Meter nach links paddeln.

Tour 6, Obere Tessungselva WW III-IV (4 x WW V, X), 10 km

Bei vielen WW-Paddlern gehört Norwegen längst zum Standardrepertoire. Die meisten von ihnen kommen im Hochsommer und paddeln alles zwischen Sjoa und Driva. Eine echte Überraschung erlebt dagegen derjenige, der zeitiger anreist und die Telemark ansteuert.
Der mächtige Spänem­fossen - 10 Meter hoch und bei einem solchen Wasserstand butterweich.
Foto: Archiv KANU

Der obere Teil der Tessungselva ist Aufwärmer und Appetizer für die »California-Section«. Alle Stellen können einfach besichtigt und umtragen werden und liegen meist zwischen WW IV und V. Der erste Höhepunkt ist eine schöne Rutsche direkt an der Straße. Doch Obacht: 50 Meter nach der Rutsche wartet ein unschöner Wasserfall, der umtragen werden will. Bis zum unbestrittenen Höhepunkt der Tessung­selva, dem Spänemfossen, folgt wunderbares WW III, Zeit um tief Luft zu holen. Der Spänemfossen ist ein zehn Meter hoher Wasserfall, der butterweich ist, vorausgesetzt, es ist ordentlich Brühe im Bach. Ist dem nicht so, ist Vorsicht geboten: Durch die Breite der Abrisskante verläuft sich das Wasser schnell und kann das Unterwasser nicht durchsetzen, der Aufprall wird hart. Außerdem schaut dann in der Mitte auf halber Höhe eine Felsnase raus, die schon einen Kompressionsbruch auf dem Gewissen hat. Anschließend sind es noch 2 km WW II-III bis zum Ausstieg. Wichtig: Dort teilt sich der Fluss in zwei Arme. Die Brücke befindet sich nur im linken Arm, im rechten kann der Ausstieg leicht verpasst werden.
Einstieg: 18 km vor der Mündung.
Ausstieg: erste Brücke nach dem Spänemfossen.

Tour 7, Tessungselva California-Section, 8 km WW IV-VI (X), steil und wuchtig, offen

Die untere Tessungselva ist die Königin der Telemark, das Wahrzeichen der Region, der Punkt auf dem I, das Salz in der Suppe, die Sahne auf dem Stück Kuchen, die First Lady des Wildwasser. Ohne sie zumindest ausgiebig besichtigt zu haben, wäre eine Telemark-Tour nicht vollständig. Sie bricht über unzählige Grundgesteinsrutschen und Stufen zu Tale, so dass eine ausführliche Beschreibung die ohnehin notwendige Vorortbesichtigung nur schmälern würde. Im letzten Kilometer vor Austbygd gibt die Tessungselva noch mal richtig Gas. Sobald man rechts die Häuser in greifbarer Nähe hat, ist Vorsicht geboten. Der Eingang zum letzten Extrem-Durchbruch kommt unerhofft nach einer kleinen Stufe. Am besten rechts aussteigen und die 300 Meter zum Parkplatz laufen. Oder nach dem Eingang wieder reinrutschen und die Abschluss­kombi angehen.
Einstieg: erste Brücke nach dem Spänemfossem.
Ausstieg: Austbygd, ein Parkplatz befindet sich unmittelbar neben der Brücke flussrechts.

Tour 8, Skirva 9 km (10 km), WW III-I (V, VI, X)

Bei vielen WW-Paddlern gehört Norwegen längst zum Standardrepertoire. Die meisten von ihnen kommen im Hochsommer und paddeln alles zwischen Sjoa und Driva. Eine echte Überraschung erlebt dagegen derjenige, der zeitiger anreist und die Telemark ansteuert.
Die Skirva endet mit einem Paukenschlag – die letzte Stelle bricht direkt in den Tinnsjö.
Foto: Archiv KANU

Das rechtzeitige Anlanden vor den schweren Passagen ist nicht immer einfach, daher ist eine sichere Kehrwassertechnik Pflicht. Direkt nach dem Einstieg kommt eine Rutsche (WW V-), anschließend gräbt sich die Skirva schnell in eine tiefe Schlucht. Nach der Brücke kommt eine weitere Fünfer-Kombination, dann folgt die erste Umtrage flussrechts. Die zweite Umtragestelle ist schon gepaddelt worden, WW VI. Bei über 10 Kubik kann nicht mehr direkt am Fluss eingebootet werden, und das Umtragen gestaltet sich schwierig, es muss rechts 20 Meter abgeseilt werden. Vor der nächs­ten Straßenbrücke rechts ausbooten und die Fahrt beenden. Wer noch heiß ist, kann sich an der folgenden Miniaturklamm versuchen, oder zumindest an deren abschlie­ßender 15-Meter-Rutsche. Der letzte Kilometer bis in den See birgt noch ein paar schwierige Stellen, wobei der finale Doppel-Wasserfall in den See reiner Genuss ist.
Einstieg: ca. 1 km oberhalb der Straßenbrücke der 364, Weg nach Spjelset folgen.
Ausstieg 1: Brücke vor der unfahrbaren Klamm.
Ausstieg 2: Tinnsjö, Straße nach Hovin Brygge.

Tour 9, Hemsil 9 km (6 km), WW IV-VI (X)

Bonustracks (die folgenden Bäche liegen nördlich der Telemark, sollten aber nicht verpasst werden).

Kurz nach dem Einstieg geht es in eine Miniklamm, am besten schon vorher besichtigen. Wem diese zu heftig ist, der kann auch 100 Meter flussab nach der Straßenbrücke einbooten. Es folgen etliche schwere Stellen, die alle gut zu umtragen sind. Unter einer Holzbrücke wartet eine vermeintlich unfahrbare Stelle, die zwar schon von Nils Kagel befahren wurde, jedoch nicht zu empfehlen ist. Nach der Umtrage folgt der schwerste Teil des Hemsil. Wer sich bis hierhin nicht sicher fühlte, sollte die Fahrt beenden. Die folgende große Rutsche ist eigentlich nicht schwer, jedoch sind Fahrfehler verboten: Das gesamte Wasser der rechten Flussseite verschwindet in einer Höhle – sichern fast unmöglich. Nach diesem Adrenalinschub geht es weiter durch die letzte Schlucht, erwähnenswert ist die Zwangsstelle kurz vor Gol: Keine der Routen durch diesen Katarakt ist schön, jedoch sind alle möglich. Bis ca. 15 Kubik kann man sie rechts umtragen, jedoch wird der Hemsil erst ab 15 Kubik richtig lohnend. Dann von links anschauen und in der Mitte fahren. Wer links im Hauptwasser paddelt, muss damit rechnen, die Wand zu treffen. Die Wasserfälle in Gol setzen dem Hemsil die Krone auf. Der dritte Fall muss sauber gebooft werden, da hinter dem Fall eine Höhle ist. Der Fall unter der Brücke ist rechts unterspült und wird besser nicht gepaddelt.
Einstieg: 2 km flussauf von Grönli.
Ausstieg 1: Holzbrücke an der unfahrbaren Stelle, ca. 3 km vor Gol.
Ausstieg 2: Gol.

Tour 10, Numedalslagen 10 km WW III-V, Wuchtwasser

Bei vielen WW-Paddlern gehört Norwegen längst zum Standardrepertoire. Die meisten von ihnen kommen im Hochsommer und paddeln alles zwischen Sjoa und Driva. Eine echte Überraschung erlebt dagegen derjenige, der zeitiger anreist und die Telemark ansteuert.
Im Frühjahr wird aus dem Numedalslagen der Zambesi Norwegens.
Foto: Archiv KANU

Der Numedalslagen wird oft als Zambesi Norwegens bezeichnet. Und zumindest im Frühjahr wird er seinem Ruf auch gerecht: Dann sorgen bis zu 500 Kubik für ordentlich Wasser unterm Hintern. Die Wellen erscheinen vom Boot aus riesig, hinter jeder zweiten wähnt man eine Killerwalze. So hört das Kribbeln im Bauch erst am Ausstieg auf. Bei Mittel- und Niedrigwasser im Sommer verliert der Lagen schnell an Power, macht jedoch immer noch Spaß.
Einstieg: Folge der Mautstraße am Ausstieg auf der flusslinken Seite für etwa 10 km. Am Auslauf des zweiten großen Sees, dem Orsjoen, befindet sich der Einstieg.
Ausstieg: Brücke bei Dagali.

Tour 11, Ustaelvi 5 km WW IV-V (2 x V, 1 x X)

Bei vielen WW-Paddlern gehört Norwegen längst zum Standardrepertoire. Die meisten von ihnen kommen im Hochsommer und paddeln alles zwischen Sjoa und Driva. Eine echte Überraschung erlebt dagegen derjenige, der zeitiger anreist und die Telemark ansteuert.
Geht wirklich nicht – Siphon auf der Ustaelvi
Foto: Archiv KANU

Die Ustaelvi liegt zwischen Geilo und Gol, und es gibt wohl kaum einen Paddler, der nicht schon mal in die tiefe Schlucht gespäht hat. Im Führer ist die Usta­elvi jedoch nicht erwähnt. Doch wer sich von den Zwangspassagen (zwei, je nach Wasserstand) und einem Siphon nicht abschrecken lässt, kann eine neue Flussperle sein Eigen nennen. Die Zwangspassagen können vor Ort vom linken Ufer aus besichtigt werden. Um sich vorher ein Bild von den Stellen zu machen, kann man von der Straße ca. 1,5 km unterhalb des Einstiegs über eine Wiese zum Schlucht­rand laufen. Am Ausstieg wartet ein 15-m-Wasserfall (WW VI). Besser hört man an einer alten Hängebrücke 200 Meter vorher auf.
Einstieg: von Geilo der Straße Richtung Gol ca. 2 km folgen und rechts auf einen Kiesweg mit folgender scharfer Kurve abbiegen.
Ausstieg: Hängebrücke vor dem hohen Wasserfall.

Auf in die Telemark

Bei vielen WW-Paddlern gehört Norwegen längst zum Standardrepertoire. Die meisten von ihnen kommen im Hochsommer und paddeln alles zwischen Sjoa und Driva. Eine echte Überraschung erlebt dagegen derjenige, der zeitiger anreist und die Telemark ansteuert.
Versprochen, dies ist der letzte Wasserfall des Artikels.
Foto: Archiv KANU

Die Region Telemark liegt rund zwei Autostunden südwestlich von Oslo. Sie erstreckt sich von der Hochebene Hardangervidda bis hinunter zum Meer bei Larvik. Im Winter ein riesiges Langlaufparadies mit Schnee satt, erweckt das späte Frühjahr die zahlreichen Wasserläufe zu neuem Leben. Dank der »kurzen« Anreise ist die Telemark zumindest für Norddeutsche eine absolute Alternative zu den gängigen Pfingstkurzurlaubs­zielen Tessin oder Südfrankreich. Alle anderen sollten eine Woche mehr Zeit mitbringen.

Charakter

Die Wildwasser der Telemark ge­hören zum Feinsten (und oft auch Schwersten), was der europäische Kontinent zu bieten hat. Die Bäche sind meist steil und technisch, garniert mit Rutschen und Wasserfällen im XXL-Format. Manche bieten stetige Straßenbegleitung, andere verlaufen in tiefen Schluchten mit Zwangspassagen. Siphons und Unter­spülungen sind selten, da die meisten Flüsse durch ein Grundgesteinsbett aus hartem aber rundgewaschenem Granit toben.  

Beste Zeit

Die Pegel hängen stark von den vorhandenen Schneereserven und dem Einsetzen der Schmelze ab. Tendenziell findet man die besten Wasserstände von Mitte Mai bis Ende Juni.

Anreise

Zahlreiche Varianten sind denkbar. Zum einen via Vogelfluglinie (Feh­marn – Kopenhagen – Schweden) mit zwei kurzen und günstigen Fährpassagen (www.scandlines.de). Die anschließende Fahrt mit Tempo
90 km/h entlang der schwedischen Westküste bis Oslo ist allerdings recht anstrengend. Die beste Verbindung ist Frederickshavn (Dänemark) – Larvik (Norwegen) mit Colorline (www.colorline.de, Tel. 0431/7300-300). Von Larvik aus ist man in eineinhalb Stunden am ersten Bach. Wer sich was Besonderes gönnen will, wählt bei der Rückreise die Variante Oslo – Kiel. In einer Kabine schippert man dann über Nacht inklusive Kapitänsdiner nach Deutschland. Da die beste Reisezeit für die Telemark außerhalb der üblichen Fährhochsaison liegt, zahlt man bei jeder Variante akzeptable Preise.    

Ausrüstung

Komplette WW-Ausrüstung, von Alpinboot über Ersatzpaddel bis Erste-Hilfe-Kit. Grundsätzlich ist keine der beschriebenen Etappen fern der Straße, doch graben sich einige Flüsse in Schluchten ein, deren Verlassen aufwendig und mühsam ist.

Sehenswertes

Die alte Industriestadt Rjukan ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Dort sollte Folgendes nicht verpasst werden. Industriearbeitermuseum »Vemork« in einem stillgelegten Chemie- und Kraftwerk, 1911 als damals weltgrößtes eröffnet. Die Deutschen stellten dort im 2. Weltkrieg schweres Wasser (Deuterium) für eine geplante Atombombe her. Als die Alliierten davon erfuhren, veranlassten sie eine Reihe von Sabotageaktionen. 1944 wurde die Anlage von neun norwegischen Saboteuren ge­sprengt. Im Jahr darauf wurde eine mit Deuterium be­ladene Fähre auf dem Tinnsjö versenkt. Über die damaligen Heldentaten gibt es auch einen Hollywood-Film (Kennwort: Schweres Wasser) mit Kirk Dou­glas. Krossobahn: Sie war die erste Personenseilbahn Nord­europas und ein Geschenk der Kraftwerksgesellschaft an die Stadt. Mit ihr konnten die Arbeiter Rjukans, dessen Stadtkern vom 1. Oktober bis 15. März ganztägig im Schatten der Berge liegt, aufs sonnige Fjell gelangen. Die größte Stabkirche Norwegens befindet sich in Heddal bei Notodden. Dieser prächtige Bau mit verschachtelten Holzschnitzsdächern hat fünf Etagen und gilt als berühmteste Stabkirche Norwegens.

Karten

Statens Kartverk, www.statkart.no.
Vertrieb: www.nordis.ver­sand.de,

Literatur

Das Angebot flussbeschreibender Literatur ist für die Telemark immer noch stark begrenzt. Im DKV-Auslandsführer Skandinavien sind einige Flüsse erwähnt, jedoch zu ungenau. Erst  Anfang 2004 soll mit »The Whitewater Guide Norway« von Klatt und Obsommer der erste komplette Führer erscheinen.